"Ich bin nicht gekommen um angeklagt zu werden, ich bin gekommen um anzuklagen!" Mit diesen kämpferischen Worten trat Osman Baydemir, Abgeordneter der DTP, seinen heutigen Gerichtstermin an. Über 200 Verfahren musste dieser Mann über sich ergehen lassen. "Ich bin hier um das Weltanschauung jener anzuklagen, die unsere 3-jährigen Kinder und unsere 70-jährigen Großväter ermordeten. Ich bin Zeuge in dieser Verbrechen an meinem Volk, ich bin Angeklagter in diesem Fall, jedoch bin ich kein Mörder. Ich habe nur einen Rechtsstreit und bei diesem geht es um die Identität, Religion, Kultur, Menschenrechte und Freiheiten meines Volkes."
Baydemir wurde angeklagt, weil er die türkischen Sicherheitskräfte für ihren übermäßigen Einsatz bei den kurdischen Newroz-Feierlichkeiten kritisiert hatte. Dabei hat Baydemir nur versucht die kurdische Zivilbevölkerung mit den Worten "Lasst uns unser Leid nicht noch vergrößtern" zu beruhigen. Mit dieser Aussage nahm er Bezug auf die 10 Menschen, die ums Leben kamen, als türkische Sicherheitsbehörden mit scharfer Munition in die Menschenmenge schossen.
Baydemir fuhr seine Rede folgendermaßen fort: "An Newroz wurden nicht nur 10 unserer Landsmänner ermordet, es war auch der Tag, an dem die Demokratie, die Rechte und die Regierung dieses Landes ermordet wurden. Die Personen, die absichtlich in die Menschenmenge schossen, laufen jetzt frei herum und sie werden nicht vor Gericht gebracht für ihre Schandtaten."
In der Türkei laufen Mörder frei auf den Straßen herum und Friedensaktivisten erhalten eine Anklage nach der anderen oder werden auf offener Straße ermordet. Osman Baydemir erhielt eine Haftstrafe von 2 Monaten, später wurde diese auf 1 Monat und 20 Tage verkürzt und in letzter Instanz in eine Geldstrafe in Höhe von 1 500 YTL umgewandelt.
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