Trauma und Gewalt
Heilberufler im Spannungsfeld zwischen Recht, Politik und EthikSamstag, 22. November 2008, 14:00 bis 20:00 Uhr
Ev. Heilig-Kreuz-Kirche, Zossener Str. 65, 10961 Berlin-Kreuzberg EinladungSehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde,
Menschenrechtsverletzungen, Folter und Gewalt sind in der Türkei an der Tagesordnung, dafür gibt es deutliche Hinweise. Wir Westeuropäer benutzen dies gerne als ein Argument gegen den angestrebten EU-Beitritt und feiern 60 Jahre Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Aber wie ist es bei uns um die Menschenrechte bestellt?
60 Jahre nach der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte nimmt der Kampf gegen den internationalen Terrorismus besonders in Europa und den USA einen breiten Raum ein. Abschottungspolitik und Fremdenfeindlichkeit sind zentrale Bestandteile unseres vermeintlich demokratisch-zivilisierten Zusammenlebens geworden. Bis spätestens Abu Graib und Guantanamo unser Vertrauen erschütterten, dass bei uns alles in Ordnung wäre.
In der Asylpolitik, aber zunehmend auch in anderen Bereichen unseres gesellschaftlichen Lebens, erfahren wir, dass die universelle Gültigkeit der Menscherechte aufgeweicht wird. Sicherheitsbelange und Ordnungsrecht stehen zunehmend höher im Kurs als das individuelle Schicksal von Menschen. Ärztinnen und Ärzte auch hier in Deutschland geraten in Konflikt zwischen Recht, Politik und Ethik.
Wir haben Professor Veli Lök aus Izmir nach Berlin eingeladen, weil wir von ihm und seinen KollegInnen von der türkischen Menschenrechtsstiftung in den letzten 10 Jahren viel gelernt haben. Über Folter, Gewalt und Trauma, über den Nachweis von Folter und die Voraussetzungen für eine Traumabehandlung. Aber vor allem haben wir durch die Arbeit der türkischen Menschenrechtsstiftung viel über den Mut und die Hartnäckigkeit von Ärzten und Anwälten lernen können, die sich gegen Folter und Gewalt engagieren. Menschen, die ihren ärztlich-juristischen Sachverstand und ihren Berufsethos gegen die Forderungen von Staat und Polizei in die Waagschale werfen.
Zu unserer Tagung haben wir eine Reihe von hochkarätigen ExpertInnen eingeladen, mit denen wir über die angesprochenen Fragen diskutieren und gemeinsam überlegen wollen, wie wir politisch und gesellschaftlich Einfluss nehmen, wie wir Kraft und Standhaftigkeit finden und Kolleginnen und Kollegen für die Menschenrechte sensibilisieren können.
Über Ihr Kommen würden wir uns freuen.
Dr. Gisela Penteker
für den Arbeitskreis Flüchtlinge / Asyl
Programm14:00 bis 15:00 UhrZur Schutzbedürftigkeit von Gewaltüberlebenden und ihre Stellung im AsylverfahrenZwei Impulsreferate aus rechtlicher und medizinischer Sicht mit anschließender Diskussion Dr. med. Waltraut Wirtgen, IPPNW
Wilfried Hamm, Vors. Richter am Verwaltungsgericht Potsdam, Neue Richtervereinigung
15:00 bis 16:00 UhrMenschenwürde und Folterverbot
Anmerkungen zur Aufweichung des FolterverbotsAndrea Würdinger, Republikanischer Anwältinnen- und Anwälteverein
Hippokratischer Eid und die Relativierung des FolterverbotsDr. med. Mechthild Wenk-Ansohn, Berliner Behandlungszentrum für Folteropfer
Zwei Impulsreferate mit anschließender Diskussion
16:00 bis 16:30 Uhr Kaffeepause
16:30 bis 18:30 UhrDer Nachweis von Folter und die Arbeit mit FolteropfernProf. Dr. Veli Lök
Vortrag mit anschließender Diskussion
Anschl. Film über die Arbeit in Izmir und die Reaktionen der Sicherheitskräfte auf das Istanbul-Protokoll (Türkisch mit englischen Untertiteln)
Moderation: Dr. med. Gisela Penteker
18:30 bis 19:00 Uhr Abendimbiss
19:00 bis 20:00 UhrGutachtenpraxis im Asylverfahren
Chancen und GrenzenImpulsreferat mit anschließender Diskussion
Dr. med. Hans-Wolfgang Gierlichs
Unsere ReferentInnenDr. Hans-Wolfgang Gierlichs, Internist und Facharzt für Psychosomatik und Psychotherapie. Initiator und Koordinator der Projektgruppe „Standards zur Begutachtung traumatisierter Menschen“ (SBPM)
www.sbpm.de Wilfried Hamm, ist Vorsitzender Richter am Verwaltungsgericht Potsdam und Sprecher des Vorstandes der Neuen Richtervereinigung.
Prof. Dr. Veli Lök, Prof. emeritus der Universität Izmir und arbeitet als Orthopäde und Traumatologe. Er ist Vorsitzender des Menschenrechtsstiftung TIHV in Izmir. Die TIHV hat sich die Behandlung von Folteropfern in der Türkei zur Aufgabe gemacht. Veli Lök ist eine anerkannte Kapazität im gerichtsfähigen Nachweis von Folterspuren und hat maßgeblich am „Istanbul Protokoll“ mitgewirkt.
Dr. Mechthild Wenk-Ansohn ist als praktische Ärztin und Atemtherapeutin im Behandlungszentrum für Folteropfer in Berlin tätig.
Dr. Waltraut Wirtgen, ist Ärztin für Psychotherapeutische Medizin und Psychoanalyse. Sie ist Gründungsmitglied und Freie Mitarbeiterin von Refugio München und seit über 20 Jahren im Aktionsnetz der Heilberufe bei amnesty international und in der IPPNW aktiv.
Andrea Würdinger ist Rechtsanwältin in Berlin. Ihre Schwerpunkte sind das Ausländer- und Asylrecht. Sie ist Vorstandsmitglied im Republikanischen Anwältinnen - und Anwälteverein (RAV).
InformationenTagungsbeitrag Der Tagungsbeitrag beträgt 20 Euro
Arbeitslose, SchülerInnen, Studierende 10 Euro
Im Tagungsbeitrag sind Getränke und ein kleiner Abendimbiss enthalten.
Ein Antrag auf Zertifizierung als Fortbildungsveranstaltung ist bei der Ärztekammer Berlin gestellt.
UnterkünfteHotelinformationen erhalten Sie unter
www.berlin-info.de oder bei der
Berlin Tourismus-Marketing
Telefon 030 – 250025, Fax 030 – 25 00 2424
VeranstaltungsortEv. Heilig-Kreuz-Kirche, Zossener Str. 65, 10961 Berlin-Kreuzberg
Verkehrsverbindungen:U 7 Bhf. Gneisenaustraße
U 1 Bhf. Hallesches Tor
Deutsche Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, Ärzte in sozialer Verantwortung e. V.
Frank Uhe
Körtestraße 10, 10967 Berlin,
Telefon 030 698 0740, Fax 030 693 8166
E-Mail: uhe[at]ippnw.de,
www.ippnw.dezur Anmeldung geht es hier: http://www.ippnw.de/aktiv_werden/termine/ippnwfachtagung/anmeldung/index.html