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Kurdistan Diskussionsforum 07. Okt 2008, 08:36 *
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Autor Thema: 02.05. - 03.05.2008: Internationale Iran-Konferenz in Berlin  (Gelesen 516 mal)
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« am: 25. Apr 2008, 13:51 »



Business as usual?

Das iranische Regime, der Heilige Krieg gegen Israel und den Westen und die deutsche Reaktion

 
Veranstaltungsort: Auditorium Friedrichstraße (Friedrichstraße 180, 10177 Berlin) (mit der BVG am besten über Stadtmitte (U2/U6) oder Französische Straße (U6) zu erreichen)

Achtung: Vorab ist eine Anmeldung erforderlich!

Außerdem werden Konferenzgebühren (in ihr sind Getränke und Essen enthalten) erhoben. Für weitere Informationen besucht bitte: http://mideastfreedomforum.org/de
 

 
Freitag, 2. Mai 2008
 
 
11.00 Uhr
Pressekonferenz
 
 
19.00 Uhr
Einleitung und Grußworte

 
Bisher bestätigt:
 
Prof. Elie Wiesel
Friedensnobelpreisträger, Publizist und Überlebender der Shoah (USA) (Video-Grußbotschaft)
 
Charles A. Small
Universität Yale (USA), Präsident und Gründer des Institute for the Global Study of Antisemitism and Policy

Prof. Diethard Pallaschke
Vorstand der deutschen Sektion von Scholars for Peace in the Middle East (SPME)
 
 
 
19.30 Uhr
Auftaktpanel:
Islamismus, Antisemitismus, Atomprogramm: Die Bedrohung durch die islamische Republik Iran

 
Ideologische und religiöse Motivationen der iranischen Innen- und Außenpolitik
Menashe Amir
Ehem. Direktor des persischen Radios bei Kol Israel (Stimme Israels), Israel

 
 
Ein zweiter Holocaust? Die Bedrohung Israels
Prof. Benny Morris
Professor für Geschichte, Ben-Gurion-Universität, Fachbereich Nahost-Studien, Israel

 
 
"Strategischer Partner"? Über die besonderen deutsch-iranischen Beziehungen
Dr. Matthias Küntzel
Politikwissenschaftler, Vorstand Scholars for Peace in the Middle East, Deutschland

 
Die EU, der Iran und die Wirksamkeit von Sanktionen
MdEP Paulo Casaca
Partido Socialista Portugal, Sozialdemokratische Fraktion im Europäischen Parlament, Portugal


 
Moderation: Alan Posener
Kommentarchef Welt am Sonntag, Deutschland

 

 

Samstag, 3. Mai 2008
 
 
10.15 - 12.00 Uhr
Gottesstaat und Menschenrecht: Der Charakter des iranischen Regimes



Anatomie des Terrors im Gottesstaat
Javad Asadian
Schriftsteller und Dichter, Mitglied und ehemaliger Vorsitzender des exil-iranischen PEN, Deutschland

 
Die Stellung der Frau im Gottesstaat
Nasrin Amirsedghi
Publizistin und Kulturwissenschaftlerin, Deutschland
 
 
Die Situation der Kurden im Iran
Dr. Miro Aliyar
Vertreter der Demokratischen Partei Kurdistan-Iran, Österreich



Moderation: Caroline Fetscher
Journalistin, Tagesspiegel, Deutschland

 
 
12.45 - 14.30 Uhr
Der Heilige Krieg gegen Israel und den Westen



Der Weg zur Bombe
Yossi Melman
Autor und Journalist, Haaretz, Israel
 
 
Terrorismus- und Ideologie-Export: Der Krieg der iranischen Republik gegen den Westen
Dr. Patrick Clawson
Stellv. Direktor (Research) des Washington Institute for Near East Policy, USA

 
 
Der Iran und islamistische Netzwerke in Deutschland
Alexander Ritzmann
Politikwissenschaftler, European Foundation for Democracy, Deutschland

 
Moderation: Dr. Sylke Tempel
Historikerin und Publizistin, Deutschland
 
 
 
16.00 - 17.45 Uhr
Der Iran und Europa: Dialog oder Konfrontation?



Treibt Europa Israel in den Krieg? EU, UN und die mögliche Wirksamkeit weitreichender Sanktionen
Saul Singer
Journalist und Publizist, Kommentar-Redakteur Jerusalem Post, Israel


 
Business as usual? Die deutsch-iranischen Wirtschaftsbeziehungen
Dr. Matthias Küntzel
Politikwissenschaftler, Vorstand Scholars for Peace in the Middle East, Deutschland

 
Nichts wissen, nichts hören, nichts sehen - Deutschlands Politik gegenüber dem Islamismus: Kalkül oder vorauseilender Gehorsam?
Bruno Schirra
Journalist und Publizist, Deutschland
 
Moderation: Dr. Majid Sattar
Politischer Redakteur Frankfurter Allgemeine Zeitung, Deutschland
 
 

18.15 - 20.15 Uhr
Abschlusspanel:

Die Notwendigkeit eines neuen Antifaschismus
 

Kapitulation vor dem iranischen Regime?
Henryk M. Broder
Journalist, Deutschland
 
 
Internationale Zusammenarbeit im Kampf gegen das Mullah-Regime
Kayvan Kaboli
Sprecher der Green Party of Iran, USA
 
 
Wo sind die Antifaschisten? Iran und die Bedeutung der "Vergangenheitsbewältigung" in Europa im Jahr 2008
Prof. Jeffrey Herf
Historiker, Universität Maryland, College Park, USA

 
 
Freiheit, Säkularisierung, Demokratie - Für einen neuen Nahen Osten
Thomas von der Osten-Sacken
Publizist und Geschäftsführer der Hilfs- und Menschenrechtsorganisation Wadi e.V., Deutschland
 
 
Moderation: Doris Akrap
Redakteurin Jungle World, Deutschland
 

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Gotina rast sondê naxwaze

Raschid Al Din
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« Antworten #1 am: 26. Apr 2008, 19:41 »

Die Jungle-World-Reaktion agiert heute so geschickt wie die große allerheiligste KP zu ihren besten Zeiten.
Die "deutsche Reaktion", man muß das doch schon anerkennen, ist auch überhaupt nicht überheblich:
Es ginge demnach darum, das Existenzrecht Israels anzuerkennen, weil sonst Antisemitismus, der als Antizionismus sich äußert oder zu tarnen versteht, die gesamte Zivilisation überrennt. Sozialismus oder Barbarei? Als ob das nicht zum Lachen oder zum Weinen gleichzeitig wäre ... Den alten Adorno und seine Studien über den autoritären Charakter, das wohl brillianteste realiter sozialwissenschaftliche Werk über Antisemitismus - 1944 in den Holocaust starrennden Auges entstanden, dazumal vom Jewish World Congress und dem Zionist-Exekutiv-Komitee finanziert (das war noch die Zeit des Nahum Goldmann, den israelische Rechtsextremisten später umbingen wollten, weil er mit Adenauer Aussöhnungspolitik betrieb), ist der deutschen Dschungel-Reaktion anscheinend nicht so wichtig, wie Up-to-date zu sein; Adorno hätte manch einen der oben angekündigten Vorträge unter "ticket-Denken" subsumiert, eben "business as usual"; und die deutsche Dschungel-Reaktion - na, was soll`s ...

Nach langem Grübeln habe mir also folgende Fragen ausgedacht:

Was bitterschön ist, wenn Israel es vollkommen schnuppe sein kann, ob ich es anerkenne oder nicht?
Was, wenn dem tatsächlich so wäre?   
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Amos
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« Antworten #2 am: 26. Apr 2008, 20:04 »

Na ja, R.A.D., abgesehen von deiner erneuten "Mohrenwäsche" (wenn auch indirekt) für das Amahdinejad-Regime kann man dir da weitgehend zustimmen. Ich muss auch sagen, vom veranstaltenden Blättle über die Mehrzahl der Referenten geht mir diese Darbietung des Themas auch so ziemlich am A**** vorbei! Unsere zionistische Linke (?) mag also im eigenen Safte schmoren. Der gute alte Theo wird ganz schön rotieren in seinem Grabe.

Mensch könnte den kommenden Freitag und Samstag wirklich sinnvoller verbringen.
« Letzte Änderung: 26. Apr 2008, 20:09 von Amos » Gespeichert

When the power of love overcomes the love of power the world will know peace. - Jimi Hendrix.
Raschid Al Din
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« Antworten #3 am: 26. Apr 2008, 20:19 »

Was soll "Mohrenwäsche" sein?
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« Antworten #4 am: 26. Apr 2008, 23:23 »

Wer diese "Informationsversammung" besucht, wird sich nur in seiner bereits gebildeten Meinung über den Iran bestätigt haben wollen: Namen wie Henryk M. Broder, Hassprediger der übelsten Sorte, Nasrin Amirsedghi  und Patrick Clawson sagen schon genügend über den Sinn und  Absicht dieser Versammlung aus!

Amos hat wahrlich recht, denn Mensch könnte den kommenden Freitag und Samstag wirklich sinnvoller verbringen!
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« Antworten #5 am: 28. Mai 2008, 18:50 »

Wie Israel-Lobbyisten einen Krieg gegen den Iran schüren

Atomarer Präventivschlag gegen „Un-Zivilisation“?
Von Ali Fathollah-Nejad

Zitat
Anfang Mai fand in Berlin eine sogenannte internationale Iran-Konferenz statt – veranstaltet durch das „Mideast Freedom Forum Berlin e.V. (MFFB)“. Mit ungefähr 400 durch einen Sicherheitsdienst behüteten Teilnehmern stand im noblem „Auditorium Friedrichstraße“ das Thema „Business as usual? Das iranische Regime, der Heilige Krieg gegen Israel und den Westen und die deutsche Reaktion“ auf der Agenda.

Zur Einleitung sprach der Vorsitzende des deutschen Zweiges der in den USA gegründeten akademischen Vereinigung „Scholars for Peace in the Middle East (SPME)“, Professor Diethard Pallaschke. Laut Statut, ist es das Ziel der an über 1.000 Universitäten vertretenen SPME, Antisemitismus und Anti-Israelismus zu begegnen sowie sich für die Sicherung der Grenzen Israels einzusetzen.

Der Iran, so Pallaschke, sei die „größte Bedrohung der Menschheitsgeschichte“ und als solcher „aller zivilisierter Staaten“. SPME wird in den USA dafür verantwortlich gemacht, durch sogenannte „Campus Watch“-Gruppen, Kritik an der israelischen, aber auch US-Außenpolitik in Hörsälen zu unterbinden. Zu den prominentesten Opfern dieser Einschränkung der akademischen Freiheit gehören der Historiker Tony Judt und der Politologe Norman Finkelstein, beide jüdischen Hintergrunds.

Ihm folgte der amerikanische Geschichtsprofessor Charles A. Small, der den ehemaligen Generalstabschef der israelischen Streitkräfte, Schaul Mofaz, mit der Einschätzung zitierte, dass man in einem Jahr einen nuklearbewaffneten Iran zu erwarten habe.[1] Laut des Iran-Berichts 16 amerikanischer Geheimdienste, dem National Intelligence Estimate (NIE), vom Dezember 2007 unterhält Iran jedoch kein Atomwaffenprogramm. Dies wurde unlängst ebenfalls seitens des Generaldirektors der Internationalen Atomenergie-Agentur El-Baradei bestätigt. Auch die IAEA-Inspektionen iranischer Anlagen ergaben keine Anzeichen für ein iranisches Atomwaffenprogramm. Falls der Iran sich entschiede, ein Waffenprogramm aufzunehmen, gehen die US-Geheimdienste von einer möglichen Nuklearbewaffnung frühestens im Jahre 2015 aus.

Präventiver Atomschlag gegen die „Un-Zivilisation“

Der erste Referent des Auftaktplenums, Menashe Amir, Direktor des persischen Programms bei Radio „Kol Israel“ (Stimme Israels) und gegenwärtiger Verantwortlicher der persischsprachigen Website des israelischen Außenministeriums, war überzeugt, dass das iranische Regime fest entschlossen sei, „die Weltordnung zu zerstören“. Denn das den Iran regierende „diktatorische Regime“ hätte „satanische Ambitionen“.

Es gelte, dem iranischen Volk dabei zu helfen, einen „Regime Change“ herbeizuführen – sowohl zum Wohle der Iraner als auch der Welt. Amir schloss mit einer Anekdote über eine Privataudienz bei US-Präsident Bush, dem er sagte: „Iranische Bürger warten darauf, von Ihnen befreit zu werden.“ Darauf habe Bush entgegnet: „Wissen Sie, im Irak, wo wir feststecken, haben wir gerade dasselbe Problem.“[2]

Benny Morris, seinerseits Geschichtsprofessor an der israelischen Ben-Gurion-Universität, begann seine Ausführungen zum Thema „Ein zweiter Holocaust? Die Bedrohung Israels“ mit einem  Zitat des sich bekennend neokonservativen Washington Post-Kolumnisten Charles Krauthammer, wonach eine Atommacht Iran für das Jahr 2009/2010 zu erwarten sei.  Morris machte deutlich, dass Israel im Falle eines nuklearbewaffneten Irans, seine Bedeutung verlöre.

Um der strategischen Herausforderung einer Atommacht Iran zuvorzukommen, müsse Israel präventiv einschreiten und das „iranische Atomprojekt“ mit konventionellen oder besser mit nuklearen Mitteln, zerstören. Dies hätte sicherlich zur Folge, dass viele Zivilisten sterben müssten, so Morris, doch liege diese Aussicht in der Verantwortung der Iraner selbst, die nun einmal solch ein Regime selbst zu verantworten hätten. Alles in allem, sei ein Nuklearschlag besser als ein zweiter Holocaust, der sich seitens dieser „Un-Zivilisation“ anbahne.

Bush, so Morris, habe dem israelischen Premierminister Ehud Olmert zugesagt, dass die Vereinigten Staaten sich um das iranische Atomprogramm kümmerten. Jedoch, gab auch er zu bedenken, dass die Möglichkeit eines US-Militärschlages angesichts der Lage im Irak sehr gering sei. Doch wenn der demokratische Senator Barack Obama im November zum Präsidenten gewählt werden würde, dann glaube er, dass Bush einen Angriff auf den Iran anordnen werde. Obama hatte im Gegensatz zu McCain Gespräche mit dem Iran in Aussicht gestellt.

Matthias Küntzel, Vorstandsmitglied der SPEME, warnte davor, die Konferenz zu einer akademischen Veranstaltung zu machen.[3] Ganz im Gegenteil müsse das Ziel sein, politisch zu intervenieren und vor allem gelte es, die Linke für sich zu gewinnen. In der anschließenden Diskussion warf Küntzel den deutschen Medien – mit Ausnahme einiger Kommentare der Frankfurter Allgemeinen Zeitung – ein grobes Versäumnis bei der Darstellung der vom Iran ausgehenden Gefahr vor.

Israel wird zum Präventivschlag übergehen

m Plenum „Der Heilige Krieg gegen Israel und den Westen“ zeichnete Ha’aretz-Journalist Melman die Gefahr eines irrational handelnden Iran, der seiner Einschätzung nach zwischen 2009 und 2011 seine atomare Bewaffnung erreiche. Falls die Diplomatie versage, müsse Israel militärisch vorgehen – eine Einschätzung, die von den meisten Politikern und Parteien in Israel geteilt werde. Ganz im Sinne der Begin-Doktrin, die schon bei der Bombardierung der irakischen Nuklearanlage „Osirak“ 1981 zum Einsatz kam, werde sein Land in ein oder zwei Jahren präventiv militärisch gegen Iran handeln: „Ich glaube, Israel wird es machen müssen,“ so Geheimdienstexperte Melman.

Patrick Clawson, stellvertretender Forschungsleiter des neokonservativen und der Israel-Lobby zugerechneten „Washington Institute for Near East Policy (WINEP)“, war sicherlich der bekannteste ausländische Gast der Konferenz. Man müsse zusätzlich zum wirtschaftlichen Druck, so Clawson, politische und sicherheitspolitische Maßnahmen ergreifen, wozu die Forcierung der militärischen Sicherheit iranischer Nachbarstaaten gehöre. Es müsse offen ausgesprochen werden, dass man „bereit sei, den Iran abzuschrecken“. Clawson, eine der Hauptfiguren bei der Vorbereitung des „Regime Change“-Unternehmens im Irak, fordert seit Jahren das gleiche Los für den Iran.

Eine „neue antifaschistische Front“ gegen den „neuen Hitler“?

Zum „Höhepunkt“ des zweitägigen Kongresses gehörte sicher der Beitrag von Thomas von der Osten-Sacken. Der Geschäftsführer der hauptsächlich im Nord-Irak aktiven NGO „Wadi e.V.“ machte ganz zu Anfang klar, dass der „Islam-Nazismus“ dem deutschen Nationalsozialismus ähnlich sei. Dagegen sei ein Antifaschismus vonnöten, dessen Ziel es sein müsse, diesen „Islam-Nazis“ „aufs Maul zu hauen, [sie] einzuknasten und umzubringen“ – eine Ansage, die großen Applaus erntete. Als „Antifaschisten“ müsse man „Krieg führen“, wie in den 1930er und 40er Jahren müsse die universalistische Vision lauten, die „Despotie“ zu bekämpfen.

Von der Osten-Sacken, der für die Periodika Jungle World und Konkret schreibt und als einer der führenden Vertreter der sogenannten Antideutschen gilt, stellte eine Agenda für die Demokratisierung des Nahen Ostens vor. Hierzu gehörten: Säkularisierung und „Rule of Law“; eine „Restrukturierung der Ökonomie“ der Region; eine „Föderalisierung“ statt Nationalisierung, in der auch kurdische Unabhängigkeitsaspirationen ihren Platz fänden; gegen „Gender-Apartheid“; gegen den Iran und Syrien.

Diese Programmpunkte, die größtenteils stark an die US-amerikanische Initiative für einen „neuen Greater Middle East“ erinnern, wurden durch eine sehr eigene Lesart des momentan schwelenden Irak-Krieges ergänzt. Die Länder der Region, wie beispielsweise der Irak, seien „von innen so marode“, dass man lediglich „den Korken ziehen“ musste, damit der Krieg ausbreche. Insgesamt sei er jedoch gegen eine atomwaffenfreie Zone, sodass Israel einzige Atommacht im Nahen Ostens bliebe.

Broder‘sche Beschimpfungssalven


Als letzter Redner der Veranstaltung knüpfte der vor allem als Spiegel-Autor bekannte Henryk M. Broder, knüpfte an seinen Vorgänger (der habe schon alles gesagt) an: Die Situation sei so „schrecklich und grausam“ wie in den 30er Jahren. In einem unmissverständlichen Verweis auf den Nationalsozialismus, bemerkte Broder, dass „uns“  beim Thema Iran „etwas bekannt vorkommt“.

In seinen Konferenzausführungen zitierte Broder Textstellen aus deutschen Tageszeitungen des Jahres 2006 zum Konflikt zwischen Iran und dem Westen. Diese erweckten den Eindruck, dass die europäischen Politiker der iranischen Regierung unentwegt attraktive Verhandlungspakete geschnürt hätten, Teheran diese jedoch nach zeitintensiver Prüfung forsch abzulehnen wusste. Auch Ultimaten seitens des Westens hätte Iran wiederholt und ohne mit der Achsel zu zucken ignoriert. Schließlich zitierte er den iranischen Präsidenten mit dem Ausspruch „The Europeans are stupid“ und fügte süffisant hinzu, dass dieser anscheinend recht habe.

Dann wandte sich Broder der „Arbeiterfotografie“ zu, einer Gruppe engagierter Fotografen, auf deren Initiative die „Bundeszentrale für politische Bildung (bpb)“ die umstrittenen Äußerungen des iranischen Präsidenten zu Israel vom Oktober 2005 der Prüfung durch den Übersetzungsdienst des Bundestages unterzogen hatte (NRhZ 146). Nachdem bereits einige englischsprachige Medien seit Jahren auf die falsche, in Nazi-Jargon gepackte Übersetzungen, wie „wiping Israel off the map“ hingewiesen hatten, hatte sich eine größere deutsche Debatte erst entfacht, als in der Süddeutschen Zeitung die renommierte deutsche Islamwissenschaftlerin Katajun Amirpur sich dieses „iranischen Schlüsselsatzes“ angenommen hatte.

Ohne jedoch die „Arbeiterfotografie“ beim Namen zu nennen, die er im Internet bereits als „Lumpenproletariat“ bezeichnete hatte, nannte Broder diese „Querulanten“, „Spinner“, „Penner“, „Asoziale“, „Subventionsempfänger“ sowie „Irre“. Die von diesen „Narren“ der „Arbeiterfotografie“ entfachte Debatte hätte die bpb jedoch „elegant“ zu lösen gewusst. Von den drei Diskussionsbeiträgen auf der eigens hierfür erstellten Internetseite der „Bundeszentrale“ stammt einer von Matthias Küntzel und ein zweiter von Broder selbst – natürlich eine Polemik.
                       
„Im Ausnahmezustand Menschenrechte außer Kraft setzen!“

In der abschließenden Diskussionsrunde forderte der Historiker Herf einen „neuen Atlantizismus“. Diese „atlantische Allianz“ müsse den „langen Krieg gegen den radikalen Islam“ führen. Er stellte zugleich fest, dass falls die „USA sich von der Welt zurückziehen“, Europa dann einer größeren Gefahr ausgesetzt sei.

Broder fügte seinem historischen Vergleich hinzu, dass es doch einen wichtigen Unterschied gebe zwischen 2008 und 1939/40. Im Hier-und-Jetzt gebe es keinen Churchill, der im Anschluss an gescheiterte Verhandlungen in der Lage wäre zu handeln. Zwar seien die „Vorstellungen des Krieges“ für ihn „grauenhaft“, aber die Option dürfe nicht ausgeschlossen werden. Von der Osten-Sacken sagte, dass ein großer Teil der iranischen Bevölkerung für die „Befreiung“ sei. Er unterstrich, dass man sich in einem „Ausnahmezustand“ befände. Die Lehre aus Auschwitz bestünde indes darin, dass man „in manchen Situationen, Menschenrechte außer Kraft setzen“ müsse.

Über die weltweite Bedrohung des neuen „faschistischen“ Staates waren sich alle Konferenzteilnehmer einig und auch darüber, dass man dieser mit eiserner Hand zu begegnen habe. Nur zur Mitte der Konferenz meldete sich ein Mann, der mit den Worten begann, dass für ihn das gezeichnete Bild zwischen Gut und Böse nicht klar sei. Prompt wurde er von der Moderatorin angehalten, keine Statements zu äußern, sondern lediglich Fragen zu stellen. Dazu kam es jedoch nicht, da ihm das Mikrophon abgenommen wurde. Später im Flur äußerte er schließlich, dass es Alternativen dazu gäbe, Aggressionen mit ebensolchen zu begegnen. Dies habe er in der Praxis zehn Jahre lang in Israel unter Beweis gestellt.

Am folgenden Tag fand an der Universität Wien eine nahezu identisch besetzte Veranstaltung statt, die unter anderem von der Initiative „Stop the Bomb – Bündnis gegen das iranische Vernichtungsprogramm“ organisiert wurde. Die auch dort vorgetragenen Inhalte und Drohungen veranlassten die österreichische Standard-Redakteurin Gudrun Harrer zu der Annahme, dass es sich bei diesen zwei Kongressen um eine konzertierte Lobbying-Aktion handeln könne.

Der Nahostexperte Udo Steinbach, langjähriger Direktor des Deutschen Orientinstituts, sprach unterdessen von der neuen „AIPAC“, die sich nun im deutschsprachigen Raum formiere. „America’s Pro-Israel-Lobby“ gilt als eine der einflussreichsten, die eine „harte Haltung“ gegenüber Iran einnimmt. Küntzels Initialwunsch nach politischer Intervention wollen einige der prominenteren Berliner Konferenzteilnehmer mit einer Vorstellung bei Bundeskanzlerin Merkel einlösen.

Um ebenfalls auf die Gefahr seitens des Iran hinzuweisen und konkrete Handlungen einzufordern, wünsche man sich zudem eine Bundestagsanhörung sowie Gespräche mit deutschen Unternehmen. Als nächstes jedoch steht ein Termin am letzten Mai-Wochenende an der Kölner Universität an, so wurde durch Flyer im Eingangsfoyer des „Auditorium Friedrichstraße“ aufmerksam gemacht: Die „Kritische Islamkonferenz: Der Islam als politische Herausforderung“. Es bleibt abzuwarten, ob die Kölner Referenten die „Kunst“ der polemischen Hetze ebenso beherrschen wie ihre Berliner Kollegen. (CH)

Ali Fathollah-Nejad (MA, MSc, BA, BSc), Jahrgang 1981, ist Politikwissenschaftler und Kulturjournalist.
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« Antworten #6 am: 28. Mai 2008, 20:18 »

@ Xemxwar:

Als ich auf Deine Quelle klickte: "Neue Rheinische Zeitung", da fiel mit kräftiger Lautstärke ein Groschen in meinem Hinterkopf. Da war doch was, was war denn da? Richtig, vor 160 Jahren gab es schon so einen Namen, "Neue Rheinische Zeitung", das Blatt, das der preußischen Pressezensur so viel zu schaffen machte. Herausgeber und Chefredakteur war ein gewisser Marx, Karl Marx. Immer noch höchst interessant zu lesen, werde ich jetzt regelmäßig tun.  Lächelnd
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« Antworten #7 am: 28. Mai 2008, 22:38 »

@Amos

Die Quelle liefert wirklich interessante Kommentare und Beiträge, die auch andere zu Worte kommen lässt!
PS: Die Versammlung hat doch gezeigt, dass es sich wirklich lohnte zu Hause zu bleiben  Smiley
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« Antworten #8 am: 28. Mai 2008, 23:28 »

Vor allem die wiedergegebenen Äußerungen von Thomas von der Osten-Sacken haben mich zutiefst enttäuscht, von den übrigen Rednern hatte ich, soweit sie mir bekannt waren, ja kaum etwas anderes erwartet. Aber diese Sätze bringen auch die Organisation "Wadi", für die er u.a. in Kurdistan tätig ist, in ein recht zwiespätiges Licht.

Andererseits ist das auch eine Art Weckruf für aufgeklärte Muslime, noch mehr als bisher öffentlich zu werden und gegen all jene Glaubensbrüder aufzutreten, die solchen Provokateuren immer wieder gratis Futter für ihre Hetze geben!
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