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Der Korbverkäufer

Es war einmal ein Prinz. Bei seiner Lieblingsbeschäftigung, der Jagd, sah er eines Tages, wie man einen Toten auf den Schultern zum Friedhof trug. Er fragte:“ Wer ist das?“ Man antwortete ihm:“ Es ist der und der junge Mann!“ Da stieg er vom Pferde ab, ging hin und trug den Sarg auf seinen Schultern zum Friedhof. Nachdem er zurückgekehrt war, sagte er zu seinen Eltern:“ Ich werde mich zurückziehen und in dieser Welt ein Derwisch werden.“ Wie sehr man ihm auch sagte, er solle an Stelle seines Vaters Emir werden, er willigte nicht ein. Er sagte:“ Da es immerfort Tod gibt, mag ich die Welt nicht bedrücken.“ Wie sehr man sich auch bemühte, man richtete nichts bei ihm aus. Schließlich ließ man ihn gewähren. Er begann, sich Ruten zu holen, und flocht daraus Körbe. Dann zog er aus Amed, der Stadt seines Vaters, fort und begab sich mit Frau und Kinder in eine andere Stadt. Jeden Tag nahm er seine Körbe auf die Schultern und trug sie durch die Straßen der Stadt. Zwei- oder dreimal kam er an der Tür des Hauses der Fürstin vorbei. Als die Augen der Fürstin ihn vom Fenster erblickten, da flog ihm ihr Herz zu, nicht wie ein Herz, nein, wie tausend Herzen! Eines Tages hängte der Korbverkäufer seine Körbe auf die Schulter und kam durch die Straßen der Stadt. Die Herrin erwartete ihn schon. Als ihre Augen ihn erblickten, sagte sie zu ihrer Zofe:“ Geh, sage dem Korbverkäufer, dass er herkommen soll.“ Die Zofe ging und sagte zu ihm:“ He, armer Kerl, die Fürstin wünscht dich zu sprechen.“ Er sagte zu ihr:“ Was wünscht die Fürstin von mir? Ich bin ein armer Kerl und ernähre mich redlich.“ Schließlich ging er zu ihr. Sie sagte zu ihm: “ Komm, setze dich auf die Lagerstatt des Emirs und wiege deine Körbe mit Gold auf. Was ist das für eine Tätigkeit, mit der du an den Rand des Elends gekommen bist?“ Der Korbverkäufer sagte zu ihr:“ Ich will weder die Lagerstatt des Emirs, noch will ich das Gold. Ich will ehrlichen Lebensunterhalt für meine Kleinen.“ Was auch der Korbverkäufer vorbrachte, die Fürstin ließ ihn nicht fortgehen. Es wurde Abend, und seine Frau und seien Kinder warteten auf ihren Papa, dass er ihnen zu essen bringe. Aber, ach, dem Korbverkäufer wurde dies nicht erlaubt. Die Fürstin fragte ihn:“ Wo ist euer Haus? Man soll ihnen zu essen hintragen.“ Schließlich sagte er:“ Es ist jene Hütte am Rande der Stadt.“ Die Fürstin stand auf, gab ihrer Zofe Esswaren und sagte zu ihr, sie solle sie in die und die Hütte am Rande der Stadt tragen. Es kam zum Streit zwischen dem Korbverkäufer und der Fürstin. Die Fürstin stand auf und drohte ihm. Aber es nützte nichts, der Korbverkäufer ging nicht auf ihr Ansinnen ein. Er machte sich aus ihren Händen los, stieg auf das Dach und sprang hinab und gelangte auf den Boden und zu seiner Familie. Aber die Fürstin ließ sich dadurch nicht beirren. Sie griff zur List. Sie suchte die Frau des Korbverkäufers auf und sagte zu ihr:“ Dieses mein Gold und Geschmiede, alles werde ich dir geben, nur werde ich heute Nacht an deiner Stelle sein und du geh in mein Haus.“ Die Frau des Korbverkäufers war wegen ihrer Armut auch einigermaßen damit zufrieden, so dass sie der Fürstin den Gefallen tat. Diese vergaß ihren Fußreif abzulegen. Des Nachts, als der Korbverkäufer ins Bett ging, wusste er nicht, dass darin nicht seine Frau war. Aber als sein Fuß den Fußreif spürte, merkte er es, da seine Frau keine Fußreifen am Fuß hatte Er zuckte zusammen und sprang aus dem Bett. Die Fürstin packte ihn an der Hand, aber er riss sich los, und sie hatte wieder nichts ausrichten können. Sie stand auf und ging nach Hause. Dem Korbverkäufer entstand viel Leid, denn sie ließ ihn ins Gefängnis werfen. Der Vater des Korbverkäufers schickte Boten und Briefe seinem Sohne nach in alle Städte fern und nah, so dass die Nachricht auch die Stadt der Fürstin erreichte. Als der Brief in die Hand der Fürstin gelangte und sich herausstellte, dass der Korbverkäufer der Sohn des Emir von Amed war, da besann sie sich eines besseren und schickte den Korbverkäufer in die Stadt Amed; dort wurde er Herrscher und lebte mit seiner Familie fröhlichund zufrieden.

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Kurdische Märchen, Luise-Charlotte Wentzel