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Yezdan Sher

Yezdan Sher, auch Îzzedîn Shêr, der Neffe von Bedir Khan Bey und Kommandant der Ostflanke der kurdischen Streitkräfte während der Revolte von Bedir Khan Bey im osmanischen Reich ließ seinen Onkel in der besagten Erhebung im Stich und öffnete den osmanischen Streikräften somit die Zugangswege nach Djazireh (D. Djalil, Die Kurden des osmanischen Reiches in der ersten Hälfte des XIX. Jahrhunderts., S. 147), sodass Bedir Khan sich in der weniger standhaften Festung Eruh zurückziehen musste und schließlich kapitulieren musste.

Nach diesem Verrat an seinem Onkel wurde Yezdan Sher von der osmanischen Regierung zum Gouverneur von Hakkari (Hukumat) ernannt. Nach Kendal hatte Yezdan Sher aus Ehrgeiz und aufgrund von persönlicher Rivalität den Sturz seines Onkels Bedir Khan herbeigeführt.

Jedoch war sein Amt als Gouverneur nicht von langer Zeit, denn schon 1850, etwa 2 Jahre nach seiner Ernennung, wurde Yezdan Sher wieder aus seinen Ämtern entfernt.

1853 trat das osmanische Reich in den Krieg gegen Russland; wesentliche Teile des kurdischen Volkes weigerten sich an diesem Krieg teilzunehmen, obwohl der Sultan den Dschihad gegen die Russen ausrief; genau in diesem Moment wollte Yezdan Sher von der Unzufriedenheit des Volkes profitieren und gegen das osmanische Reich antreten, das gegen die Russen zog, um ein Kurdistan zu gründen, dessen König er werden wollte.

Im Frühjar 1855 entfesselte er den Kampf in Bitlis.

Mit etwa 2000 Kriegern hinter seinem Rücken nahm er diese Stadt ein, setzte einen kurdischen Gouverneur an die Spitze und marschierte weiter nach Mosul, das er ohne größere Schwierigkeiten einnahm.

Mosul war eine militärisch wichtige Stadt des osmanischen Reiches und so konnte Yezdan Sher aus dieser militärischen Niederlassung der Osmanen Waffen und Munition konfiszieren, sodass er in der Lage war, eine Armee von etwa 30 000 Kämpfern aufzustellen, mit der er blitzartig auch Siirt befreite, einen administrativen und militärischen Knotenpunkt der osmanischen Besatzung in Kurdistan, obwohl vereinte Kräfte der Valis von Siirt und Bagdad diese Stadt verteidigten.

Innerhalb weniger Monate konnte Yezdan Sher weitere Gebiete, die sich von Bagdad bis zum Vansee und nach Amed (Diyarbakir) erstreckten, unter seine Kontrolle bringen.

Aufgrund dieser Erfolge schlossen sich immer mehr waffenfähige Männer seinen Truppen an, sodass er sich Ende des Sommers 1855 schon auf etwa 100 000 Mann verlassen konnte (N. A. Khalfin, Der Kampf um Kurdistan, S. 74).

Da nun der Winter heranrückte, zogen sich die Russen in ihr Winterquartier zurück; somit konnte sich die Pforte eine Atempause gönnen und sich nun ganz der Erhebung in Kurdistan widmen. In dem osmanisch-russischen Krieg (Krim-Krieg) kämpften auch England und Frankreich an der Seite der Osmanen und hatten kein Interesse an ein Kurdistan, das unter den Einfluss  der Russen gelangen könnte.

Der britische Abgesandte Nimrud Rassam reiste also 1855 von Mosul zum Hauptquartier der kurdischen Bewegung, mit beträchtlichen Geldsummen. Einerseits versuchte dieser die Stammesführer mit Geld und Geschenken zu locken und zu bestechen und andererseits Yezdan Sher zu überzeugen, die Frage der Unabhängigkeit Kurdistans durch Diplomatie, mit Briten als Vermittler, zu regeln.

Einige Stammesführer wurden auf diese Weise gezähmt und weigerten sich den Kampf fortzuführen und Yezdan Sher, obwohl er ein unerschrockener Feldherr war, glaubte aufgrund seiner diplomatischen Unerfahrenheit an die Versprechungen von Rassam und an die guten „Absichten des zivilisierten Englands“, da er ja auch bis dato keine Nachricht auf seine an die Russen vweitergeleiteten Briefe erhalten hatte (Dieser Brief erreichte seine Empfänger erst nach der Erhebung des Yezdan Shers; Likhutin, der russische Kommandant rechnete mit verschiedenen Vorschlägen zu gemeinsamen Kampf gegen die Pforte, die Yezdan Sher dem russischen Kommandanten mitteilte; Ruskie v Aziatskoi Turtsii v 1854 i 1855 g – die Russen in der asiatischen Türkei in den Jahren 1854 und 1855, D. Djalil, S. 168-169).

Yezdan Sher war der Überzeugung, dass die Unabhängigkeit nur mit Hilfe europäischer Großmächte zu erlangen wäre, wie es bei Griechenland oder Ägypten der Fall war.

In Begleitung von Rassam begab sich Yezdan nach Istanbul, um unter dem Schutz Englands Verhandlungen mit der Pforte aufzunehmen; er wurde jedoch bei seiner Ankunft in der osmanischen Hauptstadt gefangen genommen und eingekerkert und damit seine Truppe ihres Anführers beraubt, sodass der Aufstand schließlich in sich zerbricht.