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Autor Thema: "Der militante Islam ist stärker als die PKK"  (Gelesen 729 mal)
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« Antworten #11 am: 25. Apr 2008, 00:00 »

TEIL 1

Warum halten Menschen an Stereotypen fest? Dabei werden tatsächliche Merkmale überverallgemeinert, um eine Komplexität zu reduzieren oder eine angebotene Identifikationsmöglichkeit aufgrund eines bereits bestehenden Eigenbildes einfach anzunehmen.
Sündenbocksuche, Theorien zur sozialen Identifizierung (wollen wir zu einer Gruppe gehören, weil sie besser ist oder nur aus individueller Selbstindentifikation?), Kategorisierung und Fokussierung dienen dabei einer Stärkung des Eigenbildes. Es hat häufig den stereotypen Charakter eines Klischees und wird vorgetragen, als sei es selbstverständlich oder zumindest unwiderlegbar.

Ein Vorurteil unterscheidet sich von einem Urteil durch die fehlerhafte und vor allem starre Verallgemeinerung. Bei der Fehlerhaftigkeit geht es weniger darum, ob etwa der Inhalt des Vorurteils empirisch mit der Realität übereinstimmt oder nicht, vielmehr ist die Übergeneralisierung von Bedeutung ( ökologischer Fehlschluss ).

Es ist ein voreiliges Urteil, also ein Urteil, das überhaupt nicht oder nur sehr ungenügend durch Realitätsgehalt, Reflexionen oder Erfahrungen gestützt wird, oder es wird sogar vor jeglicher Erfahrung oder Reflexion aufgestellt.

In der „Idolenlehre“ seines 1620 erschienenen „Novum organum“ (Aphorismen 38 – 68) stellt der Begründer des modernen englischen Empirismus Francis Bacon (1561-1626) einige ihm besonders bedeutsame und lästige Hindernisse der Erkenntnis dar, die zur Erneuerung der Wissenschaften zu überwinden sind:" Die Idole und falschen Begriffe, welche vom menschlichen Verstand schon Besitz ergriffen haben und tief in ihm wurzeln, halten den Geist der Menschen ... in Beschlag“ (Bacon, 1620 / 1990, a 38., S. 99).

Folglich denke ich, dass deine Intention von einem Bild geleitet ist, einer Projektion des Islams, die sich bei dir tief verfestigt hat, und die du nun versuchst überall bestätigt zu bekommen. Es ist also Stolz, den du primär treibst, so heißt es selbstverständlich seine Postionen zu verteidigen, damit du Sieger bleibst, selbst ohne Argumentation, jedoch dich auf logischem Fehlschluss verlassend (Cum hoc, ergo propter hoc).

Gerade bei dieser "kleinkarierten Korinthenkackerei " über den Begriff „Islamofaschismus“ drängt sich bei mir dieser Eindruck auf, dass es nicht nur um die Sache geht, sondern auch um Rechthaberei, um Arroganz und einer Antiobjektivität, die nicht bereit ist zu lernen: denn hatte ich nicht gebeten dich mit den inbrünstigen Verteidigern eines im Grunde laschen Wortes zu betrauen und schließlich festzustellen, ob du dich ihnen anreihen würdest?

Wissenschaftlich unhaltbar sind übrigens alle Erklärungen, die den Fundamentalismus als das eigentliche Wesen des Islam hinstellen und die iranische Revolution von 1979 als logische Konsequenz des neuen islamischen Selbstbewusstseins seit den 70erjahren sehen. Die interkulturell vergleichende Forschung hat seit dem Ende der 80er gezeigt, dass Fundamentalismus eine religiös begründete politische Ideologie ist, die spätestens seit dem Beginn der 70er in allen großen Religionen in Erscheinung tritt. Das gilt sowohl für solche Glaubensrichtungen, die im Gegensatz zum Islam gar nicht über einen Offenbarungstext verfügen - wie Buddhismus und Hinduismus - aber auch für die anderen Offenbarungsreligionen wie Judentum und Christentum.

Dass die Saudi-Araber die Deutungshoheit über die Auslegung des Korans, und wichtiger, über die Natur des Korans beanspruchen, sollte dich nicht daran hindern, auch andere Meinungen zu lesen. Dass die Mehrzahl der nahöstlichen Regime autoritäre Regimes sind, sollte nicht primär aus dem Islam erklärt werden, sondern aus dem arabischen Sozialismus, gegründet als Antikolonialismus ! Selbst die Politik des Baath-Regimes war und ist eine Ableitung des deutschen Nationalsozialismus, hierfür sollte man nur die Gedanken des Baath-Gründers in Betracht ziehen.

Die Mehrheit ist nämlich nicht so dogmatisch, wie du es gerne hättest; so weiß so manch einer manchmal in ihrer Defensive in Deutschland nicht, wie und wo man Argumentationshilfen erhält, sodass das Internet mit seiner Copy-Paste-Mentalität gerade recht kommt; leider zu oft aus erbärmlichen Seiten. Diese Mentalität mag selbstverständlich sein und natürlich einfacher als einen wissenschaftlichen Aufsatz zu lesen oder sich wissenschaftliche Sachverhalte diverser Persönlichkeiten anzueignen!
Wie viele Kurden, die immer noch in tiefster nationalistischer Überzeugung den Glauben vertreten, dass die Kurden zu ihrer Urreligion zurückfinden müssten, welche ihnen gewaltsam entrissen wurde, haben ein wissenschaftliches und renommiertes Buch gelesen oder Behauptungen, wie auch wissenschaftliche Erkenntnisse aufgenommen und studiert? Nein: Manchmal sind einigen zwei oder drei Sätze des ehrwürdigen Cemal Nebez als absolute Wahrheit mehr als genug!

Die Begriffskeule „Islamfaschismus“ birgt die Gefahr, alles „Muslimische“ undifferenziert als reaktionär und eben „faschistisch“ abzutun. Solcher Reduktionismus macht den Antisemitismus zum Wesenszug jener neuen Anderen, der Muslime. Er entsorgt damit die deutsche Vergangenheit durch die Relativierung der Nazi-Verbrechen und trägt bei zu einem undifferenzierten Feindbild gegen die Muslime hierzulande und weltweit. So ist dann der Weg nicht weit, die neue Weltordnung der USA als Bollwerk „gegen den Faschismus“ zu feiern (Zit n. Erdem, Isabel: Anti-deutsche Linke oder anti-linke Deutsche; in: UTOPIE kreativ Nr. 192,/Okt. 2006, S. 926 – 939, hier S. 9-10, Anm. 9.).
Eine vorurteilslose Debatte und Forschung über Islam und Moderne kann nur erreichen, wer endlich auf Kampfbegriffe wie Islamophobie und Islamofaschismus verzichtet!
„Islamkenner“ wie Manfred Halpern, Maxime Rodinson und Malise Ruthven haben den Neologismus vor langer Zeit aufgebracht, linke und rechte Publizisten wie Christopher Hitchens oder Andrew Sullivan damit ihre Befürwortung des Irakkrieges begründet, den auch George W. Bush und Angela Merkel jüngst unter eben dieses Epitheton gestellt haben.

Seit dem 11. September 2001 ist eine Zunahme an expliziten Schuldzuweisungen gegenüber Muslimen für verschiedenste Untaten auszumachen.

Eine große Ursache dieser Falschmeldungen sind, dass nicht verschiedene Islamexperten und Islamwissenschaftler oder muslimische Gelehrte zu Wort kommen oder gehört werden, sondern Provokateure und selbst ernannten Ex-Muslime, die nichts mit dem Islam gemeinsam haben, jedoch durch entsprechende Medien zu Muslimen und Experten auserkoren werden, was heute in Gestalt von Mina Ahadi (welche nicht einmal die Anzahl der Koransuren kennt), Necla Kelek, die eine Dissertation über Immigranten veröffentlichte, die noch wohl wissenschaftlichen Charakter trug, jedoch später, um wohl Berühmtheit und mehr Geld zu erwerben, in einer Neuauflage nun in einem Buch höchst unwissenschaftlich die Hauptschuld misslungener Integration nun im Islam entdeckte.
Dabei arbeiten diese Personen mit Ängsten, unwissenschaftlichen Pauschalisierungen  und ihren eigenen höchst individuellen Bildern, um sich im Abendland zu behaupten! So wird Theo van Gogh, der Opfer eines krankhaften Spinners wurde, als Held wider dem neuen Feindbild geschaffen, jener van Gogh, der Muslime stets nur mit „Ziegenficker“ betitelte und wegen antisemitsicher Äußerungen angeklagt wurde.

Hassprediger gibt es immer auf beiden Seiten und das Ohr nur an eine Seite zu halten, trägt nicht zur allgemeinen und objektiven Meinungsildung bei:
So prägt sogar das Bild der ansonsten renommierten Spiegel-Zeitschrift die Gedankenwelt  eines Broders , ein selbst ernannter Kämpfer wider „Islamofaschismus“, der sich im August 2005 auf einem „pro-westlichen Heimatabend“ mit Konsorten des rechten und peinlichen Internetforums „Politically Incorrect“ traf. Inzwischen hat er sich zwar von dieser paranoiden Verbindung distanziert; in seinem Spiegel-Beitrag „Wehe, wen der Muezzin stört“ entwirft er allerdings seine Schreckensvision einer islamischen Weltherrschaft im Jahre 2067.

Wenn sogar ein so häufig gelesenes Blatt wie „Der Spiegel“ unsachlich und polemisch vorgeht, sollen wir uns da etwa anschließen und dazu beitragen, dass gegenseitiger Hass, Vorurteile und Intoleranz weiter gedeihen? Sollten wir nicht lieber der europäischen Aufklärung beitragen, die auf Toleranz, Verstand und Respekt aufbaut? Entfernen sich im Grunde die „Aufklärungrufer“ nicht selbst von der „Aufklärung“?

Die pauschale Unsachlichkeit des „Spiegel“ erinnert „peinlich an die Propaganda der Nationalsozialisten gegen die Juden. Dabei will ich gar nicht in Abrede stellen, dass es einen wachsenden Fundamentalismus und Menschen in diesem Land gibt, die sich lieber das Mittelalter zurückwünschen. Fundamentalisten gibt es jedoch allerorten und in jeder Religion – George W. Bush ist dafür ein lebendiges Beispiel. Und tatsächlich ist in den letzten Jahrzehnten ein Dialog zwischen den Kulturen versäumt worden. Doch an einem Dialog sind per Definition mindestens zwei Seiten beteiligt.“

Zeitschriften wie „die Welt“ und der „Spiegel“ verbreiten die Vorstellung die USA würden die Werte des Abendlandes im Nahen Osten verteidigen und kommen zu dem Urteil, dass der Islam – im Unterschied zum Christentum – ein anachronistischer Glaube mit immanentem Hang zum Terrorismus ist und deshalb die Menschheitskultur bedroht. So verleiht der Spiegel dem imperialistischen Krieg der USA den höheren Sinn eines notwendigen Kulturkampfes gegen den Islam.

Es geht um die Normen und Werte des 21. Jahrhunderts. Es gibt Leute, die den Kulturkampf wollen, die sich für ihn rüsten und erste Warnschüsse abgeben. Und das nicht nur bei der WELT, der BILD und beim Spiegel oder der FAZ, wo es kaum überrascht, sondern auch anderswo und auf verschiedenen Ebenen.

Es geht nicht lediglich um die Berichterstattung, sondern auch um die Absicht diverser Medien:

Das Islambild bei ARD und ZDF ist ein zugespitztes Gewalt- und Konfliktbild, das den Eindruck vermittelt, dass der Islam weniger eine Religion als viel mehr eine politische Ideologie und einen gesellschaftlichen Wertekodex darstellt, der mit den Moralvorstellungen des Westens kollidiert.“ (Hafez, Richter, 2007: 5).

Da dem Spiegel eine ähnliche gesellschaftliche Wirkung zugeschrieben werden kann, wie ARD und ZDF, ist seine Negativagenda ebenso kritisch zu betrachten, da von ihr eine enorme Einseitigkeit und Unausgewogenheit ausgeht.

Abschließend lässt sich festhalten, dass der Islam in den deutschen Fernsehmedien ARD und ZDF sowie in dem Printmedium Spiegel aus nicht immer nachvollziehbaren Gründen, überwiegend negativ präsentiert wird, so dass der Islam in der Medienrealität als ein gesellschaftliches Problem konstruiert wird. Es ist davon auszugehen, dass dadurch die Publikumsagenda beeinflusst wird, dem Islam also zum einen eine größere Bedeutung für gesellschaftliche Prozesse beigemessen wird, als er tatsächlich hat und dass diese zum anderen zumeist als negativ und bedrohend interpretiert wird.

Der ungeheure mediale Stellenwert könnte auch für das gezielte Manipulieren von Berichterstattungen sprechen, um bestimmte politische Ziele zu verfolgen. Die amerikanische Fernsehreporterin Barbara Walters interviewte in einer Live-Sendung Hinterbliebene von Opfern und erhielt meist Zeugnisse von Erschütterung, Unverständnis, Rachegefühle und latentem Rassismus. Um so erstaunter, geradezu perplex reagierte die Journalistin auf eine junge Frau, deren Gatte umgekommen war. Sie sprach ruhig und bedacht, inmitten all der Trauer, weder von Rache noch von Unverständnis. Sie sah die Ursache für jenen fürchterlichen Akt vor allem vor der eigenen Türe liegen, in der Arroganz, mit welcher die Industriestaaten die Welt annektieren und ihr ihre Kultur aufzwingen. Für sie war der Tod des Gatten tragisch und traurig, aber kein Anlass für weitere Aggression. Hingegen sah sie im Tod, wenn er denn überhaupt einen Sinn hatte, den Aufruf zu mehr Toleranz, mehr Rücksicht und Mässigung, sowie zu einem Dialog mit den Terroristen. In den Wiederholungen der Sendung wurde die Reaktion der Frau im Gegensatz zu den hysterischen Hetzereien nicht wieder ausgestrahlt. Sie wollte nicht ins Bild des unermesslichen Schreckens passen.

Die Wahl eines bestimmten Zeichens - Wort oder Bild - entscheidet darüber, auf welchen Wirklichkeitsausschnitt die Aufmerksamkeit gelenkt wird - und was ausgeblendet bleibt. Mensch und Medien konstruieren unter Verwendung von Zeichen ständig Wirklichkeiten, die nicht dem Erlebten entsprechen - auch wenn nur "Fakten" berichtet werden. Da wir uns alle an dem orientieren, was wir schon zu "wissen" meinen, ergibt sich unbemerkt eine Wiederholung derselben Ausschnitte, was den Eindruck von Authentizität noch verstärkt.

Denn aus diesem Material entstehen Feindbilder: Schwarzweiß- und Worst-Case-Denken, Messen mit zweierlei Maß, Projektionen, Homogenisierung vielschichtiger Gruppen von außen und eine Fehlbeurteilung sich selbst erfüllender Prophezeiungen.

Bei aller Kritik kann man dennoch ein Bemühen von Seiten vieler Medienschaffender konstatieren, die die Problematik der eskalierenden Berichterstattung in Sachen Islam und Muslime erkannt haben, als Beispiel kann ich „Tagesspiegel“, die „Zeit“ und „Taz“ nennen.

Bisher wurde in den Medien noch der Versuch gemacht, zwischen „dem Islam“ einerseits und „islamistischen Terroristen“, „islamistisch motivierter Gewalt“ u. Ä. zu unterscheiden. Dass dies ohnehin ein brüchiges Konstrukt war, ergibt sich aus dem einfachen Tatbestand, dass die Individuen durch Zuordnung zu Kollektiven, seien diese national oder religiös, in ihren grundlegenden Eigenschaften definiert, in essentiellen Charakteristika gleichgesetzt werden.

Die begrenzte Medienfreiheit im arabischen Raum trägt allerdings auch nicht zur Verbesserung der transkulturellen Verständigung bei.
Doch braucht es auch die Bereitschaft, das Gebotene wahrzunehmen. Offensichtlich gibt es zahlreiche Konsumenten, die es nicht genauer wissen wollen. Sei es, weil sie bloß erfahren wollen, was sie unmittelbar bedroht (der Terrorismus), sei es, weil sie sich angesichts der komplexen Verstrickungen im arabischen Raum überfordert fühlen und darum Augen und Ohren zuhalten.

Das neue Feindbild Islam mag auch dadurch geprägt worden sein, daß der in diesem Krieg siegreiche Westen den ersten Waffengang danach mit der Operation ›Wüstensturm‹ gegen ein islamisches Land richtete, ihre Substanz ist klar und findet sich in Äußerungen führender NATO-Vertreter wieder. Der damalige Oberbefehlshaber John Galvin verabschiedete sich aus Brüssel nicht ohne die neue Richtung vorzugeben:" Den Kalten Krieg haben wir gewonnen. Nach einer siebzigjährigen Abirrung kommen wir nun zur eigentlichen Konfliktachse der letzten 1300 Jahre zurück. Das ist die große Auseinandersetzung mit dem Islam." (Zit. nach: Der Islam – eine Gefahr für die Welt? In: Zeit-Punkte, Hamburg, (1993)1, S. 24).

Politikwissenschaftler Andreas Buro bemühte sich an diesem Abend um die Frage der Entstehung eines Feinbildes . „Je schärfer der Konflikt wird, desto extremer werden auch die Feindbilder. Und der Mensch ist nach einer Zeit so von diesen Bildern besessen, dass er nicht mehr in der Lage ist, diese auszubessern“, erklärte Buro, der als Mentor der deutschen Friedensbewegung gilt. Der 11. September 2001 sei ein zentraler Punkt gewesen, ein neues Feindbild in den Köpfen der Menschen zu festigen. Ein neues Feindbild , das man kurz mit „arabisch, islamisch, terroristisch“ zusammenfassen könne. Spürbar mache sich in Bezug auf den Islam eine negative Stimmung in der Gesellschaft breit. Andreas Buro machte besonders auch die Medien für diese Situation verantwortlich.

In den westlichen Massenmedien, im Fernsehen und in den Zeitungen kommt der arabische Standpunkt nicht zur Geltung. Lediglich die westliche Sicht wird gezeigt“, reklamierte ein arabischer Wissenschaftler. Es gebe somit keine Gegen- positionen, die dem vorherrschenden „Feindbild Islam“ Einhalt gebieten könnten.

Eine Quelle reicht, wie bereits genannt, vielen aus, um sich bestätigt zu deuten: Ein gewisser Edward Gibbon lehrte in Oxford und legte unter Benutzung einiger lateinischer Quellen eine bis heute berühmte Darstellung der Frühgeschichte des Islam vor. Gibbon beschreibt darin, wie „Mohammed ... mit dem Schwert in der einen Hand und dem Koran in der anderen auf den Trümmern des Christentums und Roms seinen Thron errichtete.“

Damit hat Edward Gibbon ein Bild entworfen, das immer wieder wiederholt und weitergeschrieben sich wie kein anderes ins europäische Unterbewusstsein gesenkt hat. Historisch gesehen ist an dieser Aussage eigentlich fast alles falsch, denn der Islam verbietet den Zwang in religiösen Dingen ausdrücklich. Die islamische Religion selbst ermöglicht trotz verschiedener Kritikpunkte ein positives Verhältnis zur christlichen und zur jüdischen Religion, denn Muhammad, der selbst sehr viel Umgang mit Christen und Juden hatte, verstand sich selbst in der Reihe der jüdischen und christliche Propheten und Offenbarungsträger von Abraham bis zu Jesus.

Es gehört nicht viel dazu, ein Feindbild zu kreieren - egal, ob im Westen oder im Nahen Osten. Es jedoch zu korrigieren oder gar ganz aus den Köpfen der Gesellschaft zu verbannen, bedarf mehr als einer überzeugenden Rhetorik.

Selbst ich bin mit meinem nun etwas zu lang geratenen Beitrages nicht optimistisch, aber einen Versuch wird es wohl wert sein!

Feindbilder sind keine zufälligen Erzeugnisse“, bekräftigte der Stuttgarter Literaturwissenschaftler und Journalist Thomas Rothschild seine Argumentation. „Im Gegenteil: Sie bedienen Klischees, die in der Gesellschaft bereits existieren."

Der Westen brauche ein Feindbild, um sich seiner Identität zu versichern und geopolitische Interessen sowie militärische Aufrüstung zu legitimieren. Deshalb habe man nach dem Ende des Ost-West-Konflikts das alte Feindbild Kommunismus durch jenes des Islam ersetzt.

In keinem westeuropäischen Land wurden nach dem 11. September weniger antiislamische Übergriffe registriert als in Deutschland. Und anders als die Synagogen und jüdischen Einrichtungen brauchen Moscheen und muslimische Zentren bis heute glücklicherweise keinen gesonderten Polizeischutz.

Unterstützung kommt nicht von der Kirche, nein, in den Chefetagen der christlichen Kirchen sieht man diese Entwicklung mit Wohlwollen. Wenn soziale Fragen im Kontext der Islamdebatte in Religiöse umdefiniert werden, wertet das die eigene gesellschaftliche Stellung wieder auf. Die Kirchen hoffen, mit den Islamisten gleichzuziehen, um dem Religiösen endlich wieder den Platz zukommen zu lassen, den es ihrer Meinung nach verdient Der Zentralrat der Juden, im Gegensatz dazu, zeigte sich oftmals solidarisch und warnt vor großen Problemen.

Kommen nicht dito die Stimmen gut an, die Unheil verkünden, das Böse ausgemacht haben und zum Kampf dagegen aufrufen? Wer sich die Karikaturen über Juden vor dem zweiten Weltkrieg anschaut, wird sehr wohl Parallelen zu heute erkennen können, wo alles unter „Meinungsfreiheit und christlich-westliche Werte“ eingestuft wird, wenn auch die Aufklärung selbst eine Flucht aus der jahrelangen christlich-kirchlichen Gefangenschaft war! Sogar von jüdisch-christlichen Werten spricht man, um sich solidarisch mit jeder Tat von Israel zu befreunden und das Feindbild Islam gemeinsam zu bekämpfen, aber weniger ketzerisch, sondern unbemerkt, denn hier stehen nicht weniger als 20 Millionen Juden als Feinbild, sondern über eine Milliarde von Muslime, nach den Aussagen des Vatikan sogar nun die größte Religionsgemeinschaft der Welt!

Da das Augenmerk auf den Islam gerichtet ist, bemerkt man nicht die großen Ähnlichkeiten zwischen den Religionen, die Opfer nationalistischen Missbrauchs geworden sind!

Der Krieg gegen den Terrorismus steht für mich vielmehr für einen erfolgreichen Ablenkversuch, weil die Weltpolitiker nicht willens oder fähig sind die eigentlichen Probleme zu lösen und sich an Macht halten und bereichern wollen.

Man könnte den Terrorismus als Ersatz für den Kommunismus betrachten. Der kapitalistischen Welt fehlt heute ein Feind. Der Zusammenbruch der Sowjetunion hinterließ ein ideelles Vakuum, das nun vom fundamentalistischen Islamismus ausgefüllt werden könnte

Die gegenwärtige Religionsfeindlichkeit ist eine Reaktion auf einen Umschwung. Die Säkularisierung befindet sich auf dem Rückzug, und das Ergebnis ist ein missionarischer Atheismus, wie es ihn seit viktorianischen Zeiten nicht mehr gegeben hat.

Selbstverständlich werden Anhänger der neuen Religion, die sich Atheismus nennt und  ebenso missionarisch eifert, anderer Meinung sein.

Der eifernde Atheismus reproduziert einige der übelsten Eigenschaften von Christentum und Islam. Er ist, wie diese beiden Religionen, ein Projekt, das auf universale Ausbreitung zielt. Für fanatische Atheisten steht außer Frage, dass ein besseres Leben möglich ist, wenn nur jeder Mensch ihre Sicht der Dinge akzeptiert, und dass eine bestimmte Lebensweise - ihre eigene, entsprechend ausgeschmückt - für jedermann das Beste ist.

Religionen bestehen aber nicht aus Annahmen, die zu Theorien aufsteigen wollen. Im Mittelpunkt der Ostkirche steht die Unbegreiflichkeit Gottes, und im orthodoxen Judentum ist die Praxis wichtiger als die Lehre. Für den Buddhismus wie für die traditionellen islamischen Sufis gibt es auf der spirituellen Ebene keine Wahrheit. Der Hinduismus hat sich nie als Glauben definiert. Nur einige christliche Traditionen haben, unter dem Einfluss der griechischen Philosophie, versucht, aus der Religion eine Theorie zur Erklärung der Welt zu machen.

Die Rassenlehre der Nationalsozialisten und der dialektische Materialismus der Sowjets haben die unendliche Komplexität der menschlichen Existenz auf die tödliche Einfachheit einer wissenschaftlichen Formel reduziert.

Moderne Religionskritiker offenbaren ein ausgeprägtes Desinteresse an der Geschichte atheistischer Regime.
Der Amerikaner Sam Harris argumentiert in seiner Studie „The End of Faith - Religion, Terror and the Future of Reason“, dass die Religion, historisch gesehen, die wichtigste Quelle von Gewalt und Unterdrückung sei. Zwar hätten säkulare Despoten wie Stalin und Mao gigantischen Terror verübt, die Unterdrückung habe aber nichts mit ihrer Ideologie des „wissenschaftlichen Atheismus“ zu tun - diese Regime seien eben Diktaturen gewesen. Aber könnte es nicht einen Zusammenhang geben zwischen ihrem Bestreben, die Religion abzuschaffen, und der Unfreiheit?

Mao, der seinen Angriff auf die Tibeter und ihre Kultur unter der Losung „Religion ist Gift“ führte, hätte vermutlich widersprochen, dass sein Atheismus keinen Einfluss auf seine Politik habe. Gewiss wurde er, wie Stalin, wie ein Halbgott verehrt. Aber der Personenkult in der Sowjetunion und in China war kein Widerspruch zum Atheismus. Hier wurde vorgeführt, was passiert, wenn der Atheismus ein politisches Projekt wird. Das Ergebnis ist eine Ersatzreligion, die nur mit tyrannischen Mitteln aufrecht erhalten werden kann.

Doch der Versuch, die Religion abzuschaffen, führt nur dazu, dass sie in grotesker und in entstellter Form wieder auftaucht.  Jede polemische und aggressive Kampf gegen den Islam wird die Radikalen noch weiter stärken und wird als Mittel zum Zweck noch weiter an Bedeutung gewinnen!

Ungleichheiten, Erniedrigungen und Nationalismus führen zu Konflikten und erst, wenn wir bemerken, dass wir einander brauchen, wird höchstwahrscheinlich geteilt: Muss es aber erst so weit kommen?
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« Antworten #12 am: 25. Apr 2008, 00:28 »

TEIL 2

Vor etwa hundert Jahren warnte bereits ein deutscher Kaiser:
Im September 1908 notiert der Kaiser: "Ich habe jahrelang davor gewarnt den Islamismus so mit Füßen zu treten und herauszufordern, und ich bin in ganz Europa verlacht und als Türkenbold verhöhnt worden ... Sie alle (-engl. und russ. Politiker-) haben in ihrer hirnverbrannten Dummheit, Verbohrtheit und unerhörten Selbstüberhebung trotz aller meiner Warnungen den Islam verachtet, mißhandelt, beleidigt, und auf ihm jahrelang herumgetrampelt, bis er endlich nicht mehr ausgehalten hat... jetzt noch einmal Eingriff von außen, durch "Reformvorschläge" pp., ... dann muß, ob er will oder nicht, der Sultan des Propheten grüne Fahne entrollen, dann wird es "Allah" in allen Ecken Asiens und Afrikas ertönen, und mit den Christen ist es dann zu Ende..." (GP. 25, 622)

Wollen nicht einige genau diese Gefahr heraufbeschwören? Gibt es nicht auf allen Seiten Fanatiker, die leicht zu provozieren wären?

Die Arroganz des Kolonialismus, der unter dem Banner der „zivilisatorischen Mission“ des Westens daher kam und vorgab, die Kolonisierten aus der Barbarei ins zivilisierte Menschsein zu führen, führte zu vielen Konflikten und hinterließ bereits viele Leichen.

Das Terror-Regime von Saddam Hussein war – neben Syrien – die letzte säkular-nationalistische Bastion im Nahen Osten. Demgegenüber erklärt sich die Popularität von Bewegungen wie Hamas oder Hizbullah weniger aus ihrer Ideologie als aus ihren den moralischen Prinzipien der drei monotheistischen Religionen entspringenden sozialen Leistungen wie vor allem aus ihrem konsequentenWiderstand gegen die als imperialistisch empfundene US-amerikanische Dominanz. Die Opposition der islamistischen Gruppierungen und Parteien richtet sich primär gegen die eigenen korrupten und repressiven Regime, die zumindest in den Augen der Bevölkerung allesamt ihre Existenz dem Wohlwollen Washingtons (und der EU) verdanken. Vor allem aber verhindert der undifferenzierte und pauschalisierende Begriff des „Islamfaschismus“ die genauere Analyse der Bewegungen.

Ein großes Problem ist die Leugnung des nationalistischen Hintegrunds und der Erschaffung des „eigenen Islams“: Die Ditib, die nicht vor Atatürk-Bildern scheut, Imame aus der Türkei importiert, um die türkische Synthese zu vermitteln und jede Moschee, die in der türkischen, arabischen oder kurdischen, also einer nichtdeutschen Sprache predigt, ist sehr oft nur ein Lager der jeweiligen Ethnie und repräsentiert nicht den nationlosen Islam, in der jede Nationalität willkommen ist, die nicht von irgendeiner Landesfahne oder irgendwelchen Bilder empfangen werden möchte, sondern die Predigt verstehen will, sodass sie logischerweise in Deutschland auf deutsch gehalten werden müsste, denn von einem Araber und Kurden kann man nicht erwarten die türkische Sprache zu können! Selbstverständlich gilt diese Forderung für jede „ethnische Moschee!

Die ersten Fundamentalisten traten in Saudi-Arabien mit den Wahabiten im 19. Jh. in Erscheinung. Die Hinwendung zur eigenen früher glanzvollen Geschichte oder auch die Radikalisierung einzelner Gruppierungen im Islam wird nur dann verständlich, wenn wir uns die tiefe Demütigung klarmachen, die im 19. Jahrhundert die muslimische Welt insgesamt durch das Eindringen der Kolonialmächte Frankreich und England erlitt. Die Selben haben zur Teilung Kurdistans beigetragen und es war England, das als erstes Land Kurden vergaste und den künstlichen Irak und Syrien gründete, aber auch im Grunde dazu beitrug, dass die Türken auf ihre Weise nationalisiert und radikalisiert wurden.

Jeder Terror, der in einem als muslimisch definierten Staat oder von einem Bürger des selben Staates zustande kommt, wird sogleich als „islamischer Terror“ bezeichnet, obwohl die meisten Fälle nationalistischen Hintergrund haben: Viele selbst ernannte Widerstandskämpfer im Irak bekämpfen aus ihrer Sicht die amerikanische Besatzung und auch der Mord an jenem Richter in der Türkei und weitere Morde durch die Ergenekon-Affäre zeigten, dass die rechte Szene dahinter lag und nicht Muslime, die durch die Politik der AKP begründet wurden, wie es die CHP und die Rechten vorlügen wollten.

Gerade Uri Avnery klärt auf , wie leicht man als Terrorist deklariert wird, sodass Staatsterror selbst oftmals grundweg verschwiegen wird.
Staatsterror wird selten aufgedeckt oder gar bezichtigt, bei Entdeckung durch Medien oftmals staatlich gelenkt, denn wieso sonst sind Tansu Ciller, Mehmet Agar und Ihresgleichen noch frei? Welche Konsequenzen zog man aus Gladio, dessen Folgen heute noch in vielen Untergrundorganisationen aktiv sind?

Schon die bloße Zahl der nach einem Dokument der EU insgesamt im Jahr 2007 in den genannten Ländern Deutschland, Dänemark, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Italien, Spanien, Österreich und Portugal "fehlgeschlagenen, vereitelten und erfolgreich ausgeführten" Anschläge straft die so gern herbeibeschworene Gefahr "islamistischen Terrors" Lügen.
Insgesamt wird die genannte Zahl in dem Bericht mit 583 angegeben. Ganze 4 davon hatten demnach einen "islamistischen" Hintergrund – 532 allerdings einen separatistischen.
Im Koran wird Selbstmord und der Mord an Unschuldigen, was Selbstmordanschläge immer mit sich bringen und vor allem der Mord an Muslimen selbst, (beinahe alle Opfer des „islamistischen Terrors“ sind Muslime) als große Sünden bewertet, die von Gott nicht vergeben werden, aber letztendlich weiß nur Gott am Besten.

Demgegenüber gibt es den Meldungen zufolge praktisch keinen "rechten Terrorismus". Nur Portugal meldete einen solchen Fall. Dabei war im September 2007 ein jüdischer Friedhof verwüstet worden. Alle anderen Fälle rechter Gewalt wurden von den Ländern nicht als "Terrorismus", sondern als "Extremismus" gemeldet, obwohl beispielsweise in Großbritannien in 2007 sieben "rechte Extremisten" im Zusammenhang mit Sprengstoffvergehen verhaftet wurden.

Vielleicht übertreiben ich die Problematik, aber Vorzeichen eines gefährlichen Spiels deuteten sich bereits an:

In einem drastischen Fall plante ein verhinderter Attentäter, sich im Februar 2003 in der Hauptmoschee von Paris in die Luft zu sprengen.

Jean-Claude Imbert hatte klar ausgedrückt, was viele nur denken, als er nämlich Ende Oktober dieses Jahres vor den Mikrophonen des Kabelkanals LCI erklärte: "Ich bin ein bisschen islamophob. Es stört mich nicht, das zu sagen. Ich sage, dass der Islam – und ich rede hier nicht von den Islamisten – als solcher einen Schwachsinn an verschiedenen Rückständigkeiten hervorbringt."

Hinzu kommen noch islamfeindliche Internetseiten und  Schriften wie die von Hans-Peter Raddatz: „Von Allah zum Terror?“, der vor dem Expansionsdrang des Islam warnt und ihm generell  Friedfertigkeit abspricht, oder das Buch  von Henryk M. Broder, „Hurra wir kapitulieren“.
Genau diese Hassprediger führen dazu, dass die Kluft zwischen Misstrauen und Aufklärung größer wird, aber sie damit weiterhin einen wohl situierten Boden für weitere Bücher und Artikel haben und weiterhin Geld verdienen und sich schließlich als moralische Helden des Abendlandes mimen!

Die Kluft zwischen der islamischen Welt und dem Rest der Welt war einst weitaus größer als heute zwischen dem Westen und der islamischen Welt. Länder wie Dubai, die Türkei, Kuwait und Indonesien sind keine Hütten-Nationen, sondern durchaus moderne Staaten mit moderner Infrastruktur! Sind alle Länder Asiens, Südamerikas und Afrikas etwa so islamisch, dass der Grund ihrer Rückständigkeit im Islam liegt!

Trotz der wirtschaftlichen Vorherrschaft der westlichen Welt, könnten wir auch den Westen für den Klimawandel, ihre Kriegspolitik, die hohe Umweltverschmutzung, die extreme Kluft zwischen Reich und Arm und die Ausbeutung Afrikas hinhalten, sodass uns die jetzige Zeit im Nachhinein wohl wie das Paradies erscheinen würde. Brotrevolten in Haiti und Kamerun, die hunderte Tote forderten, sind erst der Anfang, denn drohen erst einmal auch wahrscheinliche Gefahren aus Ägypten und Indonesien, die als stabile Staaten gelten, wären viele weitere Staaten nunmehr weniger stabil und auch der Westen weniger sicher.
Nicht „der Islam“ durch die Länder des Nahen Ostens, sondern auch der Westen muss endlich Verantwortung zeigen , Beziehungen mit Diktatoren und Despoten aufgeben, die arme Bevölkerung unterstützen und dem Wirtschaftsimperialismus ein Ende setzen!
Nach dem Elften September wissen auch die Araber und die Muslime, dass etwas Neues geschehen muss. Und dass sie nicht alles Misslingen der Welt auf Israel zurückführen können, ist ihnen klar. Die Herausforderung der Freiheit des Internets und der Sender al-Jaziira deuten ebenfalls in eine Zeit der Öffnung. Eine Zeit, in der man die Israelis und den Westen mit ihrem Aberglauben kritisieren kann und gleichzeitig den muslimischen Aberglauben, der letztlich wenig mit dem Islam und viel mit den Muslimen zu tun hat, den Aberglauben an die sich nicht wandelnde Welt.

Politischer Kampf hieß in dieser Periode vor allem antikolonialer Kampf und dieser fand vornehmlich unter der Flagge des Nationalismus statt. Das Ziel bestand darin, in den von den Kolonialmächten definierten Grenzen die "nationale" Unabhängigkeit zu erreichen. Als sich an der politischen und wirtschaftlichen Abhängigkeit von den "Mutterländern" auch nach dem Erreichen dieses Zieles nichts Grundlegendes änderte, wurde der Nationalismus in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts vielfach durch (Proto)Sozialismus ergänzt oder ersetzt.

Erst vor diesem Hintergrund erhielt eine dritte Generation islamischer Reformer Zulauf, die sich gegen jede weitere Übernahme fremder ›-ismen‹ wandte und die Lösung der Probleme in der Rückbesinnung auf das Eigene und Authentische, den Islam, propagierte

Der Begriff Fundamentalismus entstand ursprünglich im Zusammenhang mit Erneuerungsbewegungen innerhalb der protestantischen Kirche und scheint damit "besetzt" zu sein. Außerdem beschreibt er die politische Ausrichtung nicht präzise genug. Viele Experten bevorzugen deshalb den Begriff Islamismus. Für Islamisten muß der Islam als das ursächlich Eigene nur von "folkloristischen Zutaten" und "fremden Hinzufügungen" befreit werden, um als den Muslimen gemäßer, dynamischer und progressiver politischer Faktor zu wirken. Wie diese Aufzählung zeigt, ist der Islamismus hier vor allem Oppositionsbewegung. Seine Protagonisten stammen im wesentlichen aus der erwähnten "dritten Generation" von Reformern und hierbei exemplarisch aus der 1928 in Ägypten gegründeten Muslimbruderschaft; entweder aus ihr selbst oder aus ihren zahlreichen Ablegern, Zweigorganisationen oder Neugründungen.
Wenn Globalisierung nichts anderes ist als ein Synonym für "permanente Versuche des Westens, sein Wertesystem weltweit zu exportieren“, dann müsse der Islam dem sein eigenes Wertesystem entgegenstellen, also zum Beispiel Gerechtigkeit, Genügsamkeit und Egalitarismus. Wenn die westliche Moderne auf säkularem Materialismus basiere und Wissenschaft sowie Vernunft vor Ethik und Moral rangierten, dann müsse der Islam dem eine Moderne gegenüberstellen, die sich auf Glauben, Geduld, Augenmaß und Ausgleich stützt. Im Kern der ›Gegenglobalisierung‹ stünden der Koran und seine Botschaft, das heißt das beständige Bestreben der Menschheit, "auf zwei Ebenen zu reagieren ... mit dem äußeren Projekt der Schaffung einer gerechten sozialen Ordnung und dem inneren Ziel der Annäherung der Menschen an ihren Schöpfer".

Bleibt ein letztes Wort zu den staatstragenden Islamisten in Teheran. Trotz aller anders lautenden Rhetorik, stellten diese schon unter Ajatollah Khomeini – und seitdem immer offensichtlicher – nationale vor islamische Interessen und agieren damit realpolitisch. Es existiert eine – den Beobachter oft verwirrende – Arbeitsteilung zwischen Regierung und geistlicher Führung. Während erstere auf das traditionelle, das heißt im wesentlichen friedliche Kompendium außenpolitischer Instrumente setzt, wurde letztere häufig terroristischer Aktivitäten verdächtigt, und zumindest in einem Fall, dem Mykonos-Prozeß, auch überführt.

Islamistischer Terrorismus stellt lediglich die extremste Zuspitzung innerhalb seiner gewaltbereiten Strömung dar. Verbale "Kriegserklärungen" gegen den Westen ergingen aus verschiedenen Lagern des Islamismus, aber nur dessen terroristischer Zweig überschritt den Rubikon und erklärte damit nicht nur dem Westen, sondern auch eigenen friedlichen Glaubensbrüdern, letztlich der gesamten zivilisierten Menschheit den Krieg und an erster Stelle dem Islam selbst.
Ergo herrscht auch nach dem 11. September 2001 kein Krieg zwischen dem Islam und dem Westen, sondern zwischen Zivilisation und Terror.
Wie konnte ein Goethe von Islam so fasziniert sein? Sollte man sich nicht gleich Goethe und anderer Gelehrter mit Interesse dem Phänomen nähern?

Manchmal bauen Menschen einen Abwehrmechanismus auf, wenn sie sich angegriffen fühlen und fassen nach einer Identifikationsmöglichkeit, eventuell der Islam, obwohl sie sich vorher nicht intensiv oder sich gar überhaupt nicht damit beschäftigt hatten!

Diese Fremdheitserfahrung bedingt die Sehnsucht nach einer verklärten Heimat, die umso stärker überhöht wird, je größer die Konflikte und je bedrückender die eigene Machtlosigkeit in der Migration erlebt werden.
Die Hinwendung zum ethnischen Narzissmus oder die aggressive Verteidigung der Religion sind trotz ihrer zum Teil aggressiv-nationalistisch vorgetragenen Identifikationsformen letztlich nur eine Abwehrhaltung. Nachdem alles andere zuvor geopfert wurde, wird die ethnische Identität als letztes verbliebenes Heiligtum zur Aufwertung von Minderwertigkeitsgefühlen durch kollektive Selbstidealisierung und -überschätzung mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln verteidigt.

Natürlich übertreiben viele Islamisten auch die Lage, um sich ihrerseits trotz selbstverschuldeter Tatsachen als Opfer darzustellen: wissen wir nicht auch noch von Erdogan, der vor Assimilation warnte, obwohl seine Bürger hier in vielerlei Hinsicht mehr Rechte genießen als es in der Türkei möglich wäre?

Jeder ist verpflichtet sich den lokalen Gesetzen anzupassen und diese anzunehmen, denn der Westen hat keinen Migranten zur Einwanderung aufgerufen oder gar gezwungen, wie auch die Gesetze in Deutschland sogar in vielen fällen die eigene Religion weniger beschränken als es in der jeweiligen Heimat mitunter der Fall ist.
Die Ursache des Konflikts muss objektiv, weitsichtig und wohlwollend studiert werden, um es auch zu lösen, dh. es müssten einerseits jene provokative und islamfeindliche Stimmen entkräftet werden, andererseits auch Integrationsphobe registriert werden, entsprechend  gemäß den Gesetzen geahndet werden und bei Zuwiderhandlung mit Konsequenen gedroht werden – rigoros und ohne Gnaden!

Die rasante Expansion des Islam vor allem nach Westen ist wohl nicht „Feuer und Schwert“ zu verdanken, sondern der vom Islam eingeführten gerechteren Eigentums- und Sozialordnung und dem strengen Monotheismus, der dem auf der iberischen Halbinsel herrschenden Arianismus entsprach. Dies dürfte die einleuchtende Erklärung für den – militärisch nicht zu erklärenden – Siegeszug jener knapp 3000 Reiter auf der iberischen Halbinsel sein.

Die kolonialistische Unterwerfung des Orients bedeutete für die säkularen Eliten Modernisierung und nationalen Befreiungskampf, wenn nötig mit Gewalt, für viele gläubige Muslime war sie aber eine religiöse Herausforderung.
In ihrem Verständnis war und ist der Islam im vollen Besitz der Wahrheit, der sie dazu befähigt hatte, militärisch, technisch und wissenschaftlich den anderen Völkern überlegen zu sein, wie das ja auch in den ersten Jahrhunderten der Hochblüte des Islam in Mesopotamien und auf der iberischen Halbinsel der Fall war. War nun das Abendland überlegen, so half nur die Rückkehr zum ursprünglichen Islam, um die frühere Überlegenheit zurück zu gewinnen.
Die bedeutendsten Vertreter dieser religiös begründeten anti-imperialistischen Strömung waren Jamal ed-Din al-Afghani (1839-1897) und Mohamad Abduh (1849-1905). Sie forderten die Rückkehr zu den Quellen des Glaubens und die Bezugnahme auf die Vorfahren (salaf), was der Bewegung den Namen Salafiya gab. Muslim sein und die Erfahrung, aufgrund der Zugehörigkeit zu diesem Kulturkreis durch die Kolonialherren diskriminiert und unterdrückt zu werden, gab der Religion eine identifikatorische Komponente und einen politischen Auftrag:
Auf diese Weise wurde aus dem Islam für viele Muslime etwas, was in ihrem Bewusstsein überwiegend – und bei manchen von ihnen sogar ausschließlich – ein Wesenselement ihrer kulturellen Identität darstellt, das gegen äußere Angriffe verteidigt werden muss. … Um diese neue Aufgabe erfüllen zu können, musste der Islam zu etwas werden, auf das man stolz sein konnte." (Peters, Rudolph: Erneuerungsbewegungen im Islam vom 18. bis zum 20. Jahrhundert und die Rolle des Islams in der neueren Geschichte: Antikolonialismus und Nationalismus, in: Ende, Werner; Steinbach, Udo: a.a.O., S. 109).

Wer leugnet, dass der Islam sehr wohl auch die westliche Kultur prägte, irrt sich gewaltig:

1970 legte W. Montgomery Watt , als damals 81jähriger Arabistikprofessor der Universität Edinburgh, in seiner Vorlesungsreihe am College de France kenntnisreich dar, dass das neuzeitliche Europa nicht zuletzt aus der mediterran-mittelalterlichen Hochkultur der Muslime Spaniens und Siziliens hervorgegangen ist.

Muslime wünschen sich das Mittelalter zurück? Ich wünschte, dem wäre so – aber nicht das christliche Mittelalter, sondern das islamische Mittelalter, denn das islamische Mittelalter war übrigens in vielerlei Hinsicht um einiges toleranter und aufgeklärter als das Christliche.

Sogar der Kurde El Ceziri war seiner Zeit beinahe tausende Jahre zuvor!
Wenn wir uns die Erfindungen und Aufklärung heute nur vorstellen, wir gewaltig und phänomenal muss das Wissen und die Leistungen damals gewesen sein?

Die Einstellung des Islam zur Wissenschaft brachte nicht nur bedeutende islamische Gelehrte hervor, sondern auch hervorragende nichtmuslimische Wissenschaftler.
Bei den Juden von Al-Andalus spricht man beispielsweise von ihrem "Silbernen Zeitalter" bzw. der "Goldenen Diaspora", wie es in der jüdischen Geschichtsschreibung heißt. Der Rest Europas kam mit einem Fortschritt in Berührung, den er zunächst verteufelte und den er erst Jahrhunderte später nutzte. Der Kreuzzuggedanke war seit dem Ende des 11. Jahrhunderts in Europa populär geworden, und so rief Papst Innozenz III. 1212 auch zum Kampf gegen den Islam in Spanien auf.
Und da fragt der jetzige Papst noch, was die Muslime denn geleistet hätten? Da lasse ich ihm Uri Avnery antworten!

Um den Mangel an Vernunft im Islam zu beweisen, behauptete der Papst, dass der Prophet Mohammed den eigenen Anhängern befahl, seine Religion mit dem Schwert auszubreiten. Nach Ansicht des Papstes sei dies unvernünftig gewesen, weil der Glaube aus der Seele komme und nichts mit dem Körper zu tun habe. Wie könnte also das Schwert die Seele beeinflussen?

Könnten man uns Kurden mit dem Schwert von unserer Identität bringen? Ist es nicht Macht und Geld, das viele Aghas auf die Seite der Feinde brachte?

Viele Jahrhunderte lang herrschten Muslime über Griechenland. Versuchte jemand, die Griechen zu islamisieren? Im Gegenteil. Christliche Griechen besetzten die höchsten Ämter in der ottomanischen Regierung. Die Bulgaren, Serben, Rumänen, Ungarn und andere europäische Nationen lebten länger oder kürzer unter der ottomanischen Herrschaft und hielten an ihrem christlichen Glauben fest. Keiner zwang sie, Muslim zu werden. Alle blieben gläubige Christen.

Wie ist Indonesien, heute das Land mit dem größten muslimischen Bevölkerungsanteil muslimisch geworden, obwohl keine arabisch-islamische Armee jemals Indonesien erreichte? Diese Frage zu beantworten überlasse ich den Interessierten!

Es gibt auch keinen Beweis für einen Versuch, den Juden den Islam aufzuzwingen. Wie allgemein bekannt ist, erlebten die Juden Spaniens während der muslimischen Herrschaft eine Blütezeit, wie sie die kaum je wieder erfahren haben.

Allan Harris und Helen Elmquist Cutler haben dies übrigens zu der These geführt, dass die christliche Judenfeindschaft eigentlich Anti-Islamismus gewesen ist, jedenfalls sei sie letztlich aus der christlichen Islamophobie erwachsen, der zufolge die Juden als Verbündete der Muslime gleichsam stellvertretend für sie zu büßen hatten. Wie eine bittere Ironie der Geschichte nimmt es sich da aus, wenn heute in der arabisch-islamischen Welt von einer christlich-jüdischen (zionistischen) Verschwörung gesprochen wird, die die arabisch-islamische Welt in ihrer Existenz bedroht.

Die Feststellung, dass es den Juden unter muslimischer Herrschaft besser ergeht als der Mehrheit der anderen, in diesem Falle der Muslime, erschien bereits Ibn Paqudas Übersetzer Jehuda ibn Tibbon aus Granada, der das Buch 1160 ins Hebräische übersetzt hat, so unannehmbar, dass er diese Passage kurzerhand nicht übersetzte.

Was dann geschah, ist noch bedeutsamer. Als die Katholiken Spanien von den Muslimen zurückerobert hatten, begannen sie eine Herrschaft des religiösen Terrors. Juden und Muslime wurden vor eine grausame Wahl gestellt: entweder zum Christentum zu konvertieren, massakriert zu werden oder das Land zu verlassen. Und wohin flohen Hunderttausende von Juden, die sich weigerten, ihren Glauben aufzugeben? Fast alle von ihnen wurden mit offenen Armen in muslimischen Ländern aufgenommen. Die sephardischen "spanischen" Juden siedelten in der ganzen muslimischen Welt von Marokko im Westen bis zum Irak im Osten, von Bulgarien im Norden (damals ein Teil des ottomanisch- türkischen Reiches) bis in den Sudan im Süden.

In diesem sehr empfehlenswerten Dokument „Orient und Okzident“ werden Ursachen und Gründe für den Rückgang der islamischen Vorherrschaft genannt.

Alle Länder und Kulturen dieser Erde befinden sich – spätestens seit Beginn der Moderne – in einem unaufhörlichen Austausch- und Kommunikationsprozess und lernen von einander und grenzen sich gleichzeitig – als „Nationalstaaten“ – auch ab von einander, wobei die Macht- und Innovationszentren gewandert sind.

Seit den berühmten Beobachtungen des Geschichtssoziologen Ibn Khaldun (1322-1406) beschäftigt die Wissenschaft diese Frage nach den Ursachen von Verfall und Stagnation von wohl etablierten Gesellschaften des Mittelmeerraumes, die – wie Khaldun meinte – von anderen, jüngeren oder frischeren Kräften herausgefordert und oftmals überrundet werden. Eigentliche Ursache des Verfalls sei das Schwinden des Bewusstseins der sozialen Solidarität unter den Mitgliedern der Gemeinschaft – der „asabíya“– und zwar als Folge der Verweichlichung der urban und luxuriös lebenden Eliten.

Zwischen dem 7. und 13. Jahrhundert war der islamische Kulturkreis mit Bagdad, Damaskus, Kairo und Cordova als den vier glänzenden Mittelpunkten die am höchsten entwickelte Zivilisation der mediterranen Welt. Er war einem katholischen Europa, das sich 1098 in einem Anfall unchristlichen Fremdenhasses, Verblendung und Gier anschickte, mittels der Kreuzzüge Jerusalem von „Ungläubigen und Heiden“ zu befreien, weit überlegen – sowohl technisch und ökonomisch, als auch an Toleranz gegenüber Andersgläubigen. Ein außergewöhnlicher Wissensdurst führte die intellektuellen muslimischen Kreise dazu, viele noch vorhandene Dokumente der alten Kulturen ins Arabische zu übersetzen. „Dieser fieberhafte Schaffensdrang...kennzeichnet den Beginn der großen islamischen Kultur. Reichsbeamte durchstreiften damals die Welt auf der Suche nach Manuskripten."

Vor allem war der Einfluss der arabischen Gelehrten auf die Entwicklung von Mathematik, Chemie und Medizin beachtlich: Es war ein bewundernswert hohes Niveau, „das bereits im 12. Jahrhundert die Spezialisierung in der Medizin erreicht hatte: die Chirurgie, die Anästhesie, die Augenheilkunde, die Seuchenforschung schulden ihre Entstehung der arabischen Wissenschaft. Ärzte und Philosophen aus diesem Kulturraum waren streckenweise „die Lehrmeister der medizinischen Fakultäten in Europa“.

Gleichzeitig aber begann erst im 16. und 17. Jh. eine andere Epoche, die der europäischen Seefahrt. Erst dadurch wurde die europäische Expansion der folgenden Jahrhunderte möglich, und zwar unter Umgehung der Einflussgebiete des
osmanischen Imperiums, wo die großen Handelswege zu Land nach Süden und Osten verliefen und kontrolliert werden konnten. Während Europa zur Weltmacht aufsteigt, während Russland in die islamische geprägte Kaukasusregion und nach
Mittelasien ausgreift, geht der weltpolitische Einfluss des islamischen Orients zunehmend zurück.

Ohne die islamische Philosophie hätte es weder Scholastik noch Aufklärung geben können! Denn unter anderem erst durch den Islam konnte auch die griechische Philosophie zugänglich und bewahrt werden.
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« Antworten #13 am: 25. Apr 2008, 00:35 »

Anbei 3 von mir lesenswerte Artikel, die eventuell in dem Wortdschungel untergegangen sein könnten:

Ohne die islamische Philosophie hätte es weder Scholastik noch Aufklärung geben können!

Rainer Tetzlaff:
Europas islamisches Erbe - Orient und Okzident zwischen Kooperation und Konkurrenz
Kleine Differenzen mit großen Wirkungen. Warum Europa den muslimischen Kulturkreis nach dessen siebenhundertjähriger Führung schließlich überrundete.

Der muslimische Aberglaube
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« Antworten #14 am: 25. Apr 2008, 00:43 »

gibt es Kirchen in Riad?
warum muss die geplante Moschee in Köln höher sein als der Dom?
warum hat bisher nie was gutes von Al Qaida und Co gehört?
ist also der heilige Krieg im Grunde genommen was Gutes? Es wird nur von den Medien verzerrt dargestellt?
Waren also die Medien schuld, dass die islamische Fundemantalisten vor laufender Kamera Menschen enthaupten?
ist der 11. September ein Szenario, dass uns Medienkonsumenten vorgegaukelt wurde?
Wer war und ist Metin Kaplan?
Es gibt noch jede Menge Fragen, die zum Widerspruch dieses Beitrags stehen...

Ich als Admin dieser Seite distanziere mich von diesen Aussagen und sehe in Necla Kelek eher eine mutige Person als eine unwissenschaftliche Wisenschaftlerin, die tagtäglich mit Morddrohungen konfrontiert wird.
Kurdmania soll die Interessen der Kurden als Nation nachgehen als zum Imageplattform für Islamwissenschaften zun verkommen. Lieber Xemxwar, deine Religion in Ehren, die Untaten im Namen des Islam können hier auf kurdmania nicht rechtfertigt werden.

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« Antworten #15 am: 25. Apr 2008, 00:58 »

@Roj_Evindar

deine islamfeindliche Einstellung ist allseits bekannt und ebenso distanziere ich mich von deiner Einstellung!
Alle Antworten auf deine Fragen findest du in meinem Beitrag! Man muss nur lesen (wenn man möchte)...

Deine polemischen Aussagen sind meinerseits keiner weiteren Antworten wert!
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« Antworten #16 am: 25. Apr 2008, 01:01 »

XEMXWAR, tausend Dank für diesen wichtigen Beitrag! Du führst ganz wichtige Referenzen an, wie zum Beispiel Francis Bacon (super, das ist ein Exponent jener Aufklärung, die den Dialog zwischen den "Religionen" heute möglich machen würde, wäre da nicht die fatale "Dialektik der Aufklärung" wie sie Adorno/Horkheimer im amerikanischen Exil vor dem deutschen NS bereits 1944 analysierten).
Es geht heute nämlich tatsächlich um Geschichtsbilder und deren Hegemonialität:#
ZITAT:
"Die Begriffskeule „Islamfaschismus“ birgt die Gefahr, alles „Muslimische“ undifferenziert als reaktionär und eben „faschistisch“ abzutun. Solcher Reduktionismus macht den Antisemitismus zum Wesenszug jener neuen Anderen, der Muslime. Er entsorgt damit die deutsche Vergangenheit durch die Relativierung der Nazi-Verbrechen und trägt bei zu einem undifferenzierten Feindbild gegen die Muslime hierzulande und weltweit. So ist dann der Weg nicht weit, die neue Weltordnung der USA als Bollwerk „gegen den Faschismus“ zu feiern (Zit n. Erdem, Isabel: Anti-deutsche Linke oder anti-linke Deutsche; in: UTOPIE kreativ Nr. 192,/Okt. 2006, S. 926 – 939, hier S. 9-10, Anm. 9.)." 

Wir sollten nicht vergessen, dass die Kurden mit der gesamten islamischen Welt das Eine, nicht wirklich unbedeutende teilen, nämlich Bewahrer der antiken Musiktradition zu sein!
- u.a. vor diesem Horizont möchte ich meinen Beitrag zu Hennerbichler verstanden wissen!
Musik ist Sprache, ist Kultur; Politik oftmals nur Strategie, die trennt, was historisch-kulturell zusammengehört
Ich hoffe, dieser Beitrag sei nur einigermaßen verständlich; XEMXWAR`s Beitrag werde ich nocheinmal in Ruhe studieren! Also, wie gesagt, ich denke, es geht um Geschichtsbilder und in diesem Kontext sollten wir auch Israel beurteilen. Es geht da nicht um Existentenzrecht für Juden: Denn das stellen Muslime (anders als Antisemiten!) kulturell nicht infrage. Hier geht es schließlich nur ("nur": um Leben und Tod) um Politik.     

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« Antworten #17 am: 25. Apr 2008, 01:07 »

naja, ich bin kein Islamhasser, da ich viele moslemische Freunde habe, und die wissen, wie meine Meinung ist. Ich bin strikt gegen religiöse und innerkurdische Diksussionen auf kurdmania. Das wurde öfters klargemacht. Insbesondere ist es die Aufgabe der Admins, diese Ziele zu verfolgen. in deinem Beitrag sehe ich pure Rechtfertigung für das Geschehen! Punkt!
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« Antworten #18 am: 25. Apr 2008, 01:22 »

Lieber Roj,

ich verstehe deine Meinung völlig, denn vor einigen Jahren hatte ich selbst keine andere Einstellung!
Aber: Leider sehe ich auch ein neues Problem, denn eine neue Generation nationalistischer Kurden (die sich genauso den Zarathustrismus wünschen wie die Terrororganisation Ergenekon den Schamanismus) distanzieren sich von muslimischen Kurden und greifen den Islam an; dann wundern sich diese Personen, wenn nun religiös-muslimische Kurden sich von dieser Einstellung distanzieren!

Niemals würde ich Terror, der dem Islam schadet und vor allem Muslime umbringt, rechtfertigen, aber auch nicht wollen, dass jede Tat ohne Hintergrundwissen dem neuen Feindbild Islam angehängt wird!

Ich schreibe von Birnen, während du Äpfel foderst! Du solltest nicht zu stur auf deinem Weltbild beharren, sondern die Dinge auch aus einer anderen Sicht betrachten, denn genau diese Einstellung fordern wir doch auch von unseren Unterdrückern: Die Dinge auch aus anderen Augen sehen!

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« Antworten #19 am: 25. Apr 2008, 01:34 »

Tut mir leid, aber die Forderung an die Unterdrücker, die Dinge mit anderen Augen zu sehen, läuft in der Praxis auf die zweite "christliche" Backe hinaus, die dem Unterdrücker zu reichen sei.   
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