Weiß jemand ob Daniela Sannwald mit einem Türken verheirtatet ist oder vielleicht bietet jemand ihr mal an mit nach Amed zu reisen!!!!
Sturz in die Gosse
Im Kino: „Min Dît – Die Kinder von Diyarbakir“
Tanz, Gesang, Trommeln, Frauen mit bunten Kopftüchern und Männer in weiten Hosen – kaum ein kurdischer Filmemacher verzichtet derzeit auf die folkloristische Inszenierung einer Hochzeit. Schließlich sind die Bilder archaischer Rituale in karger Landschaft und freundlicher Menschen, die ihre Sorgen während der Feier vergessen, ein Augenschmaus für westeuropäische Kinogänger.
Auch Mîraz Bêzar, Berliner dffb-Absolvent kurdischer Abstammung, verwendet in seinem Spielfilmdebüt „Min Dît – Die Kinder von Diyarbakir“ solches Gefühlsmaterial. Allerdings konterkariert er es bald durch Szenen von Gewalt, die vor dem Hintergrund des friedlichen Fests umso brachialer wirkt. Der Zuschauer aber ist bereits gewarnt, dass die glückliche Familie, die zur Hochzeit aufbricht, nicht heil zurückkommen wird. Und die zehnjährige Gülistan, die eben noch das Kopftuch im Wind flattern ließ, verfällt in Schockstarre, als ihr Vater von einem Geheimpolizisten erschossen wird.
Nach dem Mord taucht die Mutter der Kinder unter – die Familie hatte einem PKK-Kämpfer aus den Bergen Unterschlupf geboten –, und Gülistan und ihr jüngerer Bruder Firat bleiben mit ihrer noch nicht einjährigen, kranken Schwester bei einer Tante in Diyarbakir, deren Einwohner mehrheitlich Kurden sind. Auch die Tante aber verschwindet. Von nun an auf sich selbst gestellt, versucht Gülistan, Geld für Essen und Medikamente für die Geschwister aufzutreiben, doch das Baby stirbt. Vertrieben vom Vermieter, schlagen sich Gülistan und Firat auf der Straße durch, Unterstützung finden sie bei anderen Straßenkindern, von denen sie das Überleben durch Betteln, Stehlen und den Handel mit Billigartikeln lernen. Am Lagerfeuer singen die Kinder von der Heimat Kurdistan – bis Geheimpolizisten die Leichen von Gefolterten in ihrer Sichtweite abladen.
„Min Dît“ ist eminent politisch – und holte soeben auf dem Filmfest Istanbul wohl vor allem für sein Engagement Preise für den Regisseur, die Hauptdarstellerin und die Musik. Der Gedanke liegt schon beim Blick auf die Jury nahe: Schließlich ist deren Präsidentin, die Regisseurin Yeeim Ustaozlu, für ihre Thesenfilme bekannt. Zudem zeugt die Preisvergabe von einem gewandelten Klima: Der Film ist bereits in der Türkei angelaufen – vor zehn Jahren hätte ein in kurdischer Sprache gedrehter Film in der Türkei außerhalb von Festivals kaum eine Aufführungschance gehabt.
Unerfreulich an „Min Dît“ allerdings ist neben dem simplen Gut-Böse-Schema seine Realitätsferne. Gerade die riesigen kurdischen Familien halten zusammen. Kinder hungern nicht und werden erst recht nicht allein gelassen. Regisseur Mîraz Bêzar sollte das besser wissen, auch wenn er in Ankara geboren wurde und seit seinem 9. Lebensjahr in Deutschland lebt. Es ist an der Zeit, dass kurdische Regisseure Filme machen, die kinematografisch bemerkenswert sind. Politisch mögen sie gern sein, aber bitte nicht nationalistisch. Daniela Sannwald
Quelle: Tagesspiegel
Der Artikel von Frau Sannwald kann einen einfach nur von den Socken hauen. Das tut echt schon weh beim Lesen.
Das, was Frau Sannwald mit „dem simplen Gut-Böse-Schema“ und seiner angeblichen „Realitätsferne“ beschreibt, ist nichts weiter als ihr eigenes Unwissen über Dinge, mit denen sie sich ganz offensichtlich nie oder nicht ausreichend beschäftigt hat.
Sie scheint noch nie etwas von den Ausnahmezuständen, die seit Ende der 80er Jahre dort regelmässig verhängt wurden und diese Gebiete zu rechtsfreien Räumen erklärt haben, in denen nur das türkische Militär das Sagen hatte, gehört zu haben..
Dass im Rahmen des Krieges in Kurdistan über 3000 Dörfer verbrannt und Millionen von Menschen vertrieben wurden, die sich dann in Großstädten im Westen der Türkei und solchen wie Diyarbakir angesiedelt haben, wird ihr ebenso wenig sagen.
Ebenso wenig wird sie etwas mit der Tatsache anfangen können, dass eine Stadt wie Diyarbakir (mit Umgebung) von über 300.000 Einwohnern Anfang der 90er, bis heute auf über 2 Mio. angewachsen ist.
Da kommt ihr besserwisserisches Argument, dass „riesige kurdische Familien“ doch zusammenhalten und Kinder dadurch nicht allein gelassen werden und hungern müssten, einfach nur lächerlich vor. Gerade die Vertreibung und Ansiedlung dieser Menschen in Städte wie Diyarbakir hat die soziokulturellen Strukturen vieler Familien gesprengt und das Platzen dieser Städte ist meistens mit Arbeitslosigkeit, Armut und Hunger verbunden. Und das für die Mehrheit der Bevölkerung von Diyarbakir, da sie bis heute einem politischen Klima ausgesetzt ist, welches für ihre Probleme keine Lösung anbietet.
Zudem sollte jemanden der über dieses Thema schreibt die Problematik der Staßenkinder von Diyarbakir nicht fremd sein.
Auch scheint sie noch nie etwas über die ca. 17.000 unaufgeklärten Morde und die bis heute spurlos verschwundenen Menschen gehört zu haben. Genauso wenig wird sie über die verschiedenen Paramilitärs/Kontraguerillas die in diesen Gebieten ihr Unwesen getrieben haben gehört haben.
Vielleicht kann man es ihr nicht verübeln, da selbst viele Menschen in der Türkei wenig Kenntnis darüber haben und die türkischen Medien (darunter mehrheitlich liberale und demokratisch gesinnte Medien wie die Taraf-Zeitung) diese Themen erst in den letzten Jahren aufgegriffen haben. Jedoch sollte sie dann lieber nicht so forsch irgendwelche Behauptungen aufstellen.
Der Film ist ihr zu politisch, obwohl es sich ganz offensichtlich um die Folgen politischer Umstände dreht. Weiter gibt sie von sich, Miraz Bezar würde sein verwendetes Gefühlsmaterial mit Szenen von Gewalt konterkarieren. Die Menschen haben dort viel Gewalt erfahren und erfahren es zum Teil heute noch. Verlangt sie eine Beschönigung dieser Dinge oder ist das wieder ein Beweis für ihre absolute Unkenntnis?
Sie wirft Miraz Bezar vor, einen nationalistischen Film gedreht zu haben. Dabei geht es in diesem Film um nichts anderes, als all den Kurden, deren Identität seit der Republiksgründung geleugnet wurde, und die dort – in welcher Hinsicht auch immer – zum Opfter staatlicher Gewalt geworden sind, eine Stimme zu geben. Der Film will Öffentlichkeit für ein Thema herstellen, das jahrelang totgeschwiegen wurde. Sie verwechselt da etwas ganz Wesentliches, denn in dem Film wird zu keinem Zeitpunkt versucht, das kurdische Volk anderen Völkern ggü. besser zu stellen. Ihre Behauptung ist in diesem Zusammenhang einfach nur paradox und makaber.
Frau Sannwald hat sich wahrscheinlich noch nie mit dem Konflikt in Kurdistan auseinandergesetzt. Miraz Bezar jedoch hat seit 2005 vor Ort in Diyarbakir recherchiert und das Drehbuch wurde von seiner verstorbenen Verwandten Evrim Alatas (Journalistin (u.a. für die Taraf), die sich fast ihr gesamtes Leben mit diesem Konflikt beschäftigt hat, geschrieben.
Darüber hinaus hat er grösstenteils mit Laiendarstellern (die Straßenkinder im Film sind auch in der Realität welche) und mit einem anfänglich ganz begrenzten Budget gedreht. Er hat sein gesamtes Vermögen in diesen Film gesteckt und als das nicht ausreichte, hat auch seine Familie (seine Mutter hat für den Film ihr Haus verkauft) mitgeholfen, bevor er dann schliesslich Produzenten für die Beendigung der Dreharbeiten finden konnte.
Ein weiterer eindrucksvoller Beweis dafür, dass sie sich nicht ausreichend mit dem Film und seinem Inhalt beschäftigt hat, ist ihre falsche Behauptung, die Mutter wäre nach dem Mord untergetaucht. Die Mutter ist nicht untergetaucht, sondern wurde genauso wie der Vater hingerichtet. Und die Hochzeitsfeier, mit der sie ihren Artikel beginnt und die ein Augenschmaus für westeuropäische Kinogänger sein soll, beansprucht im Film sicherlich weniger als 15 Sekunden.
Min Dit hat als erster rein kurdischsprachiger Film in der Türkei das Filmfest in Istanbul und zuvor selbst das als konservativer eingeschätzte Filmfest in Antalya gewonnen. Das sind eindeutig positive Zeichen für einen Wandel in der Türkei und für eine andere Behandlung dieser Themen, die vorher nur Tabu waren. Frau Sannwald unterstützt mit ihrer sehr flachen und inhaltlich einfach falschen und haltlosen Kritik diese Entwicklung nicht, sondern sabotiert sie vielmehr. Den radikalen und ewiggestrigen Kräften in der Türkei hat sie somit einen Bärendienst erwiesen.
Es ist einfach nur ein Armutszeugnis, dass der Tagesspiegel Dilettanten wie Frau Sannwald eine Plattform bietet, auf der solche ihren geistigen Müll ablagern dürfen.