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Kurdistan Diskussionsforum 01. Aug 2010, 12:04 *
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Autor Thema: Taraf (Zeitung): Lügen über Lügen  (Gelesen 1044 mal)
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sekevir
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“ne sire ne piwaze, nehlel guncke germe”


« am: 18. Jul 2008, 19:09 »

Lügen über Lügen



Ob man sich noch auf dem rechten Weg befindet, sollte man ab und an überprüfen.

Ich weis nicht wie es Andere handhaben, aber ich selbst habe mir einen Maßstab hierfür zurecht gelegt:

Falls Ihr Gegenüber sich nur noch mit Lügen zu helfen weis, dann seien Sie Gewiss, dass Sie sich auf dem richtigen Weg bewegen.

Ich möchte Ihnen hierzu zwei Beispiele geben.

Wir (die Taraf-Zeitung) sind es, die mit unseren Artikeln stets Beweismaterial mitveröffentlichen, um sämtliche  Verbindungen der kriminellen Vereinigung Ergenekon offenzulegen …

Wie sind die Reaktionen auf unsere Bemühungen?

Einige der reagierenden Journalisten benehmen sich wie Mitglieder einer Einheit für psychologische Kriegsführung und verbreiten Unwahrheiten über uns.

Einer, behauptet, dass unsere Zeitung in der Druckerei der (AKP- nahen) Zeitung Zaman gedruckt würde. Wir könnten sie ja auch dort gedruckt lassen, schließlich müssen wir sie ja letztendlich in irgendeiner Druckerei drucken lassen. Doch diese Behauptung ist eine Lüge.

Ein Anderer behauptete, dass einer der Inhaber (der Zeitung Taraf) infolge finanzieller Schwierigkeiten sein Kind von der Privatschule nehmen und auf einer staatlichen Schule anmelden musste … Seltsam nur, dass die beiden einzigen Teilhaber dieser Zeitung überhaupt keine Kinder haben.

Ein Anderer – ein bei der jüngeren Generation sehr beliebter Literat – behauptete, dass unsere Mitarbeiterin Leyla İpekçi, ausgestattet mit einem Stipendium von Fethullah Gülen sich in den USA aufgehalten hätte.

İpekçi klärte auf:

„Ich war in meinem ganzen Leben noch nie in den USA…“

Hat sich der Lügner wegen seiner Lüge geschämt ?

Nein natürlich nicht … gerade diese unglaubliche Unverfrorenheit dieser Leute, gibt Anlass auf den Verdacht, dass sie gezielt mit der Verbreitung von Unwahrheiten beauftragt worden sind … Nur ein „Auftrag“ bietet Anlass für diese Art von Unverschämtheit, und nur Einer, der eine spezielle Ausbildung genossen hat, kann sein Gewissen und sein Schamgefühl in diesem Maß in den Hintergrund stellen.

Es wird behauptet, dass wir durch die Leute von Fethullah Gülen  finanziert werden.

Wir haben schon einmal gesagt, abgesehen von Beweisen für diese behauptete Finanzierung, sollten sie auch nur einen einzigen kleinen Hinweis für eine Kontaktaufnahme (mit den Gülen-Leuten) bringen, dann werden wir augenblicklich unsere Zeitung schließen und einstellen. Zu unseren Wort stehen wir.

Konnten sie uns antworten? Nein.

Fahren Sie fort Lügen zu verbreiten? Ja.

Und warum?

Weil sie nichts anderes haben als ihre Lügen.

Letztens habe ich gelesen, dass ich ein Monatsgehalt von 30 Milliarden beziehen würde. Macht genau 360 Milliarden im Jahr.

Irgendwo müsste ich ja all diese Geld entweder ausgeben oder ansparen.

Wer beweisen kann, dass ich all diese Gelder verdient habe, dem werde ich diese Summe, inklusive alle meine zukünftigen Gehälter spenden.

Also, gebt euch Mühe, ihr habt eine gute Gelegenheit sehr reich zu werden.

Warum Sie lügen?

Was können sie den anderes als lügen?

Nicht nur dieser Menschenschlag, auch unsere „rechtsgetreuen“ alten Freunde wollen, dass wir unsere Finanzquellen offenlegen.

Die „Geldquelle“ dieser Zeitung sind gleichzeitig die Inhaber dieser Zeitung … und sie haben einen schweren Job … nur Mehmet Betil hat uns geholfen, und wird wenn notwendig auch zum Teilhaber werden.

Wenn Jemand beweisen kann, dass Andere uns ebenfalls finanzieren, dann werden wir auch  augenblicklich diese Zeitung schließen.

Wenn Jemand meine Behauptungen mit entsprechenden Beweisen widerlegen kann, oder auch nur mit einem Hauch von einem „Zeichen“ aufwarten kann, bin ich bereit vom Journalismus ein für alle Mal abzuschwören.

Werden Sie nach diesen meinen Worten aufhören mit ihren Lügen? Ich glaube es nicht …

Weil es ihr Auftrag ist Lügen zu verbreiten … und sich nicht zu schämen.

Hier an dieser Stelle richtet sich mein Wort an Diejenigen, die glauben, dass sie uns mit Lügen zurückwerfen werden.

Solche Lügen können uns nicht zurückwerfen, denn bei uns ist alles transparent.

Schreibt doch mit der selben Beherztheit, vorausgesetzt ihr besitzt diesen Mut, über die Offenlegung der Konten eurer Zeitungen und die eurer Chefs. Gebt doch Auskunft, wie die  Gelder von in Konkurs gerittenen Banken auf die Konten der eigenen Gesellschaften gelandet sind, wie man sich mit Hilfe des Staates bereichert hat.

Gebt doch Auskunft, wie das Geld eurer Vorgesetzten zusammengetragen wurde.

Kein Einziger von euch wird jemals den Mut besitzen darüber auch nur eine Zeile zu schreiben, geschweige ihn überhaupt fragen „Woher hast Du all dieses Geld?“

Sie werden euch auch bestimmt keine Auskunft geben.

Alle Zeitungsinhaber sollten ihre Konten offenlegen … Wir sind dazu bereit … Seid ihr es auch?

Reicht euer Mut hierzu?

Reicht der Mut eurer Chefs dazu?

Wenn ihr den Mut besitzt, na dann Tabularasa !

Ihr seid Lügner …

nicht in Besitz der Kraft und der Gabe ein einziges wahres Wort zu schreiben.

Nach dem wir nun hiermit Klarheit bezüglich der über uns verbreiteten Lügen gebracht haben ...

will ich meine schon vor drei Tagen aufgestellte Frage nochmals wiederholen :

Diejenigen Journalisten und Zeitungen, die bei Zeiten im Susurluk-Fall für großen Wirbel sorgten, warum decken sie nun den Mantel des Schweigens über Ergenekon?

Was war das überzeugende Argument im Susurluk- Fall zu recherchieren, dass es im Ergenekon- Fall nicht geben sollte?

Diese ganzen Lügen dienen lediglich dazu um die Antwort auf diese Frage hinterm Berg zu halten.



Ein Artikel von Ahmet Altan in der Taraf (Ausgabe vom heutigen Tage, 18.Juli 2008) mit dem Originaltitel "Yalanlar, gerçekler, sorular..."

Online verfügbar unter :
http://www.taraf.com.tr/yazar.asp?id=6
(Übersetzt aus dem Türkischen von Sêko)
« Letzte Änderung: 31. Okt 2008, 12:41 von X e m x w a r » Gespeichert

“ne sire ne piwaze, nehlel guncke germe”
Ciwan
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« Antworten #1 am: 18. Jul 2008, 20:37 »

In der Tat versuchen die üblichen türkischen Steinköpfe das einzig wirkungsvolle Medium in der Türkei in den Dreck zu ziehen, um so etwas wie eine ernsthafte mediale Opposition auszuschalten. Ständig präsentieren die etablierten türkischen Zeitungen "Fakten", die die Verbindung von Ahmet Altan ("Atakürt") und seinen Weggefährten zu Fethullah Gülen beweisen sollen. Eine wahrhaft perfide Methode, denn dieses Gerücht wird inzwischen von weiten Kreisen in der Türkei für bare Münze gehalten.
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sekevir
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« Antworten #2 am: 19. Jul 2008, 10:55 »

ja stimmt ciwan ...

ich sehe keine andere zeitung im türkischen blätterwald, die wie die taraf so bemüht ist, stets handfeste belege für ihre nachrichten mitzuliefern und gerade deswegen auch bestimmte institutionen dermassen in bedrängnis bringt.

schon längst hat der generalstab die taraf als gegner deklariert und handelt auch entsprechend. jüngst wurde der taraf auch vom militärstaatsanwalt ein ulitimatum gesetzt ihre beweisunterlagen auf die sich ihre nachrichten stützen, binnen einer woche bei ihm abzuliefern. betraf die nachrichten bzgl. der armee-internen strategiepapiere "bilgi destek ve faaliyet eylem planı" (plan zur "informationsunterstützung" und aktionsdiagramm, mit der offengelegt wurde, wie die armee die öffentliche meinung auf ihre linie bringen will.

hier nochmal kurz die punkte des o.g. planes zusammengefasst, die lt. der taraf dem generalstab "am herzen liegen" :

1. die justiz soll auf linie des generalstabs gebracht werden,
2. journalisten sollen benutzt werden um die ansichten des generalstabs zu verbreiten,
3. oppositionelle der türkischen armee sollen zermürbt werdenm,
4. vordenker sollen gelenkt werden,
5. die dtp soll als terroristisch gebrandmarkt werden,
6. in die kurdischen gebieten soll mit waffengewalt unruhe gebracht werden

zu den punkten und aussserhalb dieser punkte werden wohl auch weitere konkrete angaben zur art und weise gemacht.


(auf türkisch zu lesen bei der online-ausgabe der taraf:
http://www.taraf.com.tr/haber.asp?id=10772   )
 
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Jaban
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« Antworten #3 am: 19. Jul 2008, 11:43 »

Üble Hetze wird selbstverständlich von Perinceks "Aydinlik" getrieben, denn so hieß es über dieses Bild...


...es sei geheim und zeige Altan mit "Terroristen"!

Es stellte sich jedoch heraus, dass dieses Bild schon lange im Umlauf war und es von Journalisten anderer Medien ebenso üblich war auf Kandil Recherche zu betreiben (man denke an Mehmet Ali Birand oder an Perincek selbst, dem Jünger der Hetzzeitschrift "Aydinlik"), denn bereits im Februar gab Altan "Sabah" ein Interview über dieses Erlebnis.

Mit absurden bis peinlichen "Argumenten und Beweisen" deckt "Aydinlik" über die "Machenschaften Tarafs" auf, die hier auf internethaber zusammengefasst sind und hier ausgewählt und gekürzt wiedergeben:

- "Taraf" werde von Fethullah finanziert, der gegen die TSK (tür. Armee) Ergenekon ins Leben gerufen hätte und schließlich sei "Taraf" selbst eine Option Pentagons!
- Banken wie Halkbank, Vakifbank und Gülen wären die ersten Finanzierer "Taraf"s gewesen.
- Die Veröffentlichung "Taraf"s verursache monatlich mindestens 500.000 Dollar und sodann hätte Gülen, ein Mann der amerikanisch-israelischen Allianz, Unterstützung geleistet.
- Besuch für die "taraf" seitens israel. Diplomaten
- "Taraf" treibe eine offene TSK-Feindschaft (könnten ehrliche und renommierte Journalisten hinsichtlich der oft terroristischen Handlungen der TSK und Büyükanits überhaupt anders agieren?).




« Letzte Änderung: 31. Okt 2008, 12:45 von X e m x w a r » Gespeichert

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« Antworten #4 am: 19. Jul 2008, 12:02 »

@ Jaban:

in der heutigen englischen Ausgabe von "Hürriyet" http://www.hurriyet.com.tr/english/domestic/9472500.asp?scr=1 wird nicht nur eine "Mohrenwäsche" für TSK veranstaltet sondern u.a. mit der häufigen Erwähnung des Begriffs "Ergenekon", der als Link zu den wesentlichen Artikeln von Hürriyet zu dieser Ermittlung eine Stimmung erzeugt, die fast schon als Provokation für den nächsten "e-mail Staatsstreich" der TSK nach dem Muster von Ende April 2007 zu verstehen ist, als die TSK Chefs versuchten die erste Wahl von Abdullah Gül zum Präsidenten zu verhindern. Jetzt will man wohl die taktischen Fehler vom Vorjahr vermeiden und eine Situation schaffen, dass ein Putsch "populärer" wird. Na ja, ich hoffe, dass das wieder ein untauglicher Versuch wird, obwohl KurdInnen eigentlich emotionslos zusehen könnten, wie ihre Unterdrücker sich untereinander fetzen.

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« Antworten #5 am: 19. Jul 2008, 12:30 »

Das nennt man mal wieder Selbstüberführung à la Türkei. Auf der einen Seite wird die Nachrichten der Taraf-Zeitung als Lüge abgestempelt, auf der anderen Seite verlangt die TSK, dass Taraf Aufklärung über ihre Informanten leistet und meint, dass es innerhalb der TSK Personen gäbe, die Interna an die Zeitungen (allen voran an die Taraf) bringen würden.
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sekevir
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« Antworten #6 am: 19. Jul 2008, 12:37 »

... obwohl KurdInnen eigentlich emotionslos zusehen könnten, wie ihre Unterdrücker sich untereinander fetzen.

ich glaube nicht, dass man die an der ergenekon-krise beteiligten lager nur auf das militärisch-kemalistische und religiöse (akp), und somit lediglich auf eine klopperei unter den unterdrückern begrenzen kann.

gerade solche, wie die macher der taraf zeigen doch, dass da durchaus weitere kreise an diesem konflikt beteiligt sind. kann man solche leute als unterdrücker der kurden kategorisieren? ich finde es deshalb falsch zu meinen, daß kurden sich da raushalten sollten. ich halte es wichtig hier partei zu ergreifen für solche menschen wie ahmet altan.
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« Antworten #7 am: 19. Jul 2008, 13:00 »

@ sekevir:

Da habe ich mich wohl eben etwas missverständlich ausgedrückt, wofür ich um Entschuldigung bitte.

"Eigentlich" könnten sie - oberflächlich betrachtet - schon zuschauen, aber im konkreten Falle sollten sie das gerade nicht tun. Aus diesem Grunde habe ich ja auch in meiner täglichen Betrachtung der englischsprachigen trk Presse, zusammengefasst seit Anfang Mai in der wöchentlichen "Linklist" diesem Thema breiten Raum gewidmet und einige sehr wichtige Artikel dazu auch ins Deutsche übersetzt, z.B. von Orhan Kemal Cengiz und Mustafa Akyol. Und die kommentierenden Artikel von Reimer Heider zu diesem Thema habe ich ja auch deshalb auf Kurdmania so prominent platziert, weil sie für die augenblickliche Situation in Nordkurdistan so wichtig sind.
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« Antworten #8 am: 31. Okt 2008, 12:44 »

Denken heißt kämpfen:
Junge türkische Zeitung "Taraf" gefährdet


http://jetz.sueddeutsche.de

Zitat
Im September lud Basbug ausgewählte Journalisten ein und deutete an, mit der Tradition seiner Vorgänger brechen zu wollen, die sich ständig in die politische Debatte eingemischt hatten.
Ein harter Bursche zwar, aber mit einem kühlen Kopf. So beschrieben nach seinem Amtsantritt im Sommer viele, die ihn kannten, den türkischen Armeechef Ilker Basbug. "Mich seht ihr wahrscheinlich zum ersten und zum letzten Mal", sagte Basbug. Das Versprechen hielt nicht einmal einen Monat.

Letzte Woche beorderte Basbug zwei Flugzeugladungen voller Journalisten zu sich, um dann vor laufenden Kameras Gift und Galle zu spucken. "So ein Bild hatte ich zuletzt beim Militärputsch am 12. September 1980 gesehen", sagt der Journalist Alper Görmüs über die Szene: Im Hintergrund standen die vier höchsten Generäle des Landes stramm, während vorn am Mikrofon ihr Chef "Feuer spie" (so das Boulevardblatt Posta).

"Das ist mein letztes Wort", donnerte Basbug und seine Stimme bebte vor Wut: "Alle sollten von nun an vorsichtig sein - und auf der richtigen Seite stehen."

Jeder im Raum und vor den Fernsehschirmen wusste, wem die Drohung galt: "Uns", sagt Görmüs: "Die Botschaft des Generals lautet: 'Halte den Mund, Taraf!'"

Taraf - die jüngste Zeitung des Landes. Noch kein Jahr alt und schon die meistzitierte und meistdebattierte Zeitung, egal ob sie über den Ergenekon-Geheimbund schreibt oder über den Kampf gegen PKK-Terror. Stachel in der Seite der Armee, Stachel aber auch in der Seite ihrer Kollegen: Taraf zeigt an seinen besten Tagen der Türkei, wie Journalismus aussehen kann, wenn man ihn ernstnimmt. "Eigentlich machen wir etwas ganz Einfaches: Wir stellen Fragen", sagt Yasemin Congar, die stellvertretende Chefredakteurin: "Das hat sich bislang bloß keiner getraut in diesem Land."

Taraf bedeutet "Seite" - oder "Partei", wie in dem Motto, das die Zeitung jeden Tag unter ihrem Namen druckt: "Denken heißt Partei ergreifen". Für was? "Für die Demokratie, für Menschenrechte, für Gerechtigkeit", sagt Yasemin Congar. Als sich im November 2007 im Stadtteil Kadiköy auf Istanbuls asiatischer Seite die Taraf-Macher auf ihre erste Ausgabe vorbereiteten, da einte sie der Wunsch nach etwas, was sie schmerzlich vermissten: guten Journalismus. "Unser Ziel war, Dinge ans Licht zu bringen, die in diesem Land bis heute tabu sind. Eine Zeitung zu sein, die sich traut alles zu drucken", sagt Congar. "Die erste unabhängige Zeitung."

Fast alle türkischen Zeitungen und TV-Sender gehören heute großen Industriekonzernen oder ideologischen und religiösen Gruppierungen und werden von ihren Besitzern oft instrumentalisiert. "Wenn die Interessen deines Chefs die redaktionelle Arbeit bestimmen", sagt Congar, "dann ist das Todesurteil für den Journalismus." Congar war Washington-Korrespondentin der großen Zeitung Milliyet, die zum Dogan-Konzern gehört. Chefredakteur Ahmet Altan ist ein bekennender Linker, der in den 1990ern als Bestsellerautor historischer Liebesromane zum Star wurde.

Andere prominente Schreiber, die zu Taraf desertierten, sind der Autor Murat Belge und der oben zitierte Alper Görmüs. Görmüs erreichte der Ruf zu Taraf in seinem Garten an der Ägäisküste. Da war er gerade wieder einmal arbeitslos geworden: Als Chefredakteur der Zeitschrift Nokta hatte Görmüs im Frühjahr 2007 enthüllt, dass einige Generäle 2004 putschen wollten - die Zeitschrift musste kurz darauf schließen.

Die Lehre, die die Medien der Türkei einmal mehr daraus zogen, war: Mit der mächtigen Armee, noch immer ein Staat im Staate, legt man sich nicht an. Und nun platzte die neugegründete Taraf auf die Bühne und verkündete: Jetzt erst recht. Seine Mission beschreibt Chefredakteur Ahmet Altan so: "Die Armee in Ordnung bringen. Und die Medien in Ordnung bringen. Dann kann sich das Schicksal eines Landes schneller ändern als man sich das vorstellen mag."

Es dauerte nicht lang, bis Taraf selbst Schlagzeilen machte. Nach einem Angriff der Kurdischen Arbeiterpartei PKK auf den Grenzposten in Daglica, der zwölf Soldaten das Leben kostete, bewies Taraf, dass die Armeeführung schon vorher Bescheid gewusst hatte von dem geplanten Überfall. Das Echo, das die Zeitung auslöste, war von Anfang an erstaunlich für eine Redaktion, die aus 40 Mitgliedern besteht und die bis heute im Durchschnitt gerade mal 35 000 Exemplare am Tag verkauft.

"Taraf tut etwas, was bislang keiner gewagt hat", sagt der Unternehmer und politisch engagierte Liberale Ishak Alaton: "Sie legen Hand an die Unantastbaren. Es tun sich erstaunliche Dinge in der Türkei." Armee und Gendarmerie sträubten sich gegen jede Form der Kontrolle, sagt Ümit Kardas, ein ehemaliger Militärstaatsanwalt, heute ein bekannter Kritiker der Armee: "Hier spielt Taraf eine enorme Rolle - sie kämpfen für Transparenz. Und sie tun das weitgehend alleine. Es gibt im Moment kein anderes Presseorgan, das mit Taraf vergleichbar wäre."

"Wir sind klein und wir haben kein Geld. Aber schon heute haben wir die Medien des Landes verändert," meint Yasemin Congar selbstbewusst.

Vor allem zwei Fälle scheinen ihr Recht zu geben. Zum einen das Verfahren gegen den ultranationalistischen Geheimbund Ergenekon, das am Montag begann. Von Anfang an begleitete Taraf die Ermittlungen gegen die mutmaßliche Verschwörer- und Mörderbande mit engagierter Berichterstattung auf den Titelseiten, während andere Zeitungen das Thema ignorierten oder aber als Rachekampagne der Regierung gegen Kritiker abtaten. "Sie haben unsere Berichte lange als ,Märchen‘ verspottet", sagt Congar: "Heute schreiben auch viele andere vom ,Jahrhundertprozess'."

Und dann ist da die Geschichte, mit der sie den kühlen Generalstabschef in Brand setzten. Fast ist es eine Wiederholung des Daglica-Scoops von 2007. Am 3. Oktober überfielen PKK-Kämpfer den Grenzposten Aktütün. 17 Soldaten wurden getötet. Am 14. Oktober enthüllte Taraf geheime Dokumente und Videos, die zweierlei nahelegen: Erstens, die Armeeführung hatte schon einen Monat vor dem Überfall von dem Angriffsplan erfahren. Und zweitens: Unbemannte Drohnen hatten den ganzen Tag über Bilder des Überfalls an den Generalstab übertragen. "Warum", fragte daraufhin nicht nur Taraf, "mussten unsere Soldaten sterben?"

General Basbugs Pressekonferenz war doppelt bemerkenswert: Wegen der unverhüllten Drohungen Taraf gegenüber. Und weil der General mit keinem Wort auf die Vorwürfe einging - statt die Taraf-Berichte Lügen zu nennen, erklärte Basbug, man werde diejenigen finden und bestrafen, die die geheimen Dokumente der Zeitung zugespielt hatten. Noch bemerkenswerter waren die Reaktionen auf die Rede. Taraf selbst erschien am nächsten Tag mit der Titelzeile: "Hör auf mit den Drohungen - verantworte dich!"

"Glaubt Ihr etwa, Ihr könnt uns Angst machen?", fragte Chefredakteur Ahmet Altan in seinem Leitartikel: "Versteht Ihr nicht, dass es Leute gibt, die zu allem bereit sind, um ihr Land glücklich und frei zu sehen?" Die Türkei ist ein Land, das bis heute unter dem Bann seiner Armee steht. Ein Land, das seine Kinder zu Soldaten erzieht. Aber der Bann beginnt sich zu lösen. Der Aktütün-Angriff führte dazu, dass die Armee zum ersten Mal auf breiter Front kritisiert wurde. Die Drohungen gegen Taraf seien "inakzeptabel", heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der Journalistenverbände: "Wir möchten daran erinnern, dass in einer Demokratie niemand vor Kritik gefeit ist."

Selbstverständliche Sätze für einen deutschen Leser - für die Türkei aber ein Novum und ein Wagnis zugleich. "Die Türkei", kommentierte die Zeitung Sabah, "ist nicht länger die alte". Fast. Erstaunlicherweise eilt nun ausgerechnet Premier Tayyip Erdogan den Generälen - mit denen ihn eigentlich eine bittere Rivalität verbindet - zu Hilfe. "In diesem Kampf ist kein Platz für Schwäche und Zögern", schimpfte Erdogan: "Keiner soll es wagen, unsere Streitkräfte als schwach darzustellen." Taraf revanchierte sich mit der Schlagzeile: "Premier der Paschas" (Pascha hießen die Generäle im osmanischen Reich) - und muss sich seither wenigstens nicht mehr um das Gerücht scheren, die Regierung oder ihr nahestehende islamische Sekten finanzierten heimlich die Zeitung. Bleiben immer noch George Soros (Jude!) oder der CIA (Washington!), die von den vorwiegend kemalistisch-nationalistischen Gegnern als die Hintermänner von Taraf gestreut wurden.

Die Wirklichkeit ist prosaischer: Taraf ist das Steckenpferd der Buchhändlerbrüder Basar und Savas Arslan, die ihr Vermögen in die Zeitung gesteckt - "und fast alles verloren haben", wie Vize-Chefredakteurin Congar lakonisch anmerkt. Die Zeitung wird gemacht im vierten Stock eines Buchladens. Sie verliert täglich Geld, manche Autoren warten schon länger auf das letzte Gehalt - und wollen doch nicht aufgeben. Mit der Auflage lägen sie schon im Plan, aber die Werbekunden fehlten: "Viele fürchten, sie könnten dann als armeefeindlich gelten."

Taraf hat sich in Rekordzeit Respekt und Ruf erarbeitet. Und doch leben Redakteure und Leser mit der bangen Sorge vor einem baldigen Aus. Was, wenn das Geld ausgeht oder der Druck der Armee zu stark wird? "Gestern gab es Nokta, heute gibt es Taraf, morgen wird es wieder ein anderes Blatt geben", sagt Yasemin Congar. Sie zieht Befriedigung daraus, dass ihre Zeitung die Dinge schon in Bewegung gebracht hat: "Die Leute gewöhnen sich allmählich daran: Es ist kein Verbrechen, Fragen zu stellen. Und das ist auch unser Verdienst."

Autor: Kai Strittmatter
« Letzte Änderung: 09. Feb 2009, 14:29 von X e m x w a r » Gespeichert
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« Antworten #9 am: 09. Feb 2009, 15:08 »

Özgür Gündem hetzt gegen / kritisiert Taraf!

Selahattin Erdem stichelt in der PKK-nahen Zeitung Özgür Gündem gegen die türkische Zeitung Taraf:

Zitat
In seinem Artikel "Hangi Taraf?" ("Welche Taraf?", wobei Taraf aus dem Türkischen übersetzt Seite oder Partei heißt) behauptet Selahattin Erdem, dass die Taraf "tatsächlich parteiisch sei, aber nicht auf der Seite der Demokratie, der Gerechtigkeit und des Volkes, sondern auf der Seite der USA".

Am 3. Oktober gab es einen Angriff auf den Grenzposten in Bezele/Aktütün (Şemzînan): Darufhin berichtete die Taraf-Zeitung, dass der türkische Generalstab, also das türkischen Militär, bereits 3 Tage vorher über den Angriff Bescheid wusste. Nun fragt sich Selahattin Erdem: Woher hat die Taraf ihre Informationen, die sie nicht preisgibt?

Selahattin Erdem ist der Meinung, dass die Taraf nicht nur das türkische Militär, sondern auch die PKK als Ziel auserwählt hätte, dh. seiner Meinung nach gegen die PKK hetze, als sei "der Auftrag (der gegründeten Taraf) die Herabsetzung des Generalstabs und der PKK".

Aber die Gründe für den "Auftrag der Taraf" hat S. Erdem bereits parat:
Hinter der Kampange gegen den Generalstab und die PKK stecke die Politik der USA, um die Kraft der Türken und Kurden für die Dienste der eigenen Interessen zu missbrauchen.

Bereits Öcalan habe vor diesen Machenschaften gewarnt und bei ihm liege auch die Lösung, so Selahattin Erdem.
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