Traditionell und bildungsfern
Studie gewährt Einblick in die "türkische Seele" Von Boris Kalnoky 24. Februar 2009, 15:09 Uhr
"Wer sind wir?" wollte eine türkische Tageszeitung (“Hürriyet”) wissen und gab eine Art Bestandsaufnahme der türkischen Seele in Auftrag. Die Ergebnisse zeigen die Türken der Demokratie zugewandt, Ausländern gegenüber aber misstrauisch. 70 Prozent finden, dass Frauen nur mit Erlaubnis ihrer Männer arbeiten dürfen sollen.
Seit acht Jahren betreibt die islamisch geprägte Regierung der Türkei eine weitreichende Reformpolitik. Unter Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan wurde die Gesetzgebung zu einer riesigen Baustelle, Hunderte Gesetze wurden an EU-Standards angeglichen. Zugleich machte sich die Regierungspartei AKP daran, die islamische Identität der Gesellschaft und deren Ausdrucksmöglichkeiten zu stärken. Über Sinn und Unsinn dieser Doppelstrategie wird viel gestritten, aber einig ist man sich darin, dass das Land in einem tiefen Transformationsprozess steckt.
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Die Zahlen dürften einiges an Diskussionen auslösen – denn sie zeichnen das Bild einer auch nach acht Jahren Reformpolitik zutiefst islamisch-konservativen Türkei voller Misstrauen gegenüber Ausländern – das Gegenteil einer Annäherung an europäische Sichtweisen. Fast scheint es, als habe die Reformpolitik, die auf europäischere Gesetze achtet, aber in der Gesellschaft mehr Freiheit für islamische Denkweisen durchsetzen will, zu einem Widerspruch geführt.
Außer für die AKP. Für sie läuft alles wunderbar. Das Forschungsinstitut Liljeberg sieht derzeit 63 Prozent Wählersympathien für die Regierungspartei AKP. Im Herbst hatte die Partei noch mit Problemen und sogar innerparteilicher Kritik an Ministerpräsident Erdogan zu kämpfen, aber seit dessen verbalen Ausbrüchen gegen Israel während der Gazakrise sind er und die AKP die Helden der Nation. Verbindet man die beiden Umfragen, ergibt sich folgendes Bild: Der Durchschnittsbürger liest keine Bücher, reist nicht ins Ausland, misstraut Ausländern und wählt AKP.
Quelle und vollständiger Kommentar:
http://www.welt.de/politik/article3264914/Studie-gewaehrt-Einblick-in-die-tuerkische-Seele.html#vote_3265329
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