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Kurdistan Diskussionsforum 07. Okt 2008, 08:40 *
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Autor Thema: Eskalation bei kurdischer Jugenddemo in Berlin (Bericht vom 19.04.2008)  (Gelesen 4600 mal)
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Rewsen
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« am: 20. Apr 2008, 10:39 »


Eskalation bei kurdischer Jugenddemo in Berlin






Wie Şoreşger uns am 12.04.2008 berichtete, war der Beginn der Jugenddemo im Rahmen der Edî bes e - Kampagne auf 10:00 Uhr angesetzt. Die ersten Busse aus anderen deutschen Städten kamen bereits um 7:00/8:00 Uhr im Wedding am Nettelbeckplatz an.

Die Demonstration konnte jedoch nicht wie geplant um 10:00 Uhr beginnen, da etliche Busse, die die Jugendlichen zur Demo bringen sollten, auf dem Weg nach Berlin angehalten, die Busse durchsucht und die Jugendlichen kontrolliert wurden. Die Busse wurden so lange aufgehalten, dass es den meisten von ihnen nicht möglich war, rechtzeitig in Berlin anzukommen und so an der Demonstration teilzunehmen, was seitens der Einsatzkräfte beabsichtigt schien. Bekannt sind hier unter anderem 2 Busse aus Hamburg, die 4 Stunden aufgehalten wurden sowie Busse aus Leipzig und Dresden.

Bei Ankunft auf dem Nettelbeckplatz konnte man die Überzahl der Einsatzkräfte der Polizei und des BKA nicht übersehen. Sie waren mit Kameras ausgerüstet und filmten nahezu lückenlos den Ablauf der Veranstaltung sowie jeden Teilnehmer. Der Nettelbeckplatz war von Einsatzkräften am Boden und auf Hausdächern – ebenfalls mit Kameras – umzingelt. Bevor man den Platz betreten konnte, wurde man aufs Gründlichste durchsucht.




Nachdem man 2 ½ Stunden gewartet und die Zeit mit Ansprachen, Musik und Tanz verbracht hatte, setzte sich der Demonstrationszug um 12:30 Uhr friedlich in Bewegung. Es wurden bekannte Parolen gerufen wie „Türkische Armee raus aus Kurdistan“, „Türkei - Terrorist“ und „Hoch die internationale Solidarität“.




Die Route führte vom Nettelbeckplatz zum Hackeschen Markt und wieder zurück. Im Laufe der Veranstaltung wuchs die anfängliche Teilnehmerzahl von ca. 500 auf ca. 1.000 an. Die Stimmung war friedlich und es kam vor Ort zu keinen Zusammenstößen, obwohl die kurdischen Jugendlichen nach Passierung des Hackeschen Marktes und ab Beginn des Wohngebietes immer wieder – vor allem von Hausfenstern aus – durch demonstratives Heraushängen türkischer Fahnen, rechter türkischer Parolen und durch Zeigen des Handzeichens der Grauen Wölfe provoziert wurden. 

Als der Zug sich um 14:45 Uhr jedoch auf der Höhe des U-Bahnhofes Voltastraße befand, eskalierte die Situation zum ersten Mal seit Beginn der Demo: Türkische Jugendliche warfen leere 0,5l-Wasserflaschen aus Plastik in die Menge, woraufhin die kurdischen Jugendlichen ebendiese Flaschen wieder zurückwarfen. Für die türkischen Jugendlichen hatte dies keine Konsequenzen zur Folge, jedoch aber für die kurdischen: Die Einsatzkräfte stürmten auf die kurdischen Jugendlichen los und schlugen laut Augenzeugenbericht auf sie ein. Dabei wurde kein Unterschied zwischen Jungen oder Mädchen gemacht.




Die kurdischen Jugendlichen, die den Verletzten zu Hilfe eilen und sie vor weiteren Übergriffen beschützen wollten, wurden von den Veranstaltern dazu aufgefordert, weiterzulaufen. Man würde sich um die Verletzten kümmern.

Ab diesem Angriff kam es ca. alle 5 Minuten zu einer Auseinandersetzung. Zum größten Teil lag es an Provokationen seitens türkischer Faschisten – die geschützt durch die Absperrung der  Einsatzkräfte waren. Allerdings kann man diese nicht - wie beispielsweise der DDP berichtet – als Schlägereien bezeichnen. Es war erschreckend zu sehen, wie wegen Handlungen, die einen solchen Einsatz nicht im Geringsten rechtfertigten, einzelne Teilnehmer durch Teams der Einsatzkräfte wiederholt – oft noch Minderjährige - umzingelt und auf brutalste Weise geschlagen und getreten wurden, auch, wenn sie bereits am Boden lagen. Die Veranstalter riefen die Jugendlichen jedoch weiterhin dazu auf, nicht zu reagieren und friedlich zu bleiben. Die Jugendlichen wurden angehalten, sich hinzusetzen, um so zumindest seitens der Kurden zur Deeskalation beizutragen.




Laut Polizeiangaben sollen Polizisten von Demonstranten mit Steinen und Flaschen beworfen worden und infolge dessen 11 Beamte verletzt worden sein. Uns ist nichts dergleichen bekannt. Bei den Flaschen, die – jedoch nicht gegen die Einsatzkräfte, soweit bekannt – flogen, handelte es sich um leere 0,5l-Plastikflaschen und nicht, wie durch die Meldung der Welt suggeriert, um Glasflaschen.

Der Demonstrationszug endete um 15:45 Uhr am Nettelbeckplatz, wo bereits weitere Teilnehmer die Ankommenden empfingen. Allerdings hörten die so genannten „Zwischenfälle“ – entgegen der Meldung der Welt  nicht auf:

Auf dem Platz fast direkt vor der Bühne kam es erneut zum massiven Angriff der Einsatzkräfte, die neben Schlagstöcken und Kampfhunden auch Tränengas und Pfefferspray gegen die Teilnehmer einsetzten. Jugendliche, die Tränengas in die Augen bekommen hatten und blind und vor Schmerzen durch die Gegend irrten, wurden verfolgt und denjenigen, die den Verletzten – beispielsweise durch Ausspülen der Augen mit Wasser - helfen wollten, beiseite gestoßen.

Die Verletzten wurden aus dem Kreis der Helfenden gerissen und zu Boden geworfen und/oder (gleich) in Gewahrsam genommen. Es herrschte Panik unter den Teilnehmern und Wut auf die Polizisten, die unverhältnismäßig brutal handelten. Verletzte und Verwundete, die nicht mitgenommen wurden, trauten sich nicht, ihre Verletzungen in dem bereitgestellten Krankenwagen behandeln zu lassen, da sie fürchteten, dort festgenommen zu werden.

Seitens des Veranstalters wurden die Einsatzkräfte eindringlich gebeten, diese unverhältnismäßigen Aktionen zu unterlassen; jedoch zeigte diese Bitte keine Wirkung. Laut Polizeiangaben kam es zu 86 Festnahmen. Zu den Verletzten und Verwundeten der Interaktion der Einsatzkräfte gegenüber den Teilnehmern fehlt jegliche Angabe.

Die Veranstalter riefen die Teilnehmer dazu auf, trotz der Ereignisse ruhig zu bleiben und nicht zu reagieren. Man solle sich – weiterhin - friedlich verhalten. Im Anschluss daran begann das Konzert von Önder Deniz, Mehmet Karaca, Hozan Aydin und Serhado, das um 19:00 Uhr endete. Es kam zu keinem weiteren „Einschreiten“ der Einsatzkräfte und deren Anzahl verringerte sich nach einiger Zeit.

Am Ende der Kundgebung wurde bekannt, dass 20 der laut der zu der Zeit 60 in Gewahrsam genommenen Teilnehmer, bis 20:00 Uhr entlassen werden sollten. Ob die anderen Teilnehmer freigelassen wurden und welche Folgen sie zu tragen haben werden, ist zum derzeitigen Zeitpunkt noch ungewiss.

Diejenigen, die durch die Einsatzkräfte verletzt wurden, wurden dazu aufgerufen, sich an Herrn Yüksel Koç, den Vorstand von YEK-KOM, zu wenden. YEK-KOM stehe in Kontakt mit Anwälten, denen diese Fälle übergeben werden würden.



Berlin, den 19.04.2008
Rewşen für www.kurdmania.com und Rojan





Dieser Topic ist nur zur Information gedacht, so dass Beleidigungen oder niveaulose Kommentare umgehend gelöscht werden; ggf. wird dieser Topic - wie ursprünglich geplant - geschlossen, so dass Antworten nicht möglich sind.

Falls jemand weitere Informationen hat oder Bilder bereitstellen möchte, möchten wir Euch bitten, diese hier zu sammeln.

MfG

Rewşen
« Letzte Änderung: 20. Apr 2008, 19:54 von Rewsen » Gespeichert

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« Antworten #1 am: 20. Apr 2008, 10:47 »

Medieninformation des Kurdistan-Solidaritätskomitees Berlin

Kämpferische Jugenddemonstration durch Berlin für Frieden in Kurdistan
Brutale Polizeiübergriffe auf kurdische Jugendliche

Rund 1500 kurdische Jugendliche aus ganz Deutschland forderten am Samstag auf einer Demonstration vom Wedding zum Hackschen Mark und zurück lautstark Frieden für Kurdistan und Freiheit für den in der Türkei inhaftierten kurdischen Volksführer Abdullah Öcalan. Bei brutalen Angriffen der Polizei auf die Demonstration wurden mehr als 80 Demonstrationsteilnehmerinnen und -teilnehmer festgenommen und zahlreiche verletzt.

Von Anfang an schikanierte die Polizei die friedlichen Demonstranten. Busse wurden noch vor der Einfahrt nach Berlin gestoppt und durchsucht. Schon dabei kam es zu Festnahmen. Willkürlich wurden von der Polizei Fahnen mit dem Bild Abdullah Öcalans verboten.

Immer wieder provozierten türkische Nationalisten am Straßenrand und auf Balkonen mit Fahnen und dem Gruß der faschistischen Grauen Wölfe. Als Demonstranten lautstark dagegen protestierten, griff die Polizei die Demonstration an. Äußerst brutal wurden mehrere Teilnehmer festgenommen. Erneut griff die Polizei die Abschlusskundgebung an. Dabei wurden zahlreiche Demonstrationsteilnehmerinnen und -teilnehmer durch Schläge und Pfefferspray verletzt. Mindestens zwei mussten im Krankenhaus behandelt werden. Einem Jugendlichen wurde die Nase gebrochen, ein weiterer wurde ohnmächtig.  Festgenommene wurden noch am Boden liegend von der Polizei misshandelt.

Die Polizei verharmlost in ihrer Pressemeldung die provozierenden Grauen Wölfe als „türkische Passanten“. Die Grauen Wölfe sind in der Türkei für zahlreiche Morde an kurdischen Politikern, Gewerkschaftern, Aleviten und Linken verantwortlich. Hier in Deutschland haben Anhänger der Grauen Wölfe Ende Oktober letzten Jahres bei pogromähnlichen Hetzjagden auf Kurden in Berlin und anderen Städten zahlreiche Menschen verletzt. Doch so wie die deutsche Polizei immer wieder Neonazis vor antifaschistischen Protesten schützt, stellte sie sich am Samstag auch schützend vor die türkischen Faschisten und griff stattdessen die kurdischen Jugendlichen an.

Das Kurdistan-Solidaritätskomitee verurteilt die exzessive Polizeigewalt gegen die kurdischen Jugendlichen. Wir fordern vom SPD-Linksparteisenat als politisch Verantwortlichen für den Polizeieinsatz Disziplinarmaßnahmen gegen die zuständigen Polizeibeamten. Die Inhaftierten müssen sofort freikommen. Das PKK-Verbot muss endlich aufgehoben werden.

mit freundlichen Grüßen,

Koordinationsrat des Kurdistan-Solidaritätskomitees Berlin

Kontakt: kurdsolikom@gmx.de oder über Handy: 0151-56618652

Photos von der Demonstration und den Polizeiübergriffen können beim Kurdistan-Solidaritätskomitee angefordert werden.
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Jeder hat das Recht auf meine Meinung d1
Miro
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« Antworten #2 am: 20. Apr 2008, 13:19 »

Rewsen, Rojan und Soresger,

Vielen Dank für diesen ausführlichen Bericht.


Das uverhältnismäßige Vorgehen der Berliner- Polizei gegen die kurdischen Jugendliche ist aufs schärfste zu verurteilen und die verantwortlichen Beamten und Einsatzleiter müssen zur Rechenschaft gezogen werden. Die Kurden sind diese Bilder der Brutalität durch Staatsorgane aus ihrer Heimat gewohnt, wo jegliche Forderungen der Kurden seitens der Besatzermächte Kurdistans aufs brutalste niedergeschlagen wird. Es kann in einem "Rechtsstaat" wie Deutschland nicht angehen, dass eine friedliche Demonstration mit dem Ziel Frieden und Freiheit fürs Kurdistan, auf diese Art und Weise durch die Einsatzkräfte kriminalisiert und somit den Kurden das Recht auf ein friedliches Demonstrieren, für ihre Rechte genommen wird.

Die Kriminalisierung der Kurden und ihrer Instiutionen in Deutschland muss aufhören. Erst vor kurzem hat das höchste Gericht der der EU- in Luxemburg darüber entschieden, dass die PKK nicht als terroristisch gelten darf und von der EU- Liste der Terrororganisationen genommen werden muss! MEHR DAZU HiER KLiCKEN!
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Roni Dujminkuj
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« Antworten #3 am: 20. Apr 2008, 14:07 »



*edit*

NIemand soll von uns erwarten, dass wir friedlich bleiben, wenn wir mit schlag stöckern geschlagen werden!!!



Ronî, ich hatte bereits oben angekündigt, dass Aufrufe zur Gewalt u.ä. hier nicht geduldet werden. Da Du bereits verwarnt bist, ist dies hier die letzte Verwarnung. Bei dem nächsten Beitrag dieser Art wirst Du ohne Vorwarnung gebannt.

Rewsen
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« Letzte Änderung: 20. Apr 2008, 14:15 von Rewsen » Gespeichert
Newa
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« Antworten #4 am: 20. Apr 2008, 15:25 »

Bei Kurden-Demo fliegen Steine und Holzlatten

Bei einer Demonstration von Kurden in Berlin ist es zu schweren Ausschreitungen gekommen. Elf Polizisten wurden verletzt, 86 Demonstranten festgenommen.

Das teilte ein Polizeisprecher mit. Es seien Holzlatten, Flaschen und Steine geflogen. Die kurdischen Demonstranten hätten sich anscheinend von Türken provoziert gefühlt. Nach den Auseinandersetzungen wurde die Route der Kundgebung abgekürzt. Am Abend hatte sich die Lage beruhigt. Die Polizei leitete Strafverfahren unter anderem wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz und Körperverletzung ein.

Weit weniger Teilnehmer als erwartet

Rund 550 vorwiegend junge Demonstranten waren durch die Stadtteile Wedding und Mitte gezogen, deutlich weniger als die angemeldeten bis zu 5000 Teilnehmer. Die Föderation Kurdischer Vereine hatte zu der Veranstaltung als „der ersten europaweiten kurdischen Jugenddemonstration“ aufgerufen. Gefordert wurden ein Ende von „Krieg und Polizeiterror gegen die kurdische Freiheitsbewegung“ sowie Freiheit für den in der Türkei inhaftierten Chef der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK, Abdullah Öcalan. An der Abschlusskundgebung nahmen etwa 750 Personen teil.

Die Berliner Polizei war nach eigenen Angaben auf Krawalle vorbereitet. Im Oktober hatte es bei einer Demonstration Angriffe von türkischen Nationalisten auf Kurden gegeben. Auch dabei wurden mehrere Polizisten verletzt.

Quelle:http://www.focus.de/politik/deutschland/berlin-bei-kurden-demo-fliegen-steine-und-holzlatten_aid_296256.html?omiid=rss




Bei Youtube ist auch bereits  ein Video

http://www.youtube.com/watch?v=zV7F_j_9Awc



« Letzte Änderung: 20. Apr 2008, 17:38 von Newa » Gespeichert
Rewsen
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« Antworten #5 am: 20. Apr 2008, 22:00 »








Wir haben hier noch einige Ergänzungen zu dem Bericht von der gestrigen Veranstaltung zusammengetragen:


Wie wir bereits geschrieben hatten, wurden Busse in Berlin abgefangen und aufgehalten. Es wurde von den 2 Bussen aus Hamburg (ca. 90 Teilnehmer) bekannt, dass sie in Berlin von den Einsatzkräften angehalten und gezwungen wurden, ihnen auf die Polizeistation zu folgen. Dort angekommen, wurde laut Augenzeugenbericht nicht lange gewartet sondern an die Tür des Busses geschlagen und gefordert, diese umgehend zu öffnen. Die Jugendlichen mussten ihre Hände auf die Stuhllehnen vor sich legen, was von den Polizisten überwacht wurde. Im Anschluss hieran wurden die Teilnehmer einzeln aus den Bussen geholt und zum Polizeiwagen gebracht, wo sie durchsucht und ihre Personalien festgestellt wurden.

Die Hamburger waren der Meinung, dass diese Prozedur innerhalb von 1 – 1 ½ Stunden hätte erledigt werden können, dass jedoch beabsichtigt wurde, sie länger festzuhalten um ihre Teilnahme an der Demo zu verhindern. Sie wurden dort 4 Stunden festgehalten und als sie nach dem Grund hierfür fragten und den hierzu notwendigen richterlichen Beschluss sehen wollten, wurde ihnen mitgeteilt, dass aufgrund einer kurzfristigen Meldung ein Beschluss nicht existieren würde. Die Berliner Polizei sei aus Hamburg angerufen und es sei ihr mitgeteilt worden, dass die Jugendlichen in den Bussen verstärkt Waffen mit sich führen würden. Bei der Personen- und Busdurchsuchung wurde lediglich ein handelsübliches Taschenmesser gefunden.

Ein Bus aus dem Raum Bonn / Euskirchen wurde ebenfalls daran gehindert, direkt zum Veranstaltungsort zu fahren. Bei der Personenkontrolle im Bus wurde ein 17-/18-jähriger Junge aus zurzeit nicht geklärten Gründen gezwungen, seine Hose mitten im Bus auszuziehen. Man vermutete, der Junge würde noch eine Sporthose darunter tragen. Dass er dies verneinte, wurde nicht ernst genommen. Er musste sich vor all den anderen Teilnehmern die Hose ausziehen, die Beamten nahmen seine Hose mit und brachten sie erst nach einiger Zeit zurück, so dass der Junge in der Zeit in Unterhose warten musste, was dieser als Erniedrigung empfand.

Bereits vor Beginn der Demonstration wurden Teilnehmer wegen Mitführens von Fahnen und T-Shirts mit dem Portrait Abdullah Öcalans in Gewahrsam genommen und ihre Personalien festgestellt. Die Fahnen und T-Shirts wurden gefilmt und größtenteils konfisziert.

Wie bereits beschrieben, verlief die Demo bis zum ersten Angriff nahe dem U-Bahnhof Voltastraße weitestgehend friedlich. Der „Zwischenfall“, der von den Behörden zuerst als der einzig relevante genannt wurde, fand in der Brunnenstraße statt. An einer Kreuzung hatten sich mehrere türkische Jugendliche versammelt, die – geschützt durch die Absperrung der Einsatzkräfte zwischen ihnen selbst und den Demonstranten – türkisch-faschistische Parolen schrieen, die Teilnehmer beleidigten und Plastikflaschen und mittelgroße Steine warfen, was seitens der Beamten keinerlei Reaktion erzeugte. Es erfolgte noch nicht einmal eine Ermahnung. Man ließ sie gewähren. Leider ließen sich einige kurdische Jugendliche davon provozieren, warfen ebenfalls mit Plastikflaschen zurück und wollten auf die Faschisten losgehen.

Die Beamten verstärkten die Reihe zwischen den türkischen und kurdischen Jugendlichen. Seitens des Veranstalters wurden die eigenen – kurdischen - Ordner dazu aufgerufen, ebenfalls schnellstens eine Mauer zu bilden und diese Jugendlichen nicht herauszulassen, damit es nicht zu handgreiflichen Auseinandersetzungen kam. Die Ordner reagierten sofort. Ein Trupp Beamter umzingelte diese kleine Gruppe von Teilnehmern und die Ordner ebenfalls. Seitens des Veranstalters wurde dazu auf Kurdisch, Deutsch und Türkisch aufgerufen, sich sofort hinzusetzen um eine Eskalation zu vermeiden. Da die Jugendlichen an der Spitze des Zuges derart aufgebracht waren, reagierten sie teilweise nicht; der Großteil der Demonstranten hatte sich umgehend auf die Straße gesetzt.

Als die Jugendlichen immer noch nicht reagierten, verlieh er seiner Anweisung Nachdruck, in dem er sagte, dass sie, wenn sie sich nicht sofort setzen würden, keine Kurden wären, keinen Frieden wollten und mit Konsequenzen zu rechnen hätten. Sie wären in diesem Fall wie die türkischen Faschisten, von denen sie angegriffen wurden. Dies hatte Erfolg und die letzten setzten sich ebenfalls. Man wiederholte erneut, dass man Frieden wolle und deswegen auch friedlich demonstrieren müsse. Man solle sich nicht provozieren lassen. Nach ca. 10 Minuten setzte sich der Zug wieder in Bewegung und die Veranstalter baten die Teilnehmer darum, den Rest des Weges schnell hinter sich zu bringen. Hierbei fielen einigen Teilnehmern auf der Straße liegende Plastikflaschen und Holzlatten auf, die sie anderen Teilnehmern vorsorglich abnahmen oder vom Boden aufsammelten und in Mülleimern entsorgten.

Bei den Eskalationen während der Demonstration bekam beispielsweise in der Pankstraße ein 16-Jähriger aus Bonn einen Hieb in den Rücken. Er drehte sich um und fragte den Beamten verwundert, was los sei. Dieser schlug so hart zu, dass der Junge zu Boden fiel. Er wurde von 4 Beamten festgehalten, lag auf dem Bauch, blutete im Gesicht, Tränen liefen über sein Gesicht und er dachte noch nicht einmal an Gegenwehr, was die Einsatzkräfte nicht davon abhielt, den Jungen weiterhin gegen die Beine und in den Bauch zu treten. Als er sich nicht mehr regte, zerrten sie ihn hoch, wehrten Teilnehmer mit Schlägen ab, die den Jungen von ihnen wegholen wollten und brachten ihn weg.

Dem 22-jährigen Munzur wurde sein rechter Arm gebrochen, als er versuchte, einen 17-Jährigen aus dem Schwitzkasten eines Beamten zu befreien. Uns sind weit mehr Beispiele bekannt, zu denen uns jedoch nähere Angaben fehlen. Natürlich versuchten die Jugendlichen auch, sich gegen die Angriffe mit bloßen Händen zu wehren. Dass dies jedoch zum Scheitern verurteilt war, war aufgrund der Übermacht von mind. 3 – 5 Beamten pro Teilnehmer offensichtlich.

Nach etlichen dieser Übergriffe der Beamten auf die Demonstranten endete die Demo wieder am Nettelbeckplatz. Viele Teilnehmer waren aufgebracht. Wie es zum nahezu brutalsten Einsatz am Veranstaltungsort kam, wird noch vermutet: Zwei Jungen haben entweder Steine auf Beamte geworfen oder wollten diese auf sie werfen. Die Jungen rannten in die Menge. Daraufhin stürzte eine Vielzahl an Beamten hinterher. Die meisten anderen Teilnehmer hatten von dem Vorfall nichts mitbekommen und dachten, dass die Einsatzkräfte – wie zuvor bereits – unverhältnismäßig reagieren würden, so dass sie sich vor die Jungen stellten und sie beschützen wollten.

Die Beamten gingen mit roher Gewalt vor: Sie sprühten den Teilnehmern Tränengas ins Gesicht, setzten Schlagstöcke ein und nahmen ihren scharfen Polizeihunden die Maulkörbe ab, woraufhin die sofort nach allem schnappten, was sich in ihrer Nähe befand.

Kurz nach dem Einsatz wurden laut Angabe eines Sanitäters alleine um die 25 Personen behandelt, denen Tränengas in die Augen gesprüht worden war. Die Dunkelziffer der Verletzten dürfte jedoch weitaus größer gewesen sein, da sich viele aus Angst vor einer grundlosen Verhaftung nicht trauten, sich behandeln zu lassen.

Es wurden auch diejenigen misshandelt, die zwischen den Einsatzkräften und den Teilnehmern schlichten wollten. So sind mehrere Fälle bekannt, bei denen vor allem ältere Frauen und Männer die Situation beruhigen wollten, diese jedoch rücksichtslos mit Schlagstöcken geschlagen wurden. Eine ältere Frau wurde, als sie einem Jugendlichen helfen wollte, derart hart von einem Schlagstock in der Magengegend getroffen, dass sie ohne Halt zu Boden fiel und ohnmächtig wurde. Sie musste ins Krankenhaus gebracht werden.

Es wurden etliche Personen von den Polizeihunden in Beine, Arme und in die Schulter gebissen. Es ist außerdem bekannt, dass dem 17-jährigen Firat Y. das Nasenbein durch einen Schlag mit einem Schlagstock gebrochen wurde.

Folgende Personen wurden derart schwer verletzt, dass sie nicht vor Ort behandelt werden konnten sondern dass sie – teilweise in Handschellen – direkt nach den Angriffen auf dem Nettelbeckplatz ins Krankenhaus gebracht werden mussten. Es handelt sich hierbei um Servet Ç., Baran T., Yusuf G., Cevdet S. und Mustafa T. und Firat Y. Laut YEK-KOM wurden mindestens 7 weitere verletzte Personen festgenommen, denen jedoch eine ärztliche Behandlung verweigert worden sein soll.

Wie 11 Beamten angesichts dieser erschreckenden Aktionen verletzt worden sein sollen, ist uns rätselhaft. Mindestens 95, wenn nicht sogar 100 % der Einsatzkräfte trugen Ganzkörperschutzkleidung sowie Schutzhelme. Wie nicht bewaffnete Kurden – die meisten von ihnen wurden vorher durchsucht – 11 Beamte verletzt haben sollen, ist uns unerklärlich oder kann man sich beim Einsatz mit dem Schlagstock gegenüber Demonstranten selbst – versehentlich – den Arm brechen, wenn man zu sehr zuschlägt?

Aufgrund des Pokalendspiels am Abend befanden sich nach Angaben eines Beamten ca. 20.000 Einsatzkräfte in Berlin. Da diese erst abends benötigt wurden, konnte man einige von ihnen auch bei dieser Demonstration einsetzen. So waren beispielsweise auch Einheiten aus Bayern angereist.

Unter den Teilnehmern wurde die Vermutung laut, dass die Einsatzkräfte gezielt vorgingen, um zu beweisen, dass die Kurdinnen und Kurden keinen Frieden wollten sondern weiterhin kriminell seien und die PKK – entgegen dem Beschluss des BGHs vom 03.04.2008 - auf der Terrorliste zu bleiben habe.

Letztendlich verurteilen wir das unverhältnismäßige Vorgehen und vor allem die Übergriffe seitens der Einsatzkräfte auf Unschuldige. So sieht keine Bemühung um Deeskalation aus! Es handelte sich hierbei um reine Schikane!

Weiterhin sind wir der Meinung, dass die zwei Jungen, die die Einsatzkräfte angreifen wollten oder diese angegriffen haben, die Konsequenzen zu tragen haben. Sie sollten sich darüber im Klaren sein, dass die Einsatzkräfte ihre Aktion als Freibrief gewertet hat, massiv gegen Teilnehmer der Veranstaltung vorzugehen. Es sind Kinder sowie alte Männer und Frauen geschlagen worden.

Vor allem zu verurteilen ist jedoch der Angriff der Sicherheitskräfte gegenüber den Demonstranten, die zu keiner Zeit eine derartige Eskalation beabsichtigten. Man hatte sich zusammengefunden, um für ein friedliches Zusammenleben der Völker und für die Einhaltung der Menschenrechte in der Türkei zu demonstrieren. Die Herangehensweise der Polizei war unangebracht und passt nicht zu einem demokratischen und freien Bild Europas.



Berlin, den 20.04.2008
Rewşen für Kurdmania
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« Letzte Änderung: 26. Apr 2008, 11:40 von Rewsen » Gespeichert

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« Antworten #6 am: 21. Apr 2008, 20:27 »

Da erübrigt sich jeder Kommentar:
Zitat
http://www.todayszaman.com/tz-web/detaylar.do?load=detay&link=139651
Germany arrests dozens of PKK supporters 

During a rally held by supporters of the outlawed Kurdistan Workers’ Party (PKK) in Berlin on Saturday, 57 demonstrators who physically attacked German police were arrested, the Anatolia news agency reported. 
A spokesperson for the Berlin police told Anatolia that during the PKK-supporters’ march asking for release of jailed PKK leader Abdullah Öcalan, disputes occurred between some demonstrators and Turks walking by the demonstrators. When the police wanted to intervene, demonstrators attacked them by throwing stones and bottles, the spokesperson said, noting that 11 police officers were injured.  Last month, German police arrested three alleged PKK operatives in the western city of Koblenz, believed to have been acting on behalf of the PKK in Bonn and Koblenz since 2007. The suspects have been charged with membership in a criminal organization and attempted extortion by force. They have denied the accusations. 
21.04.2008 
News 
Today’s Zaman
 



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« Antworten #7 am: 21. Apr 2008, 21:39 »

Was wäre jetzt unsererseits ratsam? Wie kann man sich gegen derlei Kriminalisierungs-versuche  wehren bzw.. schützen? Falls es überhaupt möglich ist, wenn der gegenüber besonders darauf abgesehen hat!

« Letzte Änderung: 21. Apr 2008, 21:42 von Miro » Gespeichert
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« Antworten #8 am: 22. Apr 2008, 00:36 »

Und die Berichterstattung für Südkurdistan ist schon gut assimiliert:
http://www.kurdishglobe.net/displayArticle.jsp?id=DBA477EB617D4CAD4972E0E0DEBBC544
Zitat
Monday, 21 April 2008, 07:23 EDT
Police arrests 86 people at Kurdish demo in Germany

Pro-Kurdish demonstration in Berlin turned violence, police said.

Eleven policemen were injured and 86 people were arrested when a pro-Kurdish demonstration in Berlin turned violent, police said on Sunday.

Demonstrators hurled bottles and stones at police when they intervened after protestors clashed with passers-by, believed to be Turks, on Saturday.

Over 500 Kurds took part in the demonstration calling for the release of the jailed former Kurdish PKK rebel leader Abdullah Ocalan.

Ocalan, 59, founder of the Turkey's rebel Kurdistan Workers' Party (PKK), has been serving a life sentence for treason and separatism as the sole inmate on a prison island in the Marmara Sea since his capture and conviction in 1999.

Over 39,000 Turkish soldiers and Kurdish PKK guerrillas have been killed since 1984 when the PKK took up arms for self-rule in the country's mainly Kurdish southeast of Turkey. A large Turkey's Kurdish community openly sympathise with the Kurdish PKK rebels.

The PKK demanded Turkey's recognition of the Kurds' identity in its constitution and of their language as a native language along with Turkish in the country's Kurdish areas, the party also demanded an end to ethnic discrimination in Turkish laws and constitution against Kurds, ranting them full political freedoms.

The PKK is considered a 'terrorist' organization by Ankara, U.S., the PKK continues to be on the blacklist list in EU despite court ruling which overturned a decision to place the Kurdish rebel group PKK and its political wing on the European Union's terror list.
Das im Originalartikel beigefügte Foto zeigte Prügelszenen der Polizei in Wan. Die werten KollegInnen in Erbil scheinen auch noch nicht zu wissen, dass sie sich über solche Vorfälle auch bei KurdInnen vor Ort in Berlin per e-mail oder Telefon darüber informieren könnten, was Sache war.
 Ärgerlich
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« Antworten #9 am: 22. Apr 2008, 01:03 »

Und die Berichterstattung für Südkurdistan ist schon gut assimiliert:
http://www.kurdishglobe.net/displayArticle.jsp?id=DBA477EB617D4CAD4972E0E0DEBBC544
Zitat
Monday, 21 April 2008, 07:23 EDT
Police arrests 86 people at Kurdish demo in Germany

Pro-Kurdish demonstration in Berlin turned violence, police said.

Eleven policemen were injured and 86 people were arrested when a pro-Kurdish demonstration in Berlin turned violent, police said on Sunday.

Demonstrators hurled bottles and stones at police when they intervened after protestors clashed with passers-by, believed to be Turks, on Saturday.

Over 500 Kurds took part in the demonstration calling for the release of the jailed former Kurdish PKK rebel leader Abdullah Ocalan.

Ocalan, 59, founder of the Turkey's rebel Kurdistan Workers' Party (PKK), has been serving a life sentence for treason and separatism as the sole inmate on a prison island in the Marmara Sea since his capture and conviction in 1999.

Over 39,000 Turkish soldiers and Kurdish PKK guerrillas have been killed since 1984 when the PKK took up arms for self-rule in the country's mainly Kurdish southeast of Turkey. A large Turkey's Kurdish community openly sympathise with the Kurdish PKK rebels.

The PKK demanded Turkey's recognition of the Kurds' identity in its constitution and of their language as a native language along with Turkish in the country's Kurdish areas, the party also demanded an end to ethnic discrimination in Turkish laws and constitution against Kurds, ranting them full political freedoms.

The PKK is considered a 'terrorist' organization by Ankara, U.S., the PKK continues to be on the blacklist list in EU despite court ruling which overturned a decision to place the Kurdish rebel group PKK and its political wing on the European Union's terror list.
Das im Originalartikel beigefügte Foto zeigte Prügelszenen der Polizei in Wan. Die werten KollegInnen in Erbil scheinen auch noch nicht zu wissen, dass sie sich über solche Vorfälle auch bei KurdInnen vor Ort in Berlin per e-mail oder Telefon darüber informieren könnten, was Sache war.
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das hört sich an wie ein Artikel vom stern Ärgerlich
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