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Kurdistan Diskussionsforum 01. Aug 2010, 12:02 *
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Autor Thema: Cengîz Aytmatov / Tschingis Aitmatow (12.12.1928 - 10.06.2008)  (Gelesen 693 mal)
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Amos
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« am: 13. Jun 2008, 05:00 »

Oxir be; Cengîz Aytmatov mir!
Nivîskarê kirgiz ê navdar Cengiz Aytmatov ku di nava sê nivîskarên herî mezin yên cîhanê de tê nîşandan, jiyana xwe ji dest da.
 
Nivîskarê kirgiz ê navdar Cengiz Aytmatov ku di nava sê nivîskarên herî mezin yên cîhanê de tê nîşandan, jiyana xwe ji dest da.

Berdevkê Çapemeniyê yê Serokdewletiya Kirgizîstanê Dosalî Esenaliyev ragihand ku Aytmatovê kul i Nurnberga Almanyayê tedaviya gurçikan dibû, jiyana xwe ji dest da.

Esenaliyev her wiha got ku wan li ser mirina Cengiz Aytmatov, Serokdewlet Kurmanbek Bakiyev agahdar kirine.



Quelle: Netkurd

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Foto: Jutta Schwöbel/Der Spiegel

Heute wird einer meiner Lieblingsschriftsteller in Kyrgistan bestattet: Cengîz Aytmatov / Tschingis Aitmatow: "Die Religion ist ein bedeutender Teil der menschlichen Kultur, nicht nur der christlichen, sondern jeder Kultur. Alle Religionen haben gleichzeitig Großes hervorgebracht wie auch Irrtümer und Fehler" (aus: Richtplatz Literatur, 1988)

Aitmatows Bücher zu lesen, verlangt volle Konzentration, da seine Geschichten meistens auf mehreren Ebenen erzählt werden und häufig Zeitsprünge vorkommen. Und alles ist so ineinander verwoben, dass es gewöhnlich nicht möglich ist, einzelne Teile isoliert zu betrachten. Die LeserInnen müssen sich stets auf Aitmatows Gedankenstrukturen einlassen. In den meisten seiner Romane und Erzählungen hat mich die Verbindung zwischen Politik, Geschichte, Mythologie, Ökologie und Dialog zwischen unterschiedlichen religiösen und philosophischen Positionen fasziniert.

In der damaligen Sowjetunion war das ein ziemlich "dünnes Eis", auf dem Aitmatow sich bewegte. Daher sind so manche gesellschaftskritischen Abhandlungen in mythologische Erzählungen verpackt, die vermutlich für die Zensoren so langweilig waren, dass sie beim Gähnen das Streichen vergaßen.

Aitmatow versteckte seine Botschaften in vielen solcher sehr breit angelegten Erzählungen über Mythen und ihren Einfluss auf die Alltagswelt. Dabei verlangt er von seinen LeserInnen, dass sie sich mit dem Inhalt der Legenden intensiv zu befassen. Das mag im alten Sowjetreich vielen nicht gepasst haben, und der Literaturstudent Aitmatow bekam dies am Gorki-Institut in Moskau zu spüren, als manche seiner Kommilitonen noch nach stalinistischer Gewohnhei seinen Stils als bürgerliche Abweichung abqualifizierten.

Dann kam mit "Jamila" vor nun 50 Jahren der Durchbruch und der internationale Erfolg. Nicht zuletzt, weil nach dem 20. Parteitag der KPdSU und der damit einhergehenden Entstalinisierung ein ideologisches "Tauwetter" zugelassen wurde, das auch damals andere nicht KP-konforme Schriftsteller begünstigte, wie z.B. Alexander I. Solschenyzin.

Ich habe "Jamila" erst ziemlich spät gelesen. Mein erstes Buch von Aitmatow war, glaube ich, "Der Tag zieht den Jahrhundertweg" (auch bekannt unter dem Titel: "Ein Tag länger als das Leben), das mich natürlich auch wegen der detaillierten Schilderung des Eisenbahneralltags in der zentralasiatischen Steppe interessierte. Dazu dann die Parallelität von Naturschilderungen, Science Fiction im Weltraum, einschließlich einer schon satirisch zu nennenden Abrechnung mit der nicht zukunftsfähigen Politik sowohl des Ostens wie des Westens. Und immer wieder Hinweise auf die im "einfachen Volk" aller Indoktrinierung zum Trotz überlebenskräftigen Mythen der Steppe.

Als ich dann im Sommer 1988 "Die Richtstatt" las, war mir "die Gegend" schon ein wenig vertraut. Aber dieses Mal war stärker Ökologie das Theme, und es wurde verbunden mit einer Schilderung von verbrecherischer Politik auf verschiedenen Ebenen. Dies hatte mit Gorbatschows "Perestroika" zu tun, der Dichter gab dem befreundeten Präsidenten Hilfestellung mit seinen Mitteln. Das ist wahrlich kein "schönes" Buch, aber es hat mir letztlich geholfen, die Dialektik von Tradition und Moderne zu verstehen, dazu die weitere Dialektiv zwischen Islam und Christentum.

Zu Aitmatows "schönen" Büchern möchte ich auch "Jamila" nicht zählen, eher schon "Der weiße Dampfer", "Du meine Pappel im roten Kopftuch" und "Die Klage des Zugvogels". Aber lesenswert ist alles. Ich wurde auch sehr an den Stil von Aitmatow erinnert, als ich zum ersten Mal einen Roman von Yaşar Kemal las. Für die meisten LeserInnen dieses Beitrags geht der Weg wohl umgekehrt: aus der Kenntnis des Werks von Yaşar Kemal zu dem von Cengiz Aitmatow. Das ist sicher auch ein erlebnisreicher literarischer Weg

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Links zu Artikeln über oder von Cengiîz Aytmatov / Tschingis Aitmatow:

Der Spiegel: Hellwacher Träumer

Die Welt: Schriftsteller Tschingis Aitmatow gestorben

Materialien aus dem Unionsverlag Zürich:
Bibliographie

Tschingis Aitmatow: Notizen über mich

Aitmatow-Porträt in »Zentralasiatische Nachrichten«

Der Sämann

Tschingis Aitmatow: Die zweite Schlacht um Kundus

Friedrich Hitzer: Jeden Pfad will ich betreten, von der Wüste zu den Städten


Fotoessay über Tschingis Aitmatow von H. Klaus Kühn
« Letzte Änderung: 13. Jun 2008, 21:18 von Amos » Gespeichert

When the power of love overcomes the love of power the world will know peace. - Jimi Hendrix.
Amos
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« Antworten #1 am: 13. Jun 2008, 17:40 »

Eine recht nett geschriebene Würdigung von Werk und Person dieses Dichters findet ihr hier: Leider zeigt das Video zum Lied, welches Hannes Wader auf Djamila getextet und gesungen hat, überwiegend bayrische Mittel- und Hochgebirgslandschaft. So etwas nennt mensch wohl "Stilbruch".

Zitat
Er wuchs auf in einer Welt rücksichtsloser Vernichtung des Gewesenen, stetiger Auslöschung von Erinnerung. Sein Vater, einer der ersten kirgisischen Kommunisten, fiel dem stalinistischen Terror zum Opfer.
schrieb Jens Bisky in seinem Nachruf für die Süddeutsche Zeitung. Und:
Zitat
Er war kein Autor für Amüsement und Konsum, sondern verstand sein Gewerbe im heute altmodisch wirkenden Sinn als das eines Lehrers, einer moralischen Instanz. Und so wurde er, gerade in der DDR, auch gelesen. "Die Literatur muss selbstlos ihr Kreuz tragen", schrieb er einmal, "sie muss in die Kompliziertheit des Lebens eindringen, damit der Mensch alles Gute und Würdige in sich selbst, den anderen und der Gesellschaft kennt, liebt und behütet. ... Denn der Mensch sucht in der Kunst die Bestätigung seiner besten Bestrebungen und die Ablehnung alles Bösen und Ungerechten, das seinen sozialen und sittlichen Idealen widerspricht."

Die klare Unterscheidung von "gut" und "böse" hat er literarisch durch immer komplexere Konstruktionen balanciert, am gelungensten in seinem Weltroman "Der Tag zieht den Jahrhundertweg" (1980). Erzählt wird die Geschichte des Eisenbahnarbeiters Edige, gespiegelt in der phantastischen Erfindung einer extraterrestrischen Zivilisation, die Krieg und Ausbeutung nicht kennt und irgendwie kommunistisch erscheint. Die Großmächte beschließen, den Kontakt nicht zuzulassen. Wirkmächtig wurde das Buch durch die Legende von den Mankurts, Sklaven, die durch grausame Torturen das Gedächtnis verloren hatten. Wer im sowjetischen Machtbereich das Buch las, wusste, worum es ging. Aitmatow, hochgeehrt und mit wichtigen Funktionen betraut, streifte einige Tabus.
« Letzte Änderung: 13. Jun 2008, 20:30 von Amos » Gespeichert

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