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Autor Thema: Spaniens katalanische Verteidigungsministerin  (Gelesen 362 mal)
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Amos
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« am: 19. Apr 2008, 14:10 »

Wenn mensch die Biografie des erfahrenen türkischen Journalisten Cengiz Çandar in Englisch wie Türkisch anschaut, wird man ihm sicherlich nicht eine antisäkulare oder gar antikemalistische Einstellung unterstellen dürfen. Trotzdem schreibt der Mann in jüngster Zeit sehr kritische Kommentare zu den Aktivitäten der türkischen Militärführung. Und davon versteht er was, war er doch seit über 30 Jahren immer wieder als Kriegskorrespondent für stramm kemalistische Zeitungen beschäftigt. Es liegt darum sicher nicht an ihm, wenn er den hier in deutscher Fassung zitierten Kommentar am 18. April 2008 für "Turkish Daily News" verfasst hat.

Zitat
Was in Spanien aus einem kleinen katalanischen Mädchen werden kann

Sie war sieben Jahre alt, als Antonio Tejero den ersten Versuch für einen Staatsstreich unternahm. Der spanische Oberstleutnant hatte schon einige "Sandkastenmanöver" durchgeführt wie 1978 die "Operaciòn Galaxia", bevor er imt 200 vewaffneten Männern in das spanische Parlament eindrang.

Carme Chacón, geboren 1971 in Barcelona, war wohl gerade 7 Jahre alt geworden, als Oberstleutnacnt Fejero seinen Umsturzversuch unternahm. Das war wohl auch das Jahr, als sie begann Spanisch zu lernen.

Ich glaube sie lernte Spanisch, genauer: Kastilisch, als sie die Grundschule in Barcelona besuchte weil Carme Chacón Piqueras Katalanin ist und in den Kreisen, wo sie aufwuchs, nur katalanisch gesprochen wird in Kataloniens Hauptstadt Barcelona. So sprach wohl auch die kleine Carme, genannt "La Chaky", damals nur Katalanisch.

Ach ja, . . . Wo waren wir stehen geblieben? Wir waren bei Tejeros "Unternehmen Milchstraße", so genannt nach dem Café Galaxia in Madrid, wo die Militärbeamten gewöhnlich hingingen, die in den Umsturzversuch verwickelt waren. Später hieß es "Van Gogh Café". Der Versuch kam ans Licht, nachdem ein an den Treffen im Café beteiligter Infanterie-Kommandeur und ein Polizeibeamter den Vorfall gemeldet hatten.

Das war vergleichbar mit unseren “Sarıkız” (Goldmünze) und “Ayışığı” (Mondlicht) Umsturzplänen. Aber unsere kamen nicht durch Meldungen ans Licht. Diese Pläne wurden aufgedeckt, als die Tägebücher, die auf der PC-Festplatte des früheren Marinekommandeurs Özden Ömek (einem Reporter) zugespielt wurden.

Alle unter dem Namen "Die Umsturz-Tagebücher" gesammelten Informationen wurden im "Nokta" Nachrichtenmagazin veröffentlicht. Aber das Magazin wurde geschlossen und Ömek verklagte den Chefredakteur Alper Görmüş wegen "verleumderischer Umtriebe". Jedoch konnte die Polizei nach einer technischen Prüfung beweisen, dass der Computer (auf dessen Festplatte sich die "Tagebücher" befanden) Admiral Ömek gehörte, der anfangs das Gegenteil behauptete. Dadurch wurden die "Umsturz-Planungen", die auf dem Computer gespeichert waren, oder in anderen Worten  “Sarıkız” und “Ayışığı” als Gegenstand der polizeilichen Ermittlungen nachgewiesen.

Durch diese Planungsunterlagen wurde aufgedeckt, dass Befehlshaber der Teilstreitkräfte jener Zeit, vor allem der Jandarma-Kommandeur Şener Eruygur auf unterschiedlichen Ebenen eine Rolle spielten. Eruygur, nun Vorsitzender der ADD (Atatürkçü Düşünce Derneği), eines Forschunginstituts zur kemalistischen Ideologie, erscheint auf jeder "neo-nationalistischen" Demonstration.

Durch diese Dokumente erfahren wir auch, dass die Umsturzversuche 2003 und 2004 mit Hilfe des früheren Generalstabschefs Hilmi Özkök verhindert wurden. Wir erkennen nun, warum Öukök seitdem zum Ziel einer
Rufmordkampagne durch bestimmte Gruppen wurde.

Sicher, ich schweife mal wieder ab. Oberstleutnant Tejero wurde nicht wegen "Operaciòn Galaxia" zur historischen Figur, sondern weil er am 23. Februar 1981 mit 200 Bewaffneten die Cortes, das spanische Unterhaus, gestümt hatte und wild um sich schoss. Das war der Versuch eines Umsturzes, als Spanien den Prozess des Übergangs zur Demokratie und Mitgliedschaft in der EU begonnen hatte.

Tejero, Jahrgang 1932, war damals knapp 50 Jahre alt, heute als 76. Carme Chacón war ein kleines 10-jähriges Mädchen in Barcelona, das kaum etwas wusste über die Vorgänge während der Stürmung des Parlamentes. Vielleicht beobachtete Carme die "faschistischen Zivilisten", deren Entsprechungen in der Türkei fälschlicherweise "Zivilgesellschaft" genannt werden, wie sie vor dem Gebäude "Cara Al Sol" ("Der Sonne entgegen") sangen, während der bewaffnete Einfall ins Parlament in Madrid stattfand und vom Fernsehen live übertragen wurde. Wer weiß.

Ich weiß aber, dass sich damals der versuchte Militärputsch nicht auf die Erstürmung des Parlaments beschränkte, sondern dass in Valencia Generalleutnant Jaime Milans del Bosch den "Notstand" ausgerufen hatte weger der Regierungskrise in der Hauptstadt und dass (dort) eine Militärverwaltung die Geschäftsführung übernommen hatte. Tejero hatte telefonisch Kontakt mit General Bosch. Die extreme Rechte wollte in Spanien die "demokratisch gewählte" Regierung stürzen und dafür eine "Militärregierung" einsetzen.

Jene Periode der spanischen Geschichte ähnelt nicht der heutigen Situation in der Türkei. Die Leute, die in der Türkei ähnliche Motive hegen wie damals die Spanier nennen sich "Linke, Sozialdemokraten, fortschrittlich, pro-Atatürk oder Kemalisten". Jene in Spanien waren schlichtweg Faschisten und bezeichneten sich auch so.

Der Militärputsch 1981 wurde zur Komödie und wurde eingedämmt vor allem durch die feste Haltung des Königs Juan Carlos, durch die Befehlshaber der Streitkräfte und den gesamten Generalstab sowie alle im Parlament vertretenen politischen Parteien. Man hatte genug vom Leiden und den Tragödien im Zusammenhang mit dem blutigen Bürgerkrieg in Spanien in den 1930-er Jahren. Einen neuen hatte man nicht nötig.

Was geschah mit Tejero?

Er wurde festgenommen und zu 15 Jahren Haft verurteilt. Seit seiner Entlassung 1996 wurde er im öffentlichen Leben nicht mehr gesehen, würde er nicht für eine Kleinstadtzeitung aufmüpfige Artikel schreiben, wüsste niemand, ob er überhaupt noch lebte.

Inzwischen wurde Carme Chacón erwachsen.

Das kleine Mädchen aus Katalanien absovierte ein Jurastudium an der Universität Barcelona, wo sie auch nach Auslandsstudien in Großbritannen und Kanada promovierte und anschließend Verfassungsrecht an der Universität Girona lehrte. Sie war wohl schon früh an Politik interessiert, weil sie schon mit 18 sich der spanischen sozialistischen Partei anschloss. Als Beobachter der OECD besuchte sie 1996 Bosnien-Herzegowina und 1997 Albanien.  

Hätte ich sie 1996 in Sarajewo treffen können? Vielleicht. Hätte ich sie dort gesehen, ich hätte sicher nicht vorhersehen können, dass sie ab 2000 für die Sozialistische Partei als Abgeordnete für Barcelona ins spanische Parlament gewählt wurde und gut 3 Jahre später zur Fraktionsvorsitzenden. Als wir (in der Türkei) damit beschäftigt waren die Ereignisse zwischen der e-mail Warnung vom 27. April und den Wahlen vom 22. Juli zu begreifen, entging uns, dass sie am 6. Juli 2007 Wohnungsbauministerin in Spanien wurde.

Aber in den gerade abgelaufenen Tagen haben wir alle sie kennengelernt. Der spanische Ministerpräsident, der gemeinsam mit dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdoğan dem UN-Projekt "Allianz der Zivilisationen" vorsitzt, ernannte Carme Chacón zur Verteidigungsministerin des Landes.

Zwar noch sehr jung und Sozialistin, hat Frau Chacón auch eine starke "ethnische Identität". Sie ist Katalanin und jetzt auch noch im sechsten Monat schwanger. Ich erfuhr, dass sie seit Dezember 2007 mit meinem spanischen Kollegen Miguel Barroso verheiratet ist und in drei Monaten ihr erstes Kind bekommen wird.

Bei der Zeremonie der Amtsübernahme sahen wir die schwangere Ministerin im Fernsehen, der spanische Generalstabschef Félix Sanz Roldán ging hinter, der Amtsvorgänger José Antonio Alonso neben ihr. Und dadurch erfuhr ich das alles über sie.

Ich weiß nicht ob General Roldán glücklich ist, dass diese schwangere junge sozialistische Katalanin nun die Verteidigungsministerin des Landes ist, und ob er damit zufrieden war, bei der Zeremonie hinter ihr zu gehen.

Aber ich weiß, dass er bei der Zeremonie zur Amtsübergabe sich hinter Carme Chacón Piqueras einreihte und sich damit anders benahm als jene Generäle, welche die Amtsübernahme des Präsidenten unseres Landes boykottierten. Auch wenn er über all dies nicht glücklich war, so bin ich doch sicher, dass er nicht in einen Umsturzversuch verwickelt sein wird. Ich weiß auch, dass die spanische Geschichte voller Siege der Streitkräfte in allen Weltgegenden ist, einschließlich Südamerika und dass der Staat aus einem großen Reich hervorging.

Aber vor allem ist Spanien ein demokratisches Land, wo die Regierung sehr gut funktioniert, was man mit Bewunderung wie mit Neid beobachten kann. Frau Chacón wird in drei Monaten Mutterschaftsurlaub nehmen, trotzdem wurde sie zur Verteidigungsministerin von Spanien ernannt. Welch glückliche junge Frau. Geboren 1971 in Katalanien, aufgewachsen in Spanien.

Übersetzung aus dem Englischen von Karl G. Mund, amos@kurdmania.com


Der Kollege Cengiz Çandar könnte sich ein Verfahren nach Artikel 301 des türkischen Strafgesetzbuches einhandeln, wenn er näher auf Vergleiche zur türkischen Realität eingeht. Darauf muss ich hier keine Rücksicht nehmen, und die Masse meiner LeserInnen auch nicht.

Seien wir also Utopisten! Ist es vorstellbar, dass 33 Jahre nach der Abschaffung einer faschistisch kontrollierten Herrschaft in der Republik Türkei eine Kurdin, sagen wir mal spaßeshalber eine Tochter von Leyla Zana, Verteidigungsministerin wird? Denn wir schreiben jetzt, wo Carme Chacón ihr neues Amt antritt, das Jahr 33 nach dem Tod des Generalissimus Francisco Paulino Hermenegildo Teódulo Franco Bahamonde, der Spanien 1936 den Bürgerkrieg und schließlich 1939 die faschistische Diktatur gebracht hatte.  


Zum Nachschlagen im Internet:
http://de.wikipedia.org/wiki/Carme_Chac%C3%B3n
http://www.turkishdailynews.com.tr/article.php?enewsid=70703
http://www.todayszaman.com/tz-web/detaylar.do?load=detay&link=109073
http://www.carmechacon.cat/es/lacandidata/

Weitere Artikel der türkischen Presse in Englisch zum Thema der Umsturzversuche 2003 und 2004 in der Türkei und die Rolle des Nachrichtenmagazins "Nokta" sowie der türkischen Justizbehörden:

http://www.todayszaman.com/tz-web/detaylar.do?load=detay&link=139197
Prosecutors’ inertia stems from fear of losing their jobs 


http://www.todayszaman.com/tz-web/yazarDetay.do?haberno=139114
  BULENT KENES  All we want is justice!

http://www.todayszaman.com/tz-web/yazarDetay.do?haberno=138525
BULENT KENES   ‘Open coup’ and the rule of law

http://www.turkishdailynews.com.tr/article.php?enewsid=101945
 CENGİZ ÇANDAR  Nationalism-Neo Nationalism; 'Laicism-Militarism'
« Letzte Änderung: 20. Apr 2008, 01:02 von Amos » Gespeichert

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« Antworten #1 am: 20. Apr 2008, 01:14 »

Eine beeindruckende Geschichte und eine Demonstration davon, dass die Geschichte sich nur wiederholt, aber stets gefährlicher, sodass objektives Geschichtswissen zur Friedenshaltung unentbehrlich ist.

Zitat
Jene Periode der spanischen Geschichte ähnelt nicht der heutigen Situation in der Türkei. Die Leute, die in der Türkei ähnliche Motive hegen wie damals die Spanier nennen sich "Linke, Sozialdemokraten, fortschrittlich, pro-Atatürk oder Kemalisten". Jene in Spanien waren schlichtweg Faschisten und bezeichneten sich auch so.

Der NPD-Mann Udo Voigt sprach ganz unverschämt von einer Übertreibung bezüglich etwa 6 Millionen ermordeter Juden, da seiner Ansicht nach "nur" 340 000 durch die Nationalsozialisten ermordet worden wären: In einem anderen Staat, der noch lange nicht die Offenheit des heutigen Deutschlands zeigt, spricht man von etwa 300 000 "durch unglückliche Umstände" gestorbene Armenier statt über 1 Million Todesopfer. Die Differenzen über wissenschaftliche Angaben und eigene Angaben dürften bei den Nazis und den Türken unterschiedlich ausfallen, da die Nazis unverschämt untertreiben, aber die Absicht ist gleich: Relativierung eines Völkermords!

@Amos

Bei ihrer Ansprache hob die neue Verteidigungsministerin hervor, dass Spanien „einig und verschieden“ sei – ein leichter Wink hin  zu ihrer katalanischen Heimat, die sich ja seit Jahrzehnten bemüht, die Welt glauben zu machen, Katalonien sei nicht Spanien.


Spaniens neue Verteidigungsministerin Carmé Chacón schreitet die Ehrenformation der Streitkräfte ab.

Wenn wir uns eine Kurdin als Verteidigungministerin wünschen, werden Türken schnell mit Verweis auf "kurdische Präsidenten, Premierminister und Minister" kontern! Hier könnten wir ebenfalls kontern: Denn es waren und sind allenfalls "Kurden der Türkei" (die sich teilweise sogar selbst leugneten), welche das Militär gegen Kurden befohlen und die keine einzige Reform für Kurden durchsetzten (wenn überhaupt ein Wille vorhanden war) und....die Kurden in der Türkei sind Welten entfernt von jenen Rechten, welche Spanien seinen Minderheiten gewährt:

Neben Spanisch existieren 4 weitere amtliche regionale Amtssprachen: Aranesisch, Baskisch, Galicisch und Katalanisch!
In Katalonien wird selbstverständlich katalinisch gelehrt, während selbst die Forderung nach Diskussionen über diesen Schritt in der Türkei Haftstrafen nach sich ziehen. Spanien besteht insgesamt aus 17 autonomen Gemeinschaften und zwei autonomen Städten:
Im Entwurf zum neuen Autonomiestatut heißt es sogar: "Katalonien ist eine Nation."

...weit weit weg...davon können über 20 Millionen Kurden in der Türkei, die heute noch, weil sie kurdische Buchstaben und auf kurdisch verfasste Einladungen verwenden, verhaftet werden!

Spaniens Schritt ist nicht als unpatriotisch zu werten, denn genau in Gewährung dieser Rechte für ihre Minderheiten liegt Vaterlandsliebe: Damit wurde ein friedliches Klima geschaffen, zukünftigen und wohl langfristigen Konflikten der Boden entrissen!
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Amos
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« Antworten #2 am: 21. Apr 2008, 17:24 »

In den heutigen Zeitungen kann man die neue spanische Verteidigungministerin beim Truppenbesuch in Afghanistan sehen. Und den Soldaten dort scheint das zu gefallen:
Zitat
"Chacon fulfilled her role as Defence Minister, and showed she could command the armed forces despite her circumstances," wrote the male reporter in the equally conservative El Mundo newspaper. "The soldiers said they were delighted with her; not one made any criticism.
"They stood to attention as she passed, and she responded with endless questions about their work." Ms Chacon says that she plans to visit Spanish troops stationed in Lebanon, Bosnia and Kosovo before her son is born in June.

schreibt Elizabeth Nash im britischen "The Independent"


Deutsche Zeitungen berichten aber auch einige Details über sie, die dem Kollegen Cengiz Çandar wohl entgangen sind:
Zitat
Der Grund für ihre Berufung als Verteidigungsministerin ist aber nicht nur die enorme Disziplin von Carme (so die katalanische Form von Carmen) Chacon, die in Barcelona, Manchester und Toronto studierte, Verfassungsrecht an der Universität Gerona lehrte und zu den katalanischen Jungsozialisten stieß, als sie gerade 18 war. Es ist auch ihre doppelte Bindung an Zapatero. Sie gehört zur Nueva Via, dem Neuen Weg, einer Gruppe sozialistischer Jungpolitiker, die sich im Jahr 2000 im Madrider Parlament um Zapatero scharte, der kurz darauf die Partei umkrempelte, vier Jahre später die Wahl gewann und Anfang März als Ministerpräsident wiedergewählt wurde. Und sie ist verheiratet mit Miguel Barroso, Zapateros ehemaligem Staatssekretär, der heute in regierungsnahen Medien mitmischt.
So Stefanie Bolzen in ihrem Artikel für "Die Welt" und "Berliner Morgenpost", woraus auch die Agenturfotos von dpa und AFP entnommen sind.

Und als sie vor knapp einem Jahr Ministerin für Wohnungsbau wurde, schrieben Michael Däumer und Adraan Kühn im spanischen Mitteilungsblatt der Konrad-Adenauer-Stiftung:
Zitat
Chacón wurde durch das Schicksal ihres anarchistischen Großvaters während des spanischen Bürgerkriegs und der Franco-Diktatur bereits in jungen Jahren politisiert und trat mit 18 Jahren in die Jugendorganisation der katalanischen Sozialisten ein. Ihr Jurastudium an der Universität Barcelona finanzierte sich Chacón, die aus einfachen Verhältnissen stammt, durch einen Nebenjob in einem Kaufhaus. Später konnte sie dank Stipendien verschiedene Forschungsaufenthalte im Ausland absolvieren: Manchester, Freiburg (Schweiz), sowie die kanadischen Universitäten in Toronto und Montreal gehörten dabei zu ihren Stationen.

Bei der Auswahl ihrer Studienorte stand für Carme Chacón dabei immer ein Thema im Vordergrund, das auch in der spanischen politischen Diskussion ein Dauerbrenner ist: Föderalismus und die Rolle autonomer Gemeinschaften in einem Staat. So studierte sie im schweizerischen Freiburg am dortigen Institut für Föderalismus; in Nordamerika verfasste sie Arbeiten über „Vielfalt und Föderalismus in Kanada“ und setzte sich mit den Unabhängigkeitsbestrebungen Quebecs auseinander. Das Thema ihrer Promotion mit dem Titel: „Föderalismus durch die kanadische Rechts- und Freiheitscharta von 1982“ unterstreicht sowohl das Interesse Chacóns an der föderalen Praxis im Ausland als auch an etwaigen Perspektiven für die Situation in Spanien.

Ihre akademische Karriere setzte die neu ernannte Ministerin zunächst als Professorin für Verfassungsrecht an der Universität Girona in Katalonien fort, bevor sie im Jahr 1999 als Gemeinderatsmitglied das Amt der stellvertretenden Bürgermeisterin für die Bereiche Wirtschaft, Personalwesen und Sicherheit in ihrem Heimatort Esplugues de Llobregat (Barcelona) übernahm. Nur ein Jahr später wurde sie mit 29 Jahren in das spanische Parlament gewählt..

und weiter:

Zitat
In ihrer erst zweiten Legislaturperiode, ist Chacón bereits Vizepräsidentin des Parlamentes. Dies verdankt sie sowohl dem Einfluss ihres politischen Ziehvaters José Montilla, Regionalpräsident von Katalonien und Chef der katalanischen Sozialisten, als auch dem „absoluten Vertrauen“, das Ministerpräsident Zapatero ihr gegenüber aufbringt.

« Letzte Änderung: 22. Apr 2008, 00:07 von Amos » Gespeichert

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